Aktualisiert 18.09.2014 13:19

Machtwechsel

Die Schweiz sucht eine Notenbankerin

107 Jahre lang sass keine Frau im Direktorium der Schweizerischen Nationalbank. Das könnte sich schon bald ändern.

von
Isabel Strassheim

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) entscheidet heute über den Leitzins. Noch nie sass eine Frau dabei im Direktorium. Mit dem Rücktritt von Notenbanker Jean-Pierre Danthine per nächsten Juli könnte sich das nach mehr als 100 Jahren ändern. «Es wäre schön, es zöge eine Frau ins Direktorium ein, letztlich entscheidet jedoch die Kompetenz», sagt Ex-Notenbanker Niklaus Blattner zu 20 Minuten. Bei gleichen Fähigkeiten dürfte laut ihm sicher eine weibliche Kandidatin den Vorrang haben.

Aus SNB-Kreisen heisst es, man denke durchaus an eine Frau. Spätestens im Februar muss der Ernennungsausschuss dem Bankrat seine Favoritin oder seinen Favoriten sowie alternative Kandidaten vorstellen. Der Bankrat trifft dann die entscheidende Wahl, der der Bundesrat dann zustimmen muss.

Die Wahl einer Frau liegt in den Händen von Männern

Der Bankrat ist klar von Männern dominiert, nur 2 seiner 11 Mitglieder sind Frauen. Daran hat bislang auch das 2011 erneuerte Reglement nichts geändert, in dem es heisst: «Eine angemessene Vertretung beider Geschlechter wird angestrebt.» Für das aus drei Personen bestehende Direktorium unter Notenbank-Chef Thomas Jordan gibt es dagegen noch nicht einmal eine solche Absichtserklärung. Föderalistische Tradition ist allein, dass ein Mitglied aus der Westschweiz kommt. Der aus Altersgründen abtretende 64-jährige Danthine war Romand, seine Nachfolge sollte nun also jemand aus dem französischsprachigen Landesteil antreten.

Topfavoritin ist die Genfer Finanzprofessorin Rajna Gibson Brandon. Sie leitet auch das Finance Research Institut in Genf und sitzt im Verwaltungsrat von Swiss Re und der Privatbank Edmond de Rothschild. Bis 2004 war sie Mitglied der Eidgenössischen Bankenkommission, dem Vorläufer der heutigen Finanzmarktaufsicht Finma.

Die Neue würde den Mindestkurs überwachen

Als neue Notenbankerin wäre sie für die Einhaltung des Euro-Mindestkurses zum Franken zuständig - eine der derzeit wesentlichen Aufgaben für die Schweizer Volkswirtschaft. «Die SNB-Direktoren sind keine Investmentbanker oder Hedge-Fonds-Manager, sie dürfen nicht Testosteron-getrieben sein, egal ob Mann oder Frau», bemerkt der ehemalige SNB-Mann Blattner. Jan Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, ist der Meinung, eine Frau im Direktorium könnte sich positiv auswirken. «Kommunikation bei den Notenbankern ist immer wichtiger geworden und das können im allgemeinen Frauen besser», so sein Argument.

Die Männerdomäne der Nationalbanken bricht langsam aber sicher auf: In den USA, der wichtigsten Notenbank der Welt, kam diesen Februar mit Janet Yellen erstmals eine Frau an die Spitze. Auch in Südafrika oder Russland leiten Frauen die Notenbank. Klicken Sie sich oben in der Bildergalerie durch und sehen Sie einige der Notenbankerinnen der Welt.

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