Aktualisiert 10.06.2020 16:37

Heftige Folgen

Die Schweiz leidet stark unter dem Klimawandel

Gletscherschmelze, Hungertod für viele Tiere und mehr Allergien: Das sind die Folgen des Klimawandels für die Schweiz.

von
Stephanie Sigrist
Im gesamten Alpenraum wird seit den 1980er-Jahren ein starker Gletscherschwund beobachtet. Der Findelgletscher im Wallis beispielsweise hat seit 1850 ein Drittel seiner Masse verloren. Dies steht Glaziologen zufolge in direktem Zusammenhang mit dem globalen Temperaturanstieg. Doch der Klimawandel hat für die Schweiz noch mehr Konsequenzen als die Gletscherschmelze.

Im gesamten Alpenraum wird seit den 1980er-Jahren ein starker Gletscherschwund beobachtet. Der Findelgletscher im Wallis beispielsweise hat seit 1850 ein Drittel seiner Masse verloren. Dies steht Glaziologen zufolge in direktem Zusammenhang mit dem globalen Temperaturanstieg. Doch der Klimawandel hat für die Schweiz noch mehr Konsequenzen als die Gletscherschmelze.

KEYSTONE / Olivier Maire

Das globale Klima weist über Zeiträume von Jahrhunderten bis Jahrmillionen natürliche Schwankungen auf. Seit Beginn der Industrialisierung gegen Ende des 18. Jahrhunderts hat sich die Zusammensetzung der Atmosphäre durch die Emission von Treibhausgasen zunehmend verändert. Dies verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und führt zu einem spürbaren Wandel des Klimas. Insbesondere die starke Erwärmung seit 1950 um ungefähr 0,65 Grad Celsius ist mit natürlichen Klimaschwankungen nicht mehr erklärbar. Verantwortlich dafür sind mit grösster Wahrscheinlichkeit Treibhausgase. Diese werden verursacht durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas sowie durch grossflächige Landnutzungsänderungen wie beispielsweise bei der Abholzung tropischer Regenwälder.

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Die Schweiz gehört zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Die Erwärmung seit dem Messbeginn 1864 beträgt hierzulande laut Bundesamt für Umwelt über zwei Grad Celsius und ist damit doppelt so hoch wie im weltweiten Mittel (0,9 Grad Celsius). Wie macht sich der Klimawandel in der Schweiz bemerkbar?

Hitzesommer: Eine unmittelbare Folge der steigenden Temperaturen ist, dass es in der Schweiz in Zukunft heissere Sommer geben wird. Die Anzahl der Sommertage, an denen das Thermometer über 25 Grad Celsius steigt, wird genauso wie das Vorkommen von Tropennächten zunehmen. Vor allem im Mittelland nimmt die Anzahl der Sommer- und Hitzetage stark zu. In Zürich zum Beispiel zeigt sich seit 1960 eine Zunahme um ein bis zwei Hitzetage pro Dekade. Hitzesommer können insbesondere für ältere Menschen tödlich enden. Ursache für die höhere Sterblichkeit sind nicht unbedingt die Tagestemperaturen, sondern die Tropennächte mit über 20 Grad. So kann sich der Körper anfälliger Personen nicht mehr erholen. Im heissen Sommer 2003 waren 1000 zusätzliche Todesfälle zu verzeichnen.

Mehr Allergien: Allergiker spüren Ärzten zufolge ebenfalls bereits Anzeichen der weltweiten Erwärmung. Allergologen vermuten, dass der Anstieg der CO2-Konzentration die Pollenproduktion bei Pflanzen signifikant ankurbelt und deswegen zu mehr Allergien führt.

Gletscherschmelze: Seit Mitte der 80er-Jahre wird im gesamten Alpenraum ein starker Gletscherschwund beobachtet. Dieser steht in direktem Zusammenhang mit den erhöhten Treibhausgasemissionen der Industriegesellschaft und dem dadurch verursachten globalen Temperaturanstieg.

Weniger Permafrost: Die Nullgradgrenze im Winter ist seit den 1960er-Jahren um rund 300 Meter gestiegen. Die Erwärmung des dauernd gefrorenen Untergrundes im Hochgebirge – Permafrost – ist ein langsam ablaufender und langfristig wirkender Prozess. Durch den tauenden Permafrost werden Hänge instabil, und die Steinschlag- und Felssturzgefahr im Gebirge erhöht sich. Diese Entwicklung stellt ausserdem für zahlreiche Bergbahnen ein kostspieliges Risiko dar, da Fundamente von Masten und Stationen in höheren Lagen häufig im gefrorenen losen Gestein verankert sind.

Schneemangel: Die Wintersportsaison wird sich in Zukunft um einige Wochen verkürzen und die Schneegrenze um mehrere Hundert Meter ansteigen. Die Schneesaison beginnt in den Schweizer Alpen heute rund zwölf Tage später als noch 1970 und endet 25 Tage früher. Vorerst wird der Klimawandel besonders Skigebiete, die unterhalb von 2000 Metern liegen, empfindlich treffen.

Wirtschaftliche Folgen: Neben dem Winter-Tourismus sind direkte wirtschaftliche Folgen vor allem in den produzierenden und verarbeitenden Sektoren spürbar. In erster Linie die Landwirtschaft leidet unter Trockenperioden, und Bauern werden in Zukunft öfter auf Bewässerung angewiesen sein. Trockenheit setzt aber auch Kiefergewächsen zu. Fichten, die in der Holzwirtschaft eine äusserst wichtige Rolle spielen, drohen unter anderem aus Wassermangel und einer Zunahme des Borkenkäferbestandes aus den Wäldern des Mittellands zu verschwinden.

Aussterben von Tierarten: Auch Tiere leiden stark unter dem Klimawandel. Laut «National Geographic» dürfte jede sechste Tierart innerhalb des nächsten Jahrhunderts aufgrund des globalen Temperaturanstiegs und den damit einhergehenden Veränderungen der Umwelt aussterben. Andere Forscher sprechen gar davon, dass nur vier von fünf Tierarten das nächste Jahrhundert erleben werden.

Hungertod für zahlreiche Tiere: Der Klimawandel bestimmt den Zeitpunkt des Frühlingserwachens verschiedener Arten unterschiedlich stark. So sind beispielsweise zeitliche Fehlabstimmungen zwischen Bienen- und Pflanzenarten möglich, und es besteht die Gefahr, dass Bienen ohne Nahrungspflanzen auskommen müssen, wenn sie ihre Winterruhe zu früh beenden. Ähnlich ergeht es den Igeln: Die Stacheltiere beginnen ihren Winterschlaf, wenn die Temperaturen über einen längeren Zeitraum unter sechs Grad Celsius liegen. Seit einigen Jahren unterbrechen Igel ihren Winterschlaf früher, wenn die Temperatur dauerhaft über mehr als sechs Grad liegt. Während der Schlafpausen verbrauchen die Tiere enorme Mengen ihrer gespeicherten Fettreserven. Erneute und plötzliche Wintereinbrüche bedeuten für Igel oftmals den Tod.

Verlust von Lebensraum: Für andere Tierarten bedeutet der Klimawandel das Verlassen des gewohnten Lebensraumes. Murmeltiere beispielsweise reagieren empfindlich auf die Wärme und weichen in höhere Regionen der Alpen aus. Die Humusschicht in höheren Lagen reicht irgendwann jedoch nicht mehr aus, und der Boden wird wörtlich zu dünn, um genügend tiefe Höhlen für einen sicheren Winterschlaf zu graben. Der Alpenschneehase hat mit dem gleichen Problem zu kämpfen. Es wird prognostiziert, dass er bis 2100 durchschnittlich über ein Drittel seines Lebensraums verloren haben wird.

Ausbreiten von Schädlingen: Kälteempfindliche Arten profitieren von der Klimaerwärmung. Sie können sich weiter ausbreiten und mehr Lebensraum für sich beanspruchen. Schädlinge wie Borkenkäfer, Kartoffelkäfer oder Blattläuse können sich bei wärmeren Temperaturen besser vermehren, was eine Gefahr für die Fauna sowie die Landwirtschaft darstellt.

Veränderungen im Wald: Buchen und Fichten machen rund 55 Prozent des Schweizer Baumbestandes aus, doch diese Arten haben Mühe mit der zunehmenden Trockenheit. Ohne ausreichend Wasser können Pflanzen keine Fotosynthese mehr betreiben und somit nicht wachsen. Auch Weisstannen und Föhren haben mit der Trockenheit in Hitzesommern zu kämpfen.

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91 Kommentare
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Mägge68

12.06.2020, 23:45

habe eben "zurück in die Zukunft" auf National Geographic gesehen. Zieht euch die Doku mal rein. Ihr werdet die Erde in 10000 oder 250 Millionen Jahren nicht mehr erkennen, sie hat sich drastisch verändert (auch ohne die Menschen)

Professor

12.06.2020, 23:08

Das ist eine einmalige Chance für alle Forscher zu erkunden, was sich in und unter dem Gletscher befindet.

Patrick

12.06.2020, 22:20

Euch ist schon klar, dass sich das Klima auch ohne Mensch änder. Laut Geologen hat sich das Klima in der Vorgeschichte auch mehrmals um >10 Grad in 100 Jahren geändert und wir sprechen hier von 0.65 Grad in 50 Jahren.