Wegen Corona-Lockdown: Die Schweiz steckt in der Pommes-Krise

Aktualisiert

Wegen Corona-LockdownDie Schweiz steckt in der Pommes-Krise

Die geschlossenen Restaurants und McDonald’s-Filialen haben zu einem Pommes-Stau bei den Verarbeitern geführt. Die Kühllager sind randvoll. Bald will die Branche die Schweizer zum grossen Pommes-Konsum aufrufen.

von
Dominic Benz
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In der Schweiz gibt es derzeit einen Pommes-Stau.

In der Schweiz gibt es derzeit einen Pommes-Stau.

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Der Corona-Lockdown hat die Nachfrage einbrechen lassen. Die Produzenten wissen derzeit kaum noch, wohin mit den gelben Stäbchen. «Die Lage ist Corona-bedingt in diesem Jahr ausserordentlich», sagt Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten, zu 20 Minuten.

Der Corona-Lockdown hat die Nachfrage einbrechen lassen. Die Produzenten wissen derzeit kaum noch, wohin mit den gelben Stäbchen. «Die Lage ist Corona-bedingt in diesem Jahr ausserordentlich», sagt Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten, zu 20 Minuten.

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Wichtige Absatztreiber für Pommes waren seit Mitte März zu. Das sind laut Fischer neben den Restaurants auch Kantinen oder Skigebiete. Verschärft hat sich die Pommes-Krise zusätzlich durch die geschlossenen Fast-Food-Filialen.

Wichtige Absatztreiber für Pommes waren seit Mitte März zu. Das sind laut Fischer neben den Restaurants auch Kantinen oder Skigebiete. Verschärft hat sich die Pommes-Krise zusätzlich durch die geschlossenen Fast-Food-Filialen.

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Darum gehts

  • In der Schweiz ist der Absatz von Pommes wegen des Lockdown eingebrochen.
  • Die Lager bei den Kartoffelverarbeitern sind daher randvoll.
  • Die hiesige Kartoffelbranche will mit einer Kampagne zum Pommes-Essen aufrufen.
  • Eine Entspannung in den Lagern könnte nur von kurzer Dauer sein.

Ob als Rösti, Chips, Stocki oder Pommes frites – die Schweizer verzehren Kartoffeln in allen erdenklichen Formen. Jedes Jahr verarbeiten die fünf grössten hiesigen Kartoffelfirmen rund 160’000 Tonnen von den braunen Knollen. Auswärts und in Restaurants landen die verarbeiteten Kartoffeln besonders oft in den Tellern der Gäste.

Bis vor ein paar Wochen. Denn der Corona-Lockdown hat die Nachfrage einbrechen lassen. In der Absatzkrise stecken vor allem die Pommes frites. Die Produzenten wissen derzeit kaum noch, wohin mit den gelben Stäbchen. «Die Lage ist Corona-bedingt in diesem Jahr ausserordentlich», sagt Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten, zu 20 Minuten. «Die Kühllager der Kartoffelverarbeiter sind randvoll.»

Wegfall von Open Airs und Dorffesten verschärft Situation

Wichtige Absatztreiber für Pommes waren seit Mitte März zu. Das sind laut Fischer neben den Restaurants auch Kantinen oder Skigebiete. Verschärft hat sich die Pommes-Krise zusätzlich durch die geschlossenen Fast-Food-Filialen. Diese seien wichtige Abnehmer und bezögen ihre Kartoffeln für die Pommes fast ausschliesslich in der Schweiz, so Fischer.

«Alleine McDonald’s verbraucht mindestens 20’000 Tonnen Kartoffeln im Jahr.» Durch den mehrwöchigen Lockdown seien alleine bei McDonald’s riesige Absatzmengen liegen geblieben. Auch der Wegfall von Open Airs, Dorf- und Volksfesten sowie geschlossene Badeanstalten befeuerten den Pommes-Stau.

Laut Fischer werden Pommes zum grössten Teil auswärts konsumiert. «Backofenfriten sind zwar einfach zu machen und sehr gut, werden aber leider zu wenig zu Hause zubereitet», sagt Fischer. Um den vollen Pommes-Lagern entgegenzuwirken, möchte Fischer die Schweizer nun aktiv zum Essen von Kartoffeln aufrufen.

«Ich kann mir vorstellen, dass wir in der Schweiz in den nächsten Wochen eine zusätzliche Kampagne planen. Dabei soll es auch einen expliziten Aufruf zum Pommes-Konsum geben», sagt Fischer. Er geht davon aus, dass auch der Detailhandel bereit ist, dies zu unterstützen. In eine solche Kampagne ist McDonald’s Schweiz nicht direkt involviert. «In unserer Werbung spielen die Pommes frites als Beilage zum Menü jedoch eine wichtige Rolle», teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Lockerung

Jetzt gehen die Beizen auf

Ende April hat der Bund entschieden, dass Restaurants am 11. Mai wieder öffnen dürfen. Das hatte Gastro Suisse gefordert – der Arbeitgeberverband war bis dahin aber davon ausgegangen, dass es erst im Juni so weit sein werde. Der Verband hat daraufhin ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet und dieses dem Staatssekretariat für Wirtschaft vorgelegt. Vor kurzem präsentierte er das Konzept dann der Öffentlichkeit und den Betrieben selbst. An einem Tisch dürfen etwa maximal 4 Personen sitzen, Stehplätze sind nicht zugelassen, und die Gäste sollen die Hände beim Betreten waschen und desinfizieren können. Auch müssen die Betriebe die Möglichkeit haben, von jedem Gast Vor-, Nachname, Telefonnummer, Datum, Zeit und Tischnummer zu erfassen. Der Gast ist jedoch nicht dazu verpflichtet, die Daten anzugeben.

Hoffen auf schwache Ernte und steigende Nachfrage

Fischer freut sich, dass nun am 11. Mai die Restaurants endlich wieder aufmachen können. Mit der Lockdown-Lockerung dürfte ein Teil der fehlenden Absätze kompensiert werden. Der Präsident hofft, dass sich die Lager dann etwas leeren.

Entscheidend sei aber die anstehende Kartoffelernte in diesem Jahr. «Fällt die neue Ernte reichhaltig aus und bleibt die Nachfrage nach Pommes gleichzeitig schwach, dann spitzt sich im Herbst die Situation in den Lagern wieder zu.» Die Anbaubedingungen für das Erntejahr 2020 seien bisher gut gewesen. Der Präsident verspricht, dass die jetzigen Pommes trotz voller Lager nicht im Müll landen und so lange im Kühler bleiben, bis sie verkauft sind.

Mit Blick auf die neue Ernte haben daher die Verarbeiter bereits die Bremsen gezogen. Laut Fischer hat etwa die Berner Pommes-Firma Kadi die Produzenten informiert, dass man unter Umständen von der kommenden Ernte zwischen 15 und 25 Prozent weniger Kartoffeln beziehen werde, um die Lager zu entlasten.

Mehr Absatz bei Speisekartoffeln

Auf Anfrage bestätigt Kadi-CEO Christof Lehmann, dass der Lockdown in der Gastronomie in den letzten Wochen zu einem massiven Einbruch bei den Pommes-frites-Absätzen geführt habe. «Da wir noch Rohstoff aus der Ernte 2019 verarbeiten mussten, ist nun die Lagerabdeckung auf den Fertigartikeln deutlich länger als in den Vorjahren.» Dies wirke sich negativ auf die von Kadi prognostizierte Abnahmemenge für die nächste Kartoffelernte aus.

Nicht bei allen Kartoffelprodukten ist es allerdings wegen des Lockdown zu einem Stau gekommen. «Bei den Chips gibt es eine ungebremste Nachfrage», so Fischer. Bei Speisekartoffeln, die fürs Kochen zu Hause bestimmt seien, sei der Absatz gar gestiegen: «Gegenüber dem Vorjahr gab es Mehrverkäufe von bis zu 30 Prozent

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