Wer hats erfunden?: Die Schweizer Antwort auf WhatsApp
Aktualisiert

Wer hats erfunden?Die Schweizer Antwort auf WhatsApp

WhatsApp ist extrem populär - und löchrig wie ein Emmentaler. Hier kommt Threema ins Spiel. Die in Zürich entwickelte iPhone-App verspricht sicheres Chatten - bald auch für Android.

von
Daniel Schurter

«Seriously secure mobile messaging» lautet der Werbeslogan auf der Entwickler-Website von Threema - einer neuen WhatsApp-Alternative aus der Schweiz.

Viele Smartphone-Besitzer werden sich fragen, ob es noch eine Messaging-App braucht. Bekanntlich dominiert das werbefreie WhatsApp einen weltweiten Markt, in dem sich bereits unzählige App-Anbieter tummeln.

Allerdings musste der von einem kalifornischen Startup angebotene Service viel Kritik einstecken wegen massiver Sicherheitslücken, die zum Teil noch immer nicht geschlossen wurden. So lassen sich fremde WhatsApp-Nachrichten heimlich mitlesen und es ist nicht schwer, einen falschen Absender vorzutäuschen.

Niemand kann mitlesen

Hingegen soll Threema, das ebenfalls ohne Werbung daherkommt, von Grund auf sicher sein. Keine Firma und keine Regierung könnte heimlich mitlesen, heisst es vielversprechend. Die iPhone-App ist von der in Zürich beheimateten Software-Schmiede Kaspar Systems GmbH entwickelt worden. Dank umfassender Verschlüsselung sei garantiert, dass nur der vorgesehene Empfänger die Nachrichten lesen könne. Selbst die Betreiber der in der Schweiz stationierten Threema-Server hätten keine Möglichkeit, die Kommunikation der Nutzer zu belauschen.

20 Minuten Online hat die eidgenössische Antwort auf WhatsApp ausprobiert. Die App ist seit Mitte Woche im App Store von Apple verfügbar. Für kurze Zeit konnte sie gratis heruntergeladen werden, nun kostet sie einen einmaligen Betrag von 2 Franken. Im Interview mit 20 Minuten Online nimmt der Entwickler Stellung.

Threema ist mit iPhones ab dem 3GS kompatibel, mit iPods ab der dritten Generation und läuft auch auf allen iPads, auf denen iOS 5.0 oder neuer installiert ist.

Sicherheits-ID mit anderen teilen

Das Einrichten der 5 Megabyte grossen App verläuft nach dem ersten Aufstarten problemlos und schnell. Bevor man die ersten Textnachrichten und Bilder verschicken kann, gilt es eine eigene ID zu erstellen, und man soll der App den Zugriff auf das eigene Adressbuch erlauben. Um von anderen Threema-Nutzern gefunden zu werden, kann man die eigene E-Mail-Adresse sowie die Handynummer mit der eigenen Sicherheits-ID verknüpfen.

Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich gestaltet und hat gewisse Ähnlichkeiten mit WhatsApp. Threema ist einfach zu bedienen - allerdings zeigt sich zu Beginn ein Problem, das alle neuen Kommunikations-Apps haben: Die Nutzer sind noch dünn gesät. Während WhatsApp auf Millionen von Smartphones läuft, muss man bei Threema zuerst Überzeugungsarbeit im eigenen Bekanntenkreis leisten. Erst wenn viele Leute die App installiert haben, wird die Nutzung interessant.

Was in der Version 1.0 fehlt, ist eine Gruppen-Chat-Funktion. Vorläufig bleibt man mit seinen Threema-Nachrichten auf einen Empfänger beschränkt. Bezüglich Multimedia besteht ebenfalls Ausbaupotenzial. Während Fotos in drei Grössen verschickt werden können, ist das Übertragen von Videos nicht möglich. Dafür kann man - wie bei WhatsApp - andere Nutzer über den eigenen Standort informieren.

Android-Version folgt Anfang 2013

Noch ist Threema nicht plattformübergreifend nutzbar, sondern steht nur für Apple-Kunden zur Verfügung. Eine Android-Version ist in Entwicklung und soll Anfang 2013 veröffentlicht werden. Später könnten Windows Phone und weitere Plattformen (BlackBerry, Symbian) folgen, wie aus dem informativen FAQ (Frage-Antwort) auf der Threema-Website hervorgeht.

Fazit: Auch wenn Threema noch kleine Kinderkrankheiten (im Registrierungs-Prozess) aufweist, vermag der sichere Ansatz zu überzeugen. Ein einmaliger Betrag von 2 Franken ist zu verschmerzen. Über den kommerziellen Erfolg wird das plattformübergreifende Funktionieren entscheiden.

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