Entführung In Mexiko: Die Schweiz soll Druck machen
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Entführung In MexikoDie Schweiz soll Druck machen

Die Familie eines Mitte Dezember 2010 in Mexiko entführten Geschäftsmannes aus dem Berner Jura hat sich mit einem Hilfsappell an die Öffentlichkeit gewandt - und die mexikanischen Behörden kritisiert.

Oliver T. (links) handelt seit Jahren in Mexiko mit Schweizer Uhren. (Bild: elgeneralpeñaloza)

Oliver T. (links) handelt seit Jahren in Mexiko mit Schweizer Uhren. (Bild: elgeneralpeñaloza)

Die Ermittlungen in Mexiko verliefen bisher erfolglos. Die Familie ist überzeugt, dass der rund 50-jährige Geschäftsmann, der seit zwanzig Jahren in Zentralamerika lebt, entführt wurde. Nach der Zahlung eines Lösegeldes von 10 000 Franken an die mutmasslichen Entführer sei der Kontakt abgebrochen.

Der mexikanische Anwalt der Familie sieht einen möglichen Grund für die Entführung in der Armut. Vermutlich hätten lokale Gangster ihn in ihre Gewalt gebracht, um an Geld zu kommen.

Familie: Schweiz soll Druck machen

Entführungen sind in Mexiko nicht selten. Es kommt auch vor, dass Banden Entführungsopfer an andere Gangs weiterverkaufen. Die Familie des Entführten schliesst auch nicht aus, dass die Entführer von korrupten Polizeibeamten gedeckt werden.

Der entführte Geschäftsmann ist der jüngste einer vierköpfigen Familie aus Péry. 2010 habe ihr Bruder darüber geklagt, dass sich das soziale Klima in Mexiko verschlechtert habe und er sich überlege, in die Schweiz zurückzukehren, erzählten Familienangehörige.

Ihr mexikanischer Vermittler brauche Beweise, dass die Schweiz sich im Falle ihres Bruders engagiere, hiess es von Seiten der Familie. Nur so könne auf die mexikanischen Behörden Druck ausgeübt werden, dass sie die Ermittlungen zu Ende führten.

Vermisstmeldung ohne Foto

Die mexikanische Polizei hatte in den vergangenen Wochen eine Vermisstmeldung publiziert und eine Belohnung von 385 000 Franken ausgesetzt. Leider sei damals kein Foto des Mannes veröffentlicht worden, bedauert die Familie.

Sie fragt sich auch, warum in den Tagen nach der Entführung keine systematische Suche nach dem Vermissten durchgeführt wurde. Bei zwei späteren Suchen wurde nur noch die Brille des Mannes gefunden

Die Mutter des entführten Bernjurassiers ist seit Januar in Mexiko. Sie kehrt am Samstag in die Schweiz zurück. Sie habe immer wieder versucht, vom Polizeikommissariat, vom Staatsanwalt und der Schweizer Botschaft Informationen zu erhalten.

Die Mutter habe auch verschiedene Leichenschauhäuser in der Region besucht. Am 28. Januar hat die mexikanische Armee immerhin drei Personen in der Region Cuernavaca angehalten. Ob sie etwas mit der Entführung des Schweizers zu tun haben, ist unklar. (sda)

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