Aktualisiert 11.01.2012 16:10

Erfolglos am HundschopfDie Schweizer Hassliebe zum Lauberhorn

Was verbindet Bernhard Russi, Pirmin Zurbriggen und Didier Cuche? Die drei Top-Fahrer gewannen nie in Wengen. Die längste Abfahrt der Welt bleibt für Einheimische eine Knacknuss.

von
Philipp Reich

Die Lauberhornabfahrt gehört mit dem Hahnenkamm-Rennen von Kitzbühel zu den absoluten Klassikern im Weltcup. Die längste Abfahrt der Welt zu gewinnen, ist der Traum aller Speed-Cracks - vor allem für die Eidgenossen. Seit Einführung des Weltcups 1967 durften sich in Wengen erst acht Eidgenossen als Sieger der Lauberhornabfahrt feiern lassen. Die Siege von Didier Défago 2009 und Carlo Janka 2010 beschönigten zuletzt die magere Schweizer Bilanz.

Erster Schweizer Weltcup-Sieger am Lauberhorn war 1974 der legendäre Roland Collombin. Bereits im Starthaus hatte er der Konkurrenz prophezeit, dass er an diesem Tag nicht zu schlagen sei. Und er sollte Recht behalten: Collombin siegte vor Franz Klammer und Herbert Plank, gestartet wurde allerdings erst vom Hundschopf. Eine Woche später doppelte «La Colombe» (die Taube) in Kitzbühel nach und gewann als erster Schweizer beide Abfahrtsklassiker im selben Jahr.

Immer wieder lange Durststrecken

Sechs Jahre später schlug die Stunde von Peter Müller. Als erster Schweizer seit Fredy Rubis Erfolg 1950 triumphierte der damals 22-jährige Zürcher auf der Originalstrecke. Etwas Glück war allerdings auch dabei. Nur zwei Hundertstel lag Müller im Ziel vor «Crazy Canuck» Ken Read, der am Vortag das erste Rennen der Doppelabfahrt für sich entschieden hatte. Nun mussten die Schweizer Fans nicht mehr auf den nächsten Sieg warten. Bereits ein Jahr später stand mit Toni Bürgler wieder ein Eidgenosse zuoberst auf dem Podest.

Die Siege von Müller und Bürgler sollten aber die einzigen während den goldenen Jahren des Schweizer Skisports bleiben. Immer wieder standen andere den Einheimischen vor der Sonne. Erst 1992 beendete Franz Heinzer mit einer regelrechten Fabelfahrt die lange Leidenszeit. Der Schwyzer, der 1991 in Saalbach Weltmeister geworden war, deklassierte die gesamte Konkurrenz und lag zum Schluss 1,6 Sekunden vor dem Zweitplatzierten Markus Wasmeier. Auch die nächste Austragung 1994 (ein Jahr zuvor wurde die Abfahrt wegen schlechten Wetters abgesagt) gewann ein Schweizer: William Besse rettete zwei Hundertstel auf seine Verfolger ins Ziel.

Kernens Erlösung als Weckruf

Danach verstrichen die Jahre ohne Schweizer Erfolg erneut. 2003 ging Bruno Kernens grosser Traum vom Sieg im Heimrennen nach mehreren erfolglosen Anläufen doch noch in Erfüllung. Dieser Exploit hatte Signalwirkung für den Abfahrts-Weltmeister von 1997, der immer wieder als Eintagesfliege ohne Siegerqualitäten abgestempelt wurde. Kernen vermochte vor allem bei Grossanlässen zu überzeugen und holte bei den Weltmeisterschaften 2003 in St. Moritz und 2007 in Are sowie bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 die Bronzemedaille.

Noch in bester Erinnerung sind die Siege von Didier Défago 2009 und Carlo Janka 2010, die das Berner Oberland in Partystimmung versetzten. Défagos Coup, der Bode Millers Hattrick verhinderte, kam aber genauso überraschend wie Jankas Erfolg im vergangenen Jahr. Der spätere Gesamtweltcup-Sieger hatte zwar schon angedeutet, dass er auch auf der Abfahrt grosses Potenzial hat, aber nur wenige trauten ihm die perfekte Fahrt auf der längsten Abfahrt der Welt zu. Vor allem das Kernen-S fuhr der Bündner wie kein anderer. Auch im vergangenen Jahr war Janka wieder bei den besten. Der «Iceman» sicherte sich hinter Klaus Kröll und Didier Cuche einen Podestplatz.

Cuche und die anderen Erfolglosen

Im Gegensatz zu Müller, Heinzer, Janka & Co. blieb vielen Schweizer Spitzenfahrern ein Sieg im Heimrennen verwehrt. Bernhard Russi, Conradin Cathomen, Pirmin Zurbriggen, Daniel Mahrer, Karl Alpiger, Urs Lehmann: Sie alle standen in Wengen nie zuoberst auf dem Podest. Und auch Didier Cuche, der beste Schweizer Abfahrer des neuen Jahrtausends, biss sich am Lauberhorn bislang die Zähne aus. Nur zu gerne würde er sich am Samstag als nächster Schweizer in die Siegesliste eintragen lassen. Dann würden auch die ständigen Fragen nach der Lücke im Palmarès endlich verstummen.

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