Ski-Fahrer Manuel Feller - «Die Schweizer versuchen alle zu durchseuchen»
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Kritische Aussagen von Manuel Feller«Die Schweizer versuchen an einem Wochenende alle zu durchseuchen»

In Adelboden findet trotz der Corona-Pandemie ein Weltcup-Event mit Zuschauern statt. Dies ist nicht für alle verständlich. Am Abend wurde die Siegerehrung der Athleten abgesagt.

von
Sven Forster
(aus Adelboden)

Marco Odermatt jubelt nach seiner Gala-Fahrt mit den Fans.

SRF

Darum gehts

  • Vor mehr als 12’000 Leuten gewinnt Marco Odermatt den Riesenslalom in Adelboden.

  • Dass trotz der Corona-Pandemie so viele Leute vor Ort sind, können nicht alle verstehen.

  • Manuel Feller äusserte sich in einem Interview.

Marco Odermatt gewann mit seinem Gala-Auftritt den Riesenslalom in Adelboden vor mehr als 12’000 Zuschauern und Zuschauerinnen. Während zahlreiche andere Länder auf Zuschauende bei Wettkämpfen verzichten, kamen in Adelboden wieder Personen aus allen Teilen der Schweiz zusammen. Für die Sicherheit wird der Event nach 3G-Massnahmen durchgeführt. In den Zelten gilt die 2G+ Regel.

Eine Maskenpflicht im Zielareal gibt es nicht. Von den Veranstaltern heisst es: «Skifans tragen aus Solidarität eine Maske.» Vor Ort sieht man jedoch nur wenige Fans mit Maske. Der ORF-Experte und ehemalige Slalom-Fahrer Thomas Sykora sagte gar, dass er es zwischenzeitlich mit der Angst zu tun bekam. Im ORF heisst es während der Übertragung weiter: «Wir hoffen, dass das gut geht».

Siegerehrung abgesagt

Manuel Feller, der in Adelboden mit Platz zwei überzeugen konnte, sagte nach dem Wettkampf im ORF-Interview etwas scherzhaft: «Die Schweizer gehen da ein bisschen einen anderen Weg. Die versuchen an einem Wochenende gleich alle zu durchseuchen». An der anschliessenden Pressekonferenz äusserte er sich erneut: «Ich weiss, die Situation ist nicht einfach auf dem ganzen Planeten. Unsere Aufgabe ist es, Ski zu fahren. Solche Entscheide müssen andere treffen.» Er habe die Fans bei der Einfahrt ins Ziel einfach genossen.

Am Abend sollte eigentlich die Siegerehrung im Weltcup-Dorf stattfinden. Daraus wird nun nichts. Wie der Veranstalter mitteilt, fällt der Event ins Wasser. Dies «aus Sicherheitsgründen, logistischen Aspekten und zum besten Wohle der Athleten.» Eigentlich wurde mit der Absage das ganze Programm abgesagt. Ein DJ tauchte drei Songs auf und verabschiedete sich bereits um 18.15 Uhr, dabei hätte die Party bis 20 Uhr andauern sollen. Am Sonntag geht es allerdings bereits wieder weiter. Dieses Mal steht ein Slalom auf dem Programm, ebenfalls mit der 3G-Regel. Diese Regelung bleibt auch in Wengen bei den Lauberhorn-Wettkämpfen nächste Woche bestehen.

Athleten ebenfalls angespannt

Die Skiverbände unter sich handeln die Corona-Pandemie unterschiedlich ab. Swiss Ski nimmt die derzeitige Corona-Lage sehr ernst. Medientermine werden grösstenteils virtuell abgehalten. Alle Fahrer und Fahrerinnen beziehen derzeit ein Einzelzimmer. Kein Wunder: Die Gefahr, vor Olympia noch mit dem Coronavirus infiziert zu werden, steigt beim aktuellen Infektionsgeschehen. Die einzelnen Fahrer und Fahrerinnen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Justin Murisier zum Beispiel feierte Silvester nur mit seiner Freundin. Ramon Zenhäusern hat sich zusammen mit seinem Sponsor ein Gerät besorgt, das die Luft in den Hotelzimmern reinigt.

Adelboden-Sieger Marco Odermatt sagte auf Anfrage von 20 Minuten in dieser Woche: «Ich war sehr locker drauf in letzter Zeit. Seit einer oder zwei Wochen aber, wenn man sieht, wie es Fälle gab, und man weiss, wie die Fahrer aufgepasst haben, steigt die Anspannung. Angst würde ich es nicht nennen. Respekt für die nächsten Wochen ist aber sicherlich da.» Für Luca Aerni gilt es den Januar zu überstehen. «Holz anlangen und hoffen», so der Slalomfahrer.

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