Deutscher schwärmt über Corona-Lage - «Die Schweizer lassen sich nicht einsperren – anders als wir»
Aktualisiert

Deutscher schwärmt über Corona-Lage«Die Schweizer lassen sich nicht einsperren – anders als wir»

Ein deutscher Reporter ist nach Zürich gereist, um die Corona-Lage zu checken. «Wir waren an der Limmat und haben das Unglaubliche gesehen: Zürich lacht», schreibt er nun.

von
Marcel Urech
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Ein Reporter der FAZ checkte die Corona-Lage in der Schweiz – und fand «gute Laune auf Erden, Lebensfreude» und «Alltagsgenuss». Das Bild zeigt offene Restaurant-Terrassen in Zürich.

Ein Reporter der FAZ checkte die Corona-Lage in der Schweiz – und fand «gute Laune auf Erden, Lebensfreude» und «Alltagsgenuss». Das Bild zeigt offene Restaurant-Terrassen in Zürich.

Reuters
Deutschland sei hingegen wohl gerade das am schlechtesten gelaunte Land der Welt, schreibt Jakob Strobel y Serra.

Deutschland sei hingegen wohl gerade das am schlechtesten gelaunte Land der Welt, schreibt Jakob Strobel y Serra.

Screenshot FAZ
«Sie lassen sich nicht einsperren», schreibt der Autor über die Schweizerinnen und Schweizer.

«Sie lassen sich nicht einsperren», schreibt der Autor über die Schweizerinnen und Schweizer.

Reuters

Darum gehts

  • Wie meistert die Schweiz die Corona-Pandemie? Ein Reporter der «FAZ» besuchte unser Land, um das herauszufinden.

  • Nun schreibt er von der «Rückkehr des Lächelns an den Zürichsee» und dem Schweizer Freiheitsgefühl.

  • «Deswegen sitzen sie draussen auf den Terrassen und trinken Wein», heisst es im Artikel.

«Die Rückkehr des Lächelns an den Zürichsee» – so betitelt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) einen Artikel zur Corona-Situation in der Schweiz. Nach Monaten strenger Corona-Massnahmen sei die Aussengastronomie nun wieder geöffnet – «und sofort verwandelt sich das Land zum Besseren».

Die «FAZ» folgt damit auf einen Artikel der «Bild», die Mitte April über die Schweiz wie folgt titelte: «Fühlt sich an wie ein Corona-Paradies». Der Autor berichtete damals ebenfalls über die hiesige Corona-Situation. Er schwärmte von «glücklichen Menschen mit Mut zum Leben» und schrieb über Wein, Chips und Seifenblasen.

«Zürich lächelt, Zürich lacht»

Die «FAZ» fand in der Schweiz «gute Laune auf Erden, Lebensfreude, Alltagsgenuss» und «das grosse Glück der kleinen Freiheit», wie es im Artikel heisst. «Wir sind an der Limmat gewesen und haben das Unglaubliche gesehen: Zürich lächelt, Zürich lacht.» Deutschland hingegen sei wohl gerade das am schlechtesten gelaunte Land der Welt, schreibt Jakob Strobel y Serra, der bei der «FAZ» stellvertretender Leiter des Feuilletons ist.

Ganz Zürich habe offenbar nur auf die Öffnung der Gastro-Aussenbereiche gewartet. Die Terrassen der Restaurants, Bars und Cafés seien voll. Schweizerinnen und Schweizer sitzen laut dem Autor nun überall draussen, an jeder freien Ecke, auf dem winzigsten Platz – «ganz gleich, ob sonnig oder schattig, improvisiert oder fest installiert» – und immer mit Abstand, aber nie mit Maske. Auch auf der Strasse trage kaum jemand eine Gesichtsmaske. Und schon mittags werden Wein getrunken und Raclette und Rösti gegessen. Alle Altersklassen seien anzutreffen, alle Küchen, und alle Menschen lächelten unentwegt.

«Sie lassen sich nicht einsperren»

«Es ist ein seltsam bedrückend beglückendes Gefühl, weil diese Menschen uns zeigen, in welch seltsamer Welt wir in Deutschland gerade leben und in welcher viel schöneren wir doch leben könnten», schreibt der Autor weiter. Obwohl die pandemischen Zahlen in der Schweiz weder besser noch schlechter seien als in Deutschland, herrsche in der Schweiz «keine Paranoia» und «keine Panik». Ausserdem springe in der Schweiz kein Passant verschreckt zur Seite, wenn ihm ein Unmaskierter entgegenkomme. Es herrsche aber auch «keine apokalyptische Peststimmung». Und man geniesse auch nicht die «Henkersmahlzeit vor dem Weltuntergang» – sondern ein Glas Chasselas am Bellevue. Weil man wisse, dass die Welt nicht untergehe.

Die Schweizer hätten aber weder «ihren gesunden Menschenverstand verloren» noch handelten sie verrückt, naiv, unvorsichtig oder gedankenlos. «Sie lassen sich einfach nicht einsperren.» Für die Menschen in der Schweiz sei die Freiheit ein höheres Gut als der absolutistische Gesundheitsschutz. Sie kontrollierten lieber den Staat, als sich von ihm kontrollieren zu lassen. Und sie könnten abwägen zwischen realistischer Gefahr und eingebildeter Bedrohung. «Deswegen sitzen sie draussen auf den Terrassen und trinken Wein.»

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