Aktualisiert 18.04.2005 17:44

Die Schweizer Gardisten kontrollieren Kardinäle

Die kleinste Armee der Welt schützt die Kardinäle, wenn sie in der Sixtinischen Kapelle zum Konklave, der Wahl des nächsten Papstes zusammenkommen.

Die Aufnahmekriterien sind streng: Katholisch, ledig, 19 bis 30 Jahre alt, Schweizer Pass, Schweizer Rekrutenschule und mindestens 1,74 Meter gross. Momentan 110 Soldaten zählt die Schweizergarde.

«Beim Einzug in die Sixtinische Kapelle müssen sich die Kardinäle von der Schweizergarde kontrollieren lassen», sagt Karlheinz Früh, Leiter der Rekrutierungsstelle in Neuhausen. Mobiltelefone und alles andere, mit dem man Kontakt zur Aussenwelt halten könnte, sind nicht erlaubt. Die Purpurträger «müssen durch einen Metalldetektor jedes Mal, wenn sie wieder in die Kapelle zur Papstwahl einziehen». Ansonsten sei es für die Garde «ein normaler Dienst», meint Früh.

Trotz des mageren Solds von rund 1.300 Euro im Monat plagt die Garde keine Nachwuchssorgen, obwohl damit in Rom nicht gerade viel Dolce Vita zu machen ist. Pro Jahr wenden sich Früh zufolge 250 bis 300 Interessenten an die Rekrutierungsstelle. Doch nur zwischen 25 und 30 Soldaten im Jahr würden neu eingestellt. Auch aus Deutschland gehen bei Früh jede Woche zwei bis drei Anfragen ein. Doch der Dienst im Vatikan ist ausschliesslich Schweizern vorbehalten.

Die traditionellen rot-gelb-blauen Uniformen der Garde gehen auf die Wappenfarben der Medici-Päpste zurück. Im nächsten Jahr feiert die Garde ihr 500-jähriges Bestehen. 1506 stellt Papst Julius II. erstmals Eidgenossen als Söldner sein, die sich damals in aller Herren Länder als Soldaten verdingten. Am 22. Januar 1506 zog bei Einbruch der Dunkelheit eine Gruppe von 150 Schweizern unter ihrem Hauptmann Kaspar von Silenen aus dem Kanton Uri durch die Porta del Popolo zum Vatikan und wurde von Papst Julius II. gesegnet.

Zwei Jahrzehnte später folgte die erste schwere Bewährungsprobe: Beim Sacco di Roma durch die Landsknechte des deutschen Kaisers Karl V., am 6. Mai 1527, fielen 147 Schweizergardisten bei der Verteidigung der Peterskirche, während es den übrigen 42 gelang, den Medici-Papst Clemens VII in die Engelsburg zu retten. Am 6. Mai werden heute jedes Jahr die neuen Rekruten vereidigt.

Die Aufgaben der kleinsten Armee der Welt sind übersichtlich: Sie bewacht den Papst und seine Residenz. Geht das Kirchenoberhaupt auf Reisen, nimmt es Gardisten in Zivil mit. Gewöhnlich macht die päpstliche Armee kaum von sich reden.

Spektakulärer Mordfall in der Garde

In die Schlagzeilen kam die Garde allerdings 1998 mit einem spektakulären Mordfall. Alois Estermann, soeben zum Komandanten der Garde ernannt, war gemeinsam mit seiner Frau erschossen worden. Die dritte Leiche war die des erst 23-jährigen Gardisten Cedric Tornay, der nach offiziellen Angaben die beiden in einem Wutanfall erschossen haben soll, weil er sich bei einer Auszeichnung übergangen fühlte. Seither ranken sich die verschiedensten Theorien um den Mordfall. Sie reichen von einem Liebes- und Eifersuchtsdrama bis zu Verschwörungstheorien über einen blutigen Machtkampf im Vatikan, bei der auch der erzkonservative Orden Opus Dei eine Rolle spielen soll. Immerhin war der getötete Estermann derjenige, der den Papst beim Attentat 1981 mit seinem eigenen Körper zu schützen versuchte.

(dapd)

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