Swiss Buggy Froggy: Die Schweizer Antwort auf eine US-Erfindung
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Swiss Buggy FroggyDie Schweizer Antwort auf eine US-Erfindung

Dass man ihn Froggy nannte, war kein Zufall. Denn der Buggy aus der Schweiz hatte tatsächlich etwas von einem Frosch.

von
B.v.Rotz
Swiss Buggy Froggy von 1972 – einfache Konstruktion, aber mit veredeltem VW-Käfer-Chassis.

Swiss Buggy Froggy von 1972 – einfache Konstruktion, aber mit veredeltem VW-Käfer-Chassis.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Besonderheit Motorklappe – anders als bei vielen Buggies ist der Motor durch eine praktische Klappe abgedeckt.

Besonderheit Motorklappe – anders als bei vielen Buggies ist der Motor durch eine praktische Klappe abgedeckt.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Angetrieben sind nur die Hinterräder, aber im Gelände ist der Buggy trotzdem gut unterwegs.

Angetrieben sind nur die Hinterräder, aber im Gelände ist der Buggy trotzdem gut unterwegs.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com

Entstanden sind die Buggys – natürlich – in den USA. Bruce Meyers gilt als deren Schöpfer. Mitte der 1960er-Jahre sorgte er mit seinem Meyers Manx auf einem gekürzten Käfer-Chassis für Furore.

Aber er erschuf nicht nur einen Trend, sondern auch Horden von Nachahmern. Zu diesen gehörten auch viele europäische Firmen, etwa Apal in Belgien oder Karmann in Deutschland. Auch die Schweizer entdeckten den Buggy. Sie importierten nicht nur gängige Fabrikate, sie entwickelten auch selber.

Bewährtes verbessern

Bereits 1965 etablierten Willy, Markus und Peter Hausin, unterstützt von ihren Eltern, die Firma Syntobau, Hausin & Co. Während sich Markus um das Engineering kümmerte, gestaltete Willy einen eigenständigen Buggy, der in Anbetracht des Herstellerlandes und des Aussehens Swiss Buggy Froggy genannt wurde. 1967 war der erste Buggy fertig, die Mulden für die GKF-Karosserie hatten die Brüder eigenhändig gebaut.

Im Gegensatz zu anderen Buggy-Versionen modifizierten die Hausins das Käfer-Chassis, kürzten und verstärkten es. Darauf wurde dann die komplette Buggy-Wanne montiert, die deutlich mehr Wetterschutz (von unten) und Stabilität (im Gelände) versprach als die üblichen Buggy-Aufbauten.

Geschickt brachten die Aargauer Tüftler Verbesserungen am Design an. Die Zeitschrift «Hobby» schrieb in einem Vergleichstest im Jahr 1973: «Wie ein durchdachter Buggy auszusehen hat, zeigen die Mannen der Otelfinger Buggy-Schmiede: Der Swiss Buggy war das einzige Fahrzeug, bei dem keine direkte Verbindung vom Tank zum Fahrgastraum bestand. Das heisst, dass bei allen anderen Buggys im Falle eines Brandes das Feuer ungehindert zum Tank oder in den Innenraum gelangen kann.»

Auch der Zugang zum Motor lösten die Hausins auf eigene Weise. Eine Klappe liess sich öffnen und legte die Innereien frei. Und sie schafften es, ihren Buggy an die offiziellen Normen anzupassen. Einer Serienproduktion stand nichts mehr im Weg.

Sorgfältig und von Hand gebaut

«Originell, mit dem freundlich-frechen Aussehen. Vermittelt ein sportlich-rasantes Fahrgefühl für Jung und Alt», so texteten die Hausins für ihre Verkaufsbroschüre. Für den Vertrieb arbeiteten sie mit Jelmoli zusammen. Im Zürcher Warenhaus konnte der Bausatz im dritten Stock bezogen werden.

Gebaut wurde der Swiss Buggy weitgehend von Hand. Bis 1972 entstanden ungefähr 150 Buggies in Würenlos. Dann ging das Projekt an die extra gegründete Fahrzeugbau AG in Otelfingen. Diese produzierte von nun an auf industrieller Basis. Ein kompletter Swiss Buggy Froggy kostete 9960 Franken ohne Seitenteile/Türen.

Über 500 Fahrzeuge pro Jahr hätte man fertigen können, doch schon bald zeigten sich unerwartete Schwierigkeiten. Die Energiekrise warf ihre Schatten voraus und die zunehmend komfortorientierte Kundschaft verlangte nach einem Fahrzeug mit längerem Radstand und besseren Fahreigenschaften. Als Antwort wurde eine Buggy-Version mit Hardtop präsentiert und an einem eigenen Chassis gearbeitet. 1974 musste jedoch die Reissleine gezogen werden. Insgesamt entstanden nur etwa 300 Swiss Buggy Froggy.

Überlebenskünstler

Eine beträchtliche Anzahl der 450 produzierten Freizeitautos soll überlebt haben. Man munkelt von über 100 Exemplaren. Wer sich ein Exemplar gesichert hat, kann sich über ein Maximum an Frischluft, viel Fahrvergnügen, ausreichende Fahrleistungen und robuste Alltagseigenschaften freuen.

Weitere Informationen, viele Fotos, Verkaufsunterlagen und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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