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Wegen Terror-Gefahr«Die Schweiz soll ihre Bürger vor Sotschi warnen»

Kurz vor dem Beginn der Olympischen Spiele ist die Angst vor einem Terroranschlag in Russland gross. Strategie-Experte Albert Stahel fordert die Schweiz auf, Reisende gezielt zu warnen.

von
Vroni Fehlmann
Die Sicherheit der Sportler ist laut dem Strategie-Experten mit grosser Wahrscheinlichkeit gegeben. Die Situation sei jedoch nicht harmlos.

Die Sicherheit der Sportler ist laut dem Strategie-Experten mit grosser Wahrscheinlichkeit gegeben. Die Situation sei jedoch nicht harmlos.

Am 7. Februar starten in Sotschi die Olympischen Winterspiele. Doch bereits im Vorfeld kam es in Russland zu mehreren Terroranschlägen, bei denen 34 Menschen das Leben verloren. Für die Spiele selbst haben Aktivisten weitere Anschläge angekündigt. Gemäss «SRF» haben bisher bereits sechs Olympia-Verbände – darunter auch Swiss Olympic – eine anonyme Terrordrohung per E-Mail erhalten. Es handle sich dabei um ein Rundmail ohne konkrete Bedrohung, wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) festhält. Trotzdem bleibt die Angst vor einem Terroranschlag. Die USA haben deshalb Massnahmen getroffen, um ihre Landsleute im Ernstfall möglichst rasch aus Russland herausholen zu können. Im Schwarzen Meer will die Regierung sogar zwei Kriegsschiffe stationieren.

Ob das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für die 1500 Schweizer, die es in Sotschi erwartet, ebenfalls einen Notfallplan erarbeitet hat, gibt es nicht preis. Auf Anfrage heisst es lediglich: «Das EDA bereitet sich im Rahmen seiner üblichen Eventualplanung auf sportliche Grossereignisse vor.» Für weitere Informationen wird auf die offiziellen Reisehinweise verwiesen. Schweizer, die einen Aufenthalt im Ausland planen, können sich zudem auf einer Online-Plattform registrieren.

«Kriegsschiffe der USA sind nicht übertrieben»

Für Strategie-Experte Albert Stahel ist das klar zu wenig: «Die Leute, die nach Sotschi reisen, müssen gezielt gewarnt werden.» Die Situation sei nicht harmlos. Wer nach Russland reise, sollte sich sehr gut vorbereiten. Dass es allerdings in Sotschi selbst zu einem Anschlag mit internationaler Auswirkung kommt, hält Stahel wegen des grossen Sicherheitsaufgebots für eher unwahrscheinlich. «Wer sich ausserhalb von Sotschi aufhält, sollte aber stets die Augen offen halten und vorsichtig sein.»

Sollte es tatsächlich zu einem Anschlag kommen, müsse die Schweiz einen Notfallplan definiert haben, wie sie ihre Landsleute aus Russland herausholt, so Stahel. Für allfällige Verletzte müsse die Rega auf Abruf sein, den Rest der 1500 Schweizer könne man nur in einer umfangreichen Operation und in Zusammenarbeit mit anderen Staaten aus dem Gefahrengebiet evakuieren. Dass die USA zwei Kriegsschiffe Richtung Sotschi schickten, hält Stahel keinesfalls für übertrieben. «Die USA haben die Mittel und wissen, was sie tun könnten.» Die Probleme in Afghanistan und im Irak hätten sie gelehrt, Situationen richtig einzuschätzen.

Bei der Rega wurden im Vorfeld Abklärungen zu Sotschi vorgenommen, jedoch keine ausserordentlichen Vorkehrungen getroffen. «Die Rega ist immer da, wenn es uns braucht», so Sprecherin Ariane Lendenmann. «Im Ernstfall sind wir mit unseren Ambulanz-Jets sofort einsatzbereit, um verletzte Personen in die Schweiz holen zu können.»

Stahel reist trotzdem nicht nach Sotschi. «Die Tickets sind zu teuer, das Sicherheitsrisiko ist zu hoch und ich finde es nicht in Ordnung, wie die russischen Behörden mit den Touristen umgehen.»

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