Pünktlich, schön, effizient: «Die Schweiz ist Taiwans Vorbild»
Aktualisiert

Pünktlich, schön, effizient«Die Schweiz ist Taiwans Vorbild»

Der taiwanesische Repräsentant in der Schweiz, Fadah Hsieh, will aus Taiwan die Schweiz von Asien machen.

von
Gabi Schwegler
Fadah Hsieh, taiwanesischer Repräsentant in der Schweiz.

Fadah Hsieh, taiwanesischer Repräsentant in der Schweiz.

Herr Hsieh, Sie sind seit knapp zwei Jahren in der Schweiz. Was gefällt Ihnen am besten?

Fadah Hsieh: Die wunderschöne Berner Altstadt fasziniert mich auch nach dem 1000. Spaziergang. Und die freundlichen, hilfsbereiten und sprachgewandten Menschen erleichterten mir das Einleben sehr.

Was überraschte Sie?

Zum Beispiel, dass alle Schweizer ihre Teller ganz sauber ausessen. Sogar die Jungen nehmen noch Brot, um die letzten Resten aufzuputzen. Das ist ein Zeichen für grosses Umweltbewusstsein, von dem ich meinen Landsleuten regelmäs­sig erzähle.

Sie sind ja ein richtiger Schweiz-Fan ...

Mit gutem Grund: Bewundernswert finde ich etwa die Pünktlichkeit, die gut ausgebaute Infrastruktur und die Bildung eines attraktiven Forschungsplatzes. Wir müssen auch solche Rahmenbedingungen schaffen, um Wissenschaftler anzuziehen.

Sie nehmen sich also die Schweiz zum Vorbild?

Ja, ich wünsche mir, dass Taiwan so wird wie die Schweiz. Wir sind beides kleine, aber wirtschaftlich starke Länder. Und wir teilen dieselben demokratischen und humanitären Grundwerte.

Wie soll sich Taiwan konkret zur Schweiz Asiens entwickeln?

Die Taiwaner sind sehr lernfreudige Menschen und willig, effiziente und sinnvolle Ideen zu übernehmen. Etwa das beeindruckende ÖV-System. Auch wir achten sehr auf den Ausbau der Infrastruktur und investieren kontinuierlich.

Werden Sie Ihren Landsleuten die Schweiz auch als Reiseland schmackhaft machen?

Das ist nicht mehr nötig. Die Schweiz steht seit langem zuoberst auf der Liste der Reiseziele. Viele möchten einmal die Jungfrau und das Matterhorn sehen und, wie ich, durch die schönen Altstädte schlendern.

Das ist Taiwan

Auf der Insel Taiwan, die kleiner ist als die Schweiz, leben über 23 Millionen Menschen. Der offizielle Name Taiwans ist Repub­lik China, deren rechtlicher Status bis heute nicht geklärt ist. Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und strebt eine Wiedervereinigung zu eigenen Bedingungen an.

Wirtschaftsallianz Schweiz-Taiwan?

Fadah Hsieh hat gros­se Pläne mit der Schweiz: Er will die taiwanesisch-schweizerischen Beziehungen rasch intensivieren. «Taiwan kann der Schweiz als wichtiger Gateway den Zugang zum ostasiatischen Markt erleichtern», so Hsieh. Insbesondere im Hinblick auf den chinesischen Markt verspricht Hsieh Unterstützung: «Durch die geplante Unterzeichnung des wirtschaftlichen Kooperationsabkommens ECFA normalisieren sich die Beziehungen zu Festland-China und ermöglichen uns eine engere Zusammenarbeit mit der Volksrepublik.» Im Sinne einer Win-win-Situation soll die Schweiz dieselbe Scharnierfunktion für Taiwan in Europa übernehmen. «Wir sind beides High-Tech-Industrieländer, die einander auf Grund ähnlicher Rahmenbedingungen gut verstehen und deshalb effizient unterstützen können», erklärt Hsieh. Für Geschäftsleute aus der Schweiz, die den Einstieg in Asien suchten, sei sein Büro in Bern immer offen.

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