Europas Plastiksünder: Die Schweiz ist Vize-Europameisterin – beim Plastikverbrauch

Aktualisiert

Europas PlastiksünderDie Schweiz ist Vize-Europameisterin – beim Plastikverbrauch

Die Schweiz verbraucht zu viel Plastik. Nach Luxemburg sogar am zweitmeisten von ganz Europa. Die Politik und die Wirtschaft zögern, etwas dagegen zu unternehmen.

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 Insgesamt 109 Kilo verbraucht ein Schweizer Bürger im Schnitt pro Jahr.

 Insgesamt 109 Kilo verbraucht ein Schweizer Bürger im Schnitt pro Jahr.

imago images/Geisser
Damit rangiert die Schweiz Europaweit auf dem zweiten Platz.

Damit rangiert die Schweiz Europaweit auf dem zweiten Platz.

20min/Matthias Spicher
Den ersten Platz belegt Luxemburg mit 112 Kilogramm Plastikabfall pro Kopf und Jahr.

Den ersten Platz belegt Luxemburg mit 112 Kilogramm Plastikabfall pro Kopf und Jahr.

IMAGO/Volker Preußer

Darum gehts

  • Die Schweiz ist im Produzieren von Abfall an der europäischen Spitze.

  • Pro Kopf werden in der Schweiz jährlich fast 110 Kilogramm Abfall produziert.

  • Ohne Massnahmenplan werde sich der Plastikabfall verdreifachen, heisst es in einem Bericht.

Die Schweiz gilt als eines der saubersten Länder der Welt. Dieses Image bröckelt aber, geht es nach einem Bericht der weltweit tätigen NGO Oceancare. Am Montag stellte sie einen Bericht über den Umgang mit Plastik in der Schweiz vor. Demnach produziert die Schweiz am zweitmeisten Plastik in Europa hinter Luxemburg, wie eine Studie im Fachmagazin «Science Advances» zeigt. Pro Kopf produzieren Schweizerinnen und Schweizer fast 110 Kilogramm Abfall pro Jahr. Ohne Massnahmenplan werde sich der Plastikabfall verdreifachen, heisst es im OECD-Bericht vom letzten Jahr.

Geschäftsführerin von Oceancare, Fabienne McLellan, will mit dem neusten Bericht Druck auf die Politik und den Bundesrat ausüben. «Der Bundesrat muss endlich das Plastikproblem lösen», sagt sie gegenüber den Zeitungen der Tamedia. Eigentlich besteht bereits eine gesetzliche Grundlage, um Verbote von Plastiktüten oder Take-away-Verpackungen durchzusetzen. 

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Gegen Verbote und Zwangsmassnahmen

Es ist umstritten, wie und ob der Staat eingreifen soll. Beat Flach von der GLP glaubt nicht, dass freiwillige Massnahmen genügen. «Wir Schweizer sind Superplastikkonsumenten, vermutlich braucht es Verbote», sagt er. Verbotsforderungen von Einwegplastikgeschirr hatten bisher auf Bundesebene jedoch keine Chance. 2020 forderte die Grünen-Nationalrätin Delphine Klopfstein Broggini ein Verbot von Wegwerfgeschirr in der Take-away-Gastronomie. Dies wurde jedoch abgelehnt, mit der Begründung, ein Verbot bedeute eine «Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit».

Eine Strategie, die auch auf politischer Ebene funktionieren dürfte, ist, Plastik vermehrt zu recyceln und so verstärkt in die Kreislaufwirtschaft einzubinden. Eine entsprechende Motion wurde 2021 vom Parlament gutgeheissen. Eingereicht hat sie Marcel Dobler von der FDP. Dobler zieht einen Vergleich zu PET und sagt gegenüber den Zeitungen der Tamedia: «Die gelebte Eigenverantwortung funktioniert sehr gut, sofern die Möglichkeit des Recyclings für die Kunden besteht.» Daher sei er gegen Verbote und Zwangsmassnahmen.

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(fos)

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