Aktualisiert 19.05.2019 08:34

Schweden-Legende Lundqvist«Die Schweizer rasen mit 120 Stundenkilometern»

Die Schweizer waren nach dem 3:4 gegen Schweden sehr enttäuscht. Aber dafür erhielten sie dicke Komplimente von einem prominenten Gegenspieler.

von
Marcel Allemann
Bratislava

Der Ausgleich zum 3:3 der Schweizer: Gaëtan Haas bezwingt die schwedische Goalie-Legende Henrik Lundqvist. (Video: SRF)

Es wollte wieder nicht sein gegen diese Schweden. Nach der bitteren 2:3-Niederlage im Penaltyschiessen im letztjährigen WM-Final war der Frust im Schweizer Lager auch nach dem 3:4 im Gruppenspiel am Samstagabend in Bratislava gross. Insgesamt war es die achte Niederlage in Folge gegen die Skandinavier an einem grossen Turnier – wir werden den Schweden-Komplex einfach nicht los.

«Unser Powerplay war wieder nicht gut genug», bilanzierte Nati-Trainer Patrick Fischer, «auch wenn dieses Mal nicht viel fehlte.» Eine weitere Erklärung für die Niederlage waren für ihn die beiden raschen Gegentore unmittelbar nach den Ausgleichstreffern zum 2:2 und 3:3. «Das war unglücklich, da waren wir etwas übermütig.» Zufrieden war Fischer mit seiner Offensive: «Uns sind gegen diese starken Schweden drei Tore gelungen, dazu hatten wir drei bis vier weitere Topchancen.»

Josis Frust und der Blick nach vorne

Ähnlich fiel die Ursachenforschung bei Roman Josi aus. «Die ersten Einsätze nach unseren Toren müssen wir unbedingt verbessern. Und auch die Chancenauswertung war nicht optimal. Gerade im zweiten Drittel hätten wir mehr herausholen können, da erarbeiten wir uns ein Chancenplus.»

Dass es wieder eine Niederlage gegen Schweden abgesetzt und ein weiteres Mal nicht gereicht habe, sei im Moment frustrierend, erklärte der Schweizer Topverteidiger weiter, «aber wir sind mitten in einem WM-Turnier, am Sonntagabend geht es bereits weiter. Wir müssen diese Niederlage gegen einen extrem starken Gegner abhaken und nach vorne schauen.»

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Revanche missglückt: 3:4 verliert die Schweizer Nati ihr fünftes Gruppenspiel an der WM in Bratislava.

Revanche missglückt: 3:4 verliert die Schweizer Nati ihr fünftes Gruppenspiel an der WM in Bratislava.

kein Anbieter/Andy Mueller/freshfocus
Grossartige Stimmung: Die ausverkaufte Halle bebte, es war alles bereit für die Wiederauflage des Finals aus dem Vorjahr. Auffällig waren besonders die vielen Schweizer Fans.

Grossartige Stimmung: Die ausverkaufte Halle bebte, es war alles bereit für die Wiederauflage des Finals aus dem Vorjahr. Auffällig waren besonders die vielen Schweizer Fans.

kein Anbieter/Andy Mueller/freshfocus
Start nach Mass: Andrighetto brachte die Schweiz früh in Führung.

Start nach Mass: Andrighetto brachte die Schweiz früh in Führung.

kein Anbieter/Andy Mueller/freshfocus

Lob für die Nati gab es von der schwedischen Goalie-Legende Henrik Lundqvist: «Das war wirklich ein guter Test für uns. Wir wussten, dass wir gegen die Schweizer viel härter arbeiten und dem Puck sorge tragen müssen, denn wenn du diesen gegen sie verlierst, dann rasen sie jedes Mal mit 120 Stundenkilometern auf dich zu.»

Die grosse Herausforderung Owetschkin

Mit einer nächsten Legende bekommt es die Schweiz bereits am Sonntagabend zu tun. Alexander Owetschkin ist in seiner Heimat eine Ikone und seit einem Jahr der erste Russe, der ein NHL-Team als Captain zum Stanley-Cup führte. Gegen den Stürmerstar der Washington Capitals und dazu auch noch den aktuellen NHL-Topskorer Nikita Kutscherow (Tampa Bay Lightning) zu verteidigen, ist ähnlich anspruchsvoll, wie wenn man sich im Fussball als Verteidiger einem Team mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo ausgesetzt sähe.

Wie lässt sich diese Mammutaufgabe am besten bewältigen? «Wir müssen das miteinander machen, aggressiv sein, den Russen keinen Raum lassen, ihren Stock kontrollieren», sagt Fischer dazu. «Im Vergleich zum Spiel gegen Schweden gilt es in der Defensive eine Schraube anzuziehen, unser Defensivsystem muss funktionieren.»

Josi sieht sich der Klasse von Owetschkin und Kutscherow im NHL-Alltag regelmässig ausgesetzt. «Weltklassespieler wie sie erarbeiten sich immer ihre Chancen, dies lässt sich nicht verhindern. Aber es gilt, ihre Chancen zu limitieren», ist sein Lösungsansatz. Weil es Josi liebt, sich mit den Allerbesten zu messen, hat er sich selbst den Status eines der weltbesten Verteidigers erarbeitet. Über Owetschkin sagt er: «Gegen ihn zu spielen ist jedes Mal eine riesige Herausforderung. Auf diese freue nicht nur ich mich, auf diese können wir uns alle freuen.»

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