Jonas Bächinger: «Die Schweizer Nati wird nur zu 1,5 Prozent Europameister»
Publiziert

Belgien hat die grössten Chancen«Die Schweizer Nati wird zu 1,5 Prozent Europameister»

Der Mathematiker Jonas Bächinger hat anhand von Statistiken und Ratings eine potenzielle Rangliste für die EM erstellt. Ein EM-Sieg der Schweiz ist relativ unwahrscheinlich.

von
Florian Osterwalder
1 / 4
Nach den Berechnungen von Mathematiker Jonas Bächinger stehen die Chancen auf einen EM-Sieg der Nati bei lediglich 1,5 Prozent. 

Nach den Berechnungen von Mathematiker Jonas Bächinger stehen die Chancen auf einen EM-Sieg der Nati bei lediglich 1,5 Prozent.

imago images/ULMER Pressebildagentur
Mathematiker Jonas Bächinger erstellte anhand des Elo-Ratings ein Modell, welches die Gewinnchancen der EM-Teilnehmer berechnet. 

Mathematiker Jonas Bächinger erstellte anhand des Elo-Ratings ein Modell, welches die Gewinnchancen der EM-Teilnehmer berechnet.

Daniel Hager Photography & Film
Laut Bächinger haben die Belgier die grösste Chance auf den EM-Titel. 

Laut Bächinger haben die Belgier die grösste Chance auf den EM-Titel.

imago images/Panoramic International

Darum gehts

  • Laut dem Mathematiker Jonas Bächinger hat Belgien die grösste Chance auf den EM-Titel.

  • Für die Schweiz sieht es hingegen düster aus.

  • Laut seinen Berechnungen ist nach dem Achtelfinal für die Schweiz Endstation.

  • Sein Modell sieht auch Deutschland nicht um den EM-Titel mitspielen.

Er ist weder Hellseher noch treffen seine Prognosen zu 100 Prozent zu. Die Rede ist von Jonas Bächinger. Der Mathematiker ist Co-Founder und CTO des Fintechs Everon und Experte für statistische Modellierung. Er hat ein Modell zur Vorhersage des Ausgangs von Fussballspielen entwickelt. Sein Modell basiert auf dem sogenannten Elo-Rating. Dieses Rating weist jedem Team eine Punktezahl zu, die seine Stärke widerspiegelt. Wenn jetzt die Schweiz also gegen ein besser klassiertes Team in der Weltrangliste gewinnt, so bekommt sie auch mehr Punkte für ihr Elo-Rating.

«Die grösste Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg an der Europameisterschaft hat Belgien, mit 21,4 Prozent», sagt Bächinger. Und wie stehen die Chancen auf einen Schweizer Vollerfolg? «Mit 1,5 Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit sieht es nicht so rosig aus». Jedoch sei ein Einzug in den Achtelfinal von grosser Wahrscheinlichkeit. Und wie steht es um den Titelverteidiger Portugal? Laut dem Modell von Bächinger haben die Iberer eine Gewinnchance von 8,7 Prozent.

Bächinger denkt an alles

Aber Bächinger bezieht sich in seinem Wahrscheinlichkeitsmodell nicht nur auf das Elo-Rating. Er nimmt auch noch andere Faktoren in seine Berechnungen auf. Da die EM in elf verschiedenen Ländern stattfindet, kann man nicht wirklich von einem Heimvorteil für ein Land sprechen, abgesehen davon, dass gewisse Länder ihre Spiele im eigenen Land bestreiten. Und auch die Corona-Pandemie könnte einen Einfluss haben. Denn das Fehlen der Zuschauerinnen und Zuschauer hat einen Einfluss auf die Schiedsrichter.

Während in normalen Zeiten die Anwesenheit der Zuschauerinnen und Zuschauer Schiedsrichter nachweislich dazu verleitet, mehr Fouls, Gelbe und Rote Karten gegen die Auswärtsmannschaft zu verhängen, hat sich dieser Effekt in der Corona-Zeit verflüchtigt. Doch an der Europameisterschaft sieht es ein wenig anders aus. Es sind nämlich teilweise Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen. Wie viele ins Stadion dürfen, ist aber abhängig vom Austragungsort. Die Schweiz spielt zum Beispiel in Rom gegen Italien. Und dort sind 16’000 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen.

Nicht nur Mathematiker, sondern auch Schiedsrichter

Aber wie kommt man auf die Idee, anhand von Statistiken ein solches Modell zu erstellen? «Ich bin selbst grosser Fussballfan und in meiner Freizeit Schiedsrichter im Amateurfussball», so Bächinger. Da stellt sich die Frage, ob er überhaupt noch Spiele geniessen kann oder nur noch schaut, ob seine Berechnungen auch wirklich eingetroffen sind. Bächinger: «Grundsätzlich kann ich die Spiele schon geniessen, ich überprüfe aber natürlich regelmässig, ob die verschiedenen Einflüsse im Modell richtig berücksichtigt wurden.»

Ein spannender Fakt: Unser Nachbarland Deutschland, eine Fussballnation durch und durch, hat in den Berechnungen von Bächinger nur eine Gewinnchance von etwas mehr als drei Prozent. Und wann dürfen wir uns auf einen Sieg der Schweiz an einem grossen Turnier freuen? «Wenn man die Statistiken anschaut, wird es in etwa 188 Jahren zu einem EM-Sieg der Schweiz kommen. Bei einer WM geht es noch länger: 350 Jahre etwa», so Bächinger. Na dann hoffen wir doch mal, dass die Statistik dieses Mal lügt.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

56 Kommentare