29.07.2020 20:12

Das Coronavirus und der Sport

Die Schweizer Sportwelt ist besorgt

Der Bundesrat überlegt sich, die 1000-Personen-Limite bis Ende März 2021 zu verlängern. Was sagt die Schweizer-Sportwelt dazu?

von
Nils Hänggi
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Die Zuschauer sollen bald Masken in den Stadien tragen – zumindest wenn es nach Matthias Hüppi geht.

Die Zuschauer sollen bald Masken in den Stadien tragen – zumindest wenn es nach Matthias Hüppi geht.

Foto: Martial Trezzini/Keystone
Daniel Koch berät den SC Bern bei der Erstellung des Schutzkonzeptes.

Daniel Koch berät den SC Bern bei der Erstellung des Schutzkonzeptes.

Foto: Peter Klaunzer/Keystone
Derzeit dürfen 1000 Zuschauer in die Schweizer Stadien gehen.

Derzeit dürfen 1000 Zuschauer in die Schweizer Stadien gehen.

Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Darum gehts

  • Der Bundesrat wird wohl im August entscheiden, was mit Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen passiert.
  • Die Verantwortlichen der Schweizer Sportvereine sind besorgt.
  • Der FC St. Gallen legt etwa ein eigenes Konzept vor.

Im August wird der Bundesrat wohl entscheiden. Wie geht es weiter mit Sportveranstaltungen vor Zuschauern? Dürfen Zuschauer in die Stadien? Und wenn ja, wie viele? Laut der Tamedia-Redaktion (bezahlpflichtig) stehen drei Varianten im Raum: Aufhebung aller Restriktionen, Anlässe mit über 1000 Personen werden bewilligungspflichtig oder vollständiges Verbot für alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen bis zum 31. März 2021.

Wie sich der Bundesrat entscheiden wird, steht in den Sternen. Sicher ist: Die Epidemiologen wollen ein Verbot aller Grossveranstaltungen bis nächsten Frühling. Haben sie doch Angst, dass sich das Virus wieder ausbreitet. Und die Sportclubs? Sie wollen wieder mehr als 1000 Zuschauer in den Stadien haben. Und das um jeden Preis. Aus diesem Grund haben sie am Dienstag ein neues Schutzkonzept vorgestellt. Der Inhalt kurz und bündig: Maskenpflicht, keine Gästefans und ein Stehplatzverbot.

Die Clubs sind besorgt

Doch was meinen die Verantwortlichen der Schweizer Sportwelt? Zur Möglichkeit, dass bis zum 31. März 2021 keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen stattfinden? Der FC St. Gallen hat ein Schutzkonzept erarbeitet. Das erzählt Matthias Hüppi, der Präsident des Vereins, der Tamedia-Redaktion (bezahlpflichtig). So sind in diesem An- und Abreise der Fans geregelt, der Einlass, der WC-Besuch. Gästefans sollen nicht ins Stadion dürfen, Masken sind ein Muss. «Rund 50 Prozent könnten wir füllen», sagt Hüppi.

Der SC Bern, der Club also, der mit 17’000 Plätzen eine der grössten Eishockeyarenen Europas hat, hat sich derweil Hilfe geholt. Und zwar von Daniel Koch, Mister Corona persönlich. Wie Hüppi hofft Marc Lüthi, CEO des SCB, dass er bald das halbe Stadion füllen darf. Er sagt: «50 bis 60 Prozent Auslastung wäre für uns eine vernünftige Lösung.» Bleibt es bei der 1000er-Grenze, sei das auf Dauer nicht verkraftbar.

Noch drastischere Worte benutzt Wanja Greuel. Greuel ist CEO der Young Boys. Er sagt der Tamedia-Redaktion: «Wird die 1000-Personen-Limite verlängert, dann gute Nacht!» Er spricht von einem «Dolchstoss» und dass er sich in einen Abgrund geschubst fühle. Und der Präsident der Swiss Football League selbst, Heinrich Schifferle? Für ihn ist klar, dass viele Vereine nicht einmal dann über die Runden kommen werden, wenn sie tatsächlich wieder die Hälfte ihrer Stadien füllen dürften.

«Die Clubs müssen die Parlamentarier überzeugen»

Und nun? Die Darlehen des Bundes könnten helfen. So stellt der Bundesrat den Vereinen pro Saison ohne Zuschauer maximal 100 Millionen Franken als Darlehen zur Verfügung, für die Eishockeyaner sind es zweimal 75 Millionen. Was in Theorie super klingt, hat einen Haken. Denn: Die Ligen müssen solidarisch für die von den einzelnen Clubs bezogenen Darlehen haften. Das Problem: Die Ligen haben keine eigenen Einnahmen, sondern nur welche, die wieder verteilt werden – TV-Gelder etwa.

Wie geht es also weiter? Sicher ist, dass es spannend bleibt. Und: Dass eine neue Zeit begonnen hat, die Zeit des Lobbyierens in der Sportwelt. Dieser Meinung ist auch Schifferle. Gegenüber der Tamedia-Redaktion sagt der Liga-Präsident: «Die Clubs müssen die Parlamentarier überzeugen, die eine persönliche Beziehung zu einer lokalen Mannschaft haben.»

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18 Kommentare
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Felix

30.07.2020, 11:52

Im Sport wird mit der grossen Kelle angerichtet. Das wird sich endlich ändern.

Gesundheits Fürsorger

30.07.2020, 11:01

Partys oder Fussball?? Beides zusammen im Grossformat geht offensichtlich nicht... Vielleicht Partys bis 100 und Fussball bis 1000??

De Seppeli

30.07.2020, 09:40

Ein Profifussball Ein Profifussballclub ist eine Firma. Die Spieler sind die Mitarbeiter und verkaufen Fussballspiele. Jede gutgeführte Firma legt Reserve für magere Zeiten an. Viele Firmen entlassen Mitarbeiter damit sie überleben. Also warum auch nicht Fussballspieler. Also hört auf zu jammern, schränkt Euch ein, spart wie es andere Firmen auch machen müssen. Ihr seid keine Götter die die Welt braucht.