Internationale Notlage: «Die Schweiz muss einen Affenpocken-Impfstoff zulassen»

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Internationale Notlage«Die Schweiz muss einen Affenpocken-Impfstoff zulassen»

Die Infektionen mit dem Affenpocken-Virus steigen auch in der Schweiz weiter an. Eine Epidemiologin appelliert für eine Zulassung des Impfstoffs in der Schweiz. 

von
Marino Walser
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Bislang haben sich weltweit mehr als 17’000 Menschen in mehr als 74 Ländern mit den Affenpocken infiziert. In der Schweiz sind bislang 229 Personen mit den Affenpocken infiziert.

Bislang haben sich weltweit mehr als 17’000 Menschen in mehr als 74 Ländern mit den Affenpocken infiziert. In der Schweiz sind bislang 229 Personen mit den Affenpocken infiziert.

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 23. Juli 2022 das Affenpocken-Virus als «Notlage von internationaler Tragweite» erklärt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 23. Juli 2022 das Affenpocken-Virus als «Notlage von internationaler Tragweite» erklärt.

Reuters
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sieht im Moment keinen unmittelbaren Bedarf, die Strategie zur Bekämpfung des Virus anzupassen. «Das BAG ist im Austausch mit Expertinnen und Experten und passt die Massnahmen jeweils den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen an», so das BAG gegenüber 20 Minuten.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sieht im Moment keinen unmittelbaren Bedarf, die Strategie zur Bekämpfung des Virus anzupassen. «Das BAG ist im Austausch mit Expertinnen und Experten und passt die Massnahmen jeweils den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen an», so das BAG gegenüber 20 Minuten.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Affenpocken-Ausbruch zur internationalen Notlage erklärt hat.

  • Das BAG sieht aber keinen Bedarf, die derzeitige Strategie zur Bekämpfung der Affenpocken anzupassen. 

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgrund der Affenpocken den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen hat, fordert Epidemiologin Nicola Low: «Die Schweiz muss schnellstmöglich einen Impfstoff zulassen.» Der Bund müsse allgemein eine Lösung für die Situation finden, sollten sich Impfstoffhersteller nicht um eine Zulassung in der Schweiz bemühen, die Impfung aus Sicht der Prävention aber nötig sein. Eine Schutzimpfung wird in Grossbritannien, Deutschland oder den USA bereits eingesetzt.

Bis es so weit ist, sei es wichtig, dass der Bund entsprechend gute Präventionsmassnahmen umsetze und die Forschung aufgrund der neuen Übertragungsmuster tätig werde. Denn in den USA haben sich zwei Kinder mit den Affenpocken infiziert. «Es ist wünschenswert, dass die Forschung die Wichtigkeit verschiedener Übertragungswege genauer abklärt. Weiter brauchen wir die Forschung zur Wirksamkeit der verschiedenen Impfstoffe und für Therapien», sagt die Professorin für Epidemiologie an der Universität Bern.

Besser gegen Infektionskrankheiten wappnen

Josie Golding, Chefepidemiologin der britischen Forschungseinrichtung Wellcome Trust, geht gar noch einen Schritt weiter. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagt Golding am Samstag, dass die Welt es sich nicht leisten könne, weiter darauf zu warten, dass Krankheiten eskalieren.

Sie fordert deshalb, sich künftig gegen Epidemien besser zu wappnen: «Unsere Welt wird immer anfälliger für Ausbrüche von Infektionskrankheiten», sagt die Epidemiologin. Auch Golding ist der Ansicht, dass die Forschung klären müsse, warum man bei den Affenpocken neue Übertragungsmuster sehe und was man dagegen unternehmen könne.

Keinen Bedarf, Strategie anzupassen

Anders als die Epidemiologinnen sieht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Moment jedoch keinen unmittelbaren Bedarf, die derzeitige Strategie zur Bekämpfung des Virus anzupassen. «Das BAG ist im Austausch mit Expertinnen und Experten und passt die Massnahmen jeweils den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen an», so das BAG gegenüber 20 Minuten. In der Schweiz ist bislang einzig eine Meldepflicht bei einer Infektion gegeben. Diese gilt seit dem 20. Juli.

Die Behörde geht aber trotzdem davon aus, dass in der Schweiz in Zukunft zunehmend mehr Affenpocken-Infektionen festgestellt werden. «Eine Ausdehnung des Ausbruchs auf weitere Bevölkerungsgruppen kann nicht ausgeschlossen werden», schreibt das BAG. Doch aufgrund der Sensibilisierung der Gesundheitsfachleute und der Bevölkerung ist das BAG der Ansicht, dass in der Schweiz, wie auch in anderen europäischen Ländern, die meisten Fälle rasch erkannt werden.

Sollten sich aber vermehrt Menschen in der Schweiz mit den Affenpocken infizieren, liegt die Verantwortung in erster Linie wieder bei den Kantonen: «Die Kantone melden die Fälle kontinuierlich und treffen nötigenfalls weitergehende Massnahmen», schreibt das BAG gegenüber 20 Minuten.

Würdest du dich gegen Affenpocken impfen lassen?

Politik unterstützt Vorgehensweise des BAG

Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber ist der Ansicht, dass die Schweiz nach dem jetzigen Wissensstand ausreichend gegen die Affenpocken gewappnet ist. Man habe aus der Vergangenheit und dem Coronavirus gelernt. «Wir haben einen Stand-By-Apparat geschaffen, der im Falle eines Notfalls funktionieren sollte. Krisenmanagement können wir mittlerweile», sagt Prelicz-Huber.

Ähnlich sieht es SVP-Nationalrat Thomas Aeschi. Er unterstützt das Vorgehen des BAG, föderalistisch vorzugehen und zu Beginn die Kantone in die Pflicht zu nehmen. «Wir dürfen nicht überreagieren. Das Affenpocken-Virus hat ein anderes Bild als das Covid-Virus. Deshalb glaube ich nicht, dass es zu einer erneuten Pandemie führen wird», sagt Aeschi.

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