Aktualisiert 19.08.2009 13:23

Hürlimann-Attacke«Die Schweiz kümmert sich einen Dreck»

Thomas Hürlimann attackiert mit harschen Worten die Schweiz und wirft ihr mangelnde Wertschätzung der eigenen Kultur vor.

«Die Schweizer anerkennen einen Helden erst, wenn sie auf den geschlossenen Vorhang starren. Dann kommt der Applaus, aber zu spät», sagte der Autor der Wochenzeitung «Die Zeit».

Er bezog sich im vorab verbreiteten Interview auf die Schliessung des Ammann-Verlags, zu dessen Gründungsmitgliedern er gehörte. «Der Verleger Egon Ammann konnte nur zeigen, was er geschaffen hat, indem er den Theatervorhang fallen liess», kritisierte Hürlimann mit Blick auf die hymnischen Nachrufe, die auf den Verlag erschienen sind.

Ignoranz des Besonderen

Nach Ansicht Hürlimanns, der seit vielen Jahren in Berlin lebt, gibt es in der Schweiz «eine durch die Jahrhunderte gepflegte republikanische Ignoranz allem Besonderen gegenüber». Er fügte hinzu: «Man mag eher das Unscheinbare und nimmt jemanden wie Robert Walser erst Jahrzehnte nach seinem Tod zur Kenntnis. Das würde in Deutschland nicht passieren.»

Deutsche Verlage hätten sich um die Schweizer Kultur sehr verdient gemacht, indem sie Autoren wie Robert Walser und Max Frisch nach Kräften unterstützten.

Schweizer Geiz statt Kulturförderung

Auch punkto Kulturförderung sieht er in der Schweiz Handlungsbedarf: «Dieselbe Schweiz, die Milliarden in den Wind schiesst, um korrupte Banken zu retten, kümmert sich einen Dreck um die Bedeutung eines Verlages oder eines Theaters für dieses Land. Man redet sich darauf raus, dass kulturelle Werte nicht messbar seien. Das ist das neue Schweizer Aktionärsdenken.»

(sda)

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