Provinzposse : Die SCL Tigers zittern um die Stadionsanierung
Aktualisiert

Provinzposse Die SCL Tigers zittern um die Stadionsanierung

Unglaublich, aber wahr: Das 30-Millionen-Umbauprojekt der Ilfishalle zu Langnau, vom Volk mit überwältigendem Mehr bewilligt, ist wieder in akuter Gefahr.

von
Klaus Zaugg
Wenn der Umbau planmässig beginnt, müssten die SCL Tigers bei einer allfälligen Liga-Qualifikation alle Spiele in fremden Stadien ausgetragen.

Wenn der Umbau planmässig beginnt, müssten die SCL Tigers bei einer allfälligen Liga-Qualifikation alle Spiele in fremden Stadien ausgetragen.

Die Stimmbürger in Langnau haben in DDR-Manier zugestimmt (76 Prozent Ja-Stimmen). Einsprachen gegen den Stadion-Umbau hat es keine gegeben. Die Bagger können in Langnau planmässig sofort nach Saisonschluss auffahren.

Oder doch nicht? Die ganze Stadion-Geschichte nimmt eine neue Wendung die der alte Gotthelf in seinem Studierzimmer nicht hätte erfinden können: Im 30-Millionen-Umbaupaket ist auch eine neue Curling-Halle samt Schwingkeller enthalten - weil die alte Curling-Halle dem Stadion-Umbau weichen muss. Für die Curler und Schwinger ist in Langnau ein neuer Standort auf dem Gelände der ehemaligen Coop-Filiale an der Oberstrasse gefunden worden. Einsprachen hat es auch gegen dieses Bauvorhaben nicht gegeben.

Das Umdenken der Curler

Doch nun wollen auf einmal die Curler nicht mehr. Die neue Halle in Langnau passt ihnen nicht mehr. Sie wollen ihre Halle lieber im Nachbardorf Zollbrück bauen. Das entsprechende Baugesuch haben sie bereits lanciert. Damit bringen sie die SCL Tigers in Teufels Küche. Die Stimmbürger haben ein Bauvorhaben (Iflisstadion-Sanierung, Nebau Curlinghalle mit Schwingkeller) in Langnau bewilligt. Bei der ausgeprägten Gemeinde-Autonomie im Bernbiet kann Langnauer Steuergeld nun nicht einfach in ein neues Projekt im Nachbardorf Zollbrück investiert werden. Das geht weder juristisch noch politisch.

Was nun? Gemeindepräsident Bernhard Antener (SP), ein kluger Advokat und Pragmatiker, hat eine Lösung: Aus dem vom Langnauer Stimmvolk bewilligten Kredit gibt es kein Geld mehr für die fahnenflüchtigen Curler. Der Vorwurf, man habe beim Abstimmungskampf mit dem Einbezug der Curler demokratische Rosstäuscherei betrieben, ist damit vom Tisch.

Aber gratis verlassen die Curler das Areal des Ilfisstadion halt auch nicht. Dort haben sie ein im Grundbuch verbrieftes Bleiberecht. Also werden sie für den Wegzug neu mit 1,5 Millionen entschädigt. Den Betrag wird nicht aus dem vom Volk bewilligten 30-Millionen-Paket abgezweigt. Sondern das Gemeindeparlament soll am 30. Januar diese 1,5 Millionen bewilligen. Die ordentliche Parlaments-Sitzung ist deswegen auf den 30. Januar vorgezogen worden. Damit die allerletzte Frist für die definitive Erteilung der Bauaufträge für die Ilfisstadion-Umbau (31. Januar) doch noch eingehalten werden kann. In die Eishockeysprache übersetzt: Die Langnauer haben politisch den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzt um Druck zu machen und in letzter Sekunde doch noch den entscheidenden Treffer zu setzen.

Zwei grosse Fragezeichen bleiben

Was ist, wenn gegen die Baubewilligung in Zollbrück Einsprachen eingehen? Die Frist läuft am 23. Januar ab. Dann können die Curler noch nicht bauen und einem Wegzug aus Langnau auch nicht zustimmen. Sonst riskieren sie, nächste Saison ohne Eis und Dach über dem Kopf dazustehen. Und was ist, wenn gegen den Beschluss des Gemeindeparlamentes, die Curler mit 1,5 Millionen zu entschädigen, das Referendum ergriffen wird? Lediglich 300 Unterschriften sind im 9000-Seelen-Dorf notwendig, um eine Volksabstimmung zu erzwingen.

Ganz einfach: Beides wäre das Aus für den 30-Millionen-Umbau des Ilfisstadions. Die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens SCL Tigers AG wäre wieder in Frage gestellt. Das 30-Millionen-Projekt wird je hälftig durch Steuergelder und durch Präsident Peter Jakob finanziert. Jakob hat bereits mehrfach betont, dass er aussteigt, wenn sich das Projekt verzögern sollte: Er ist nicht mehr gewillt, die im alten Stadion anfallenden Betriebsverluste ein weiteres Jahr auszugleichen. Entweder Umbaubeginn wie geplant, aufgegleist und bewilligt in diesem Frühjahr – oder gar nicht.

Wenn der Umbau planmässig beginnt, müssten die SCL Tigers bei einer allfälligen Liga-Qualifikation alle Spiele in fremden Stadien ausgetragen. Der Umbau-Beginn ist per Anfang April terminiert. Der letztmögliche Heimspiel-Termin wäre der 31. März. Die Ligaqualifikation beginnt erst am 3. April. Die Langnauer müssten also in ein fremdes Stadion ausweichen. Langnau-Manager Ruedi Zesiger bestätigt gegenüber 20 Minuten Online: «Ja, wir müssten in der Liga-Qualifikation in ein fremdes Stadion zügeln. Am einfachsten wäre in diesem Falle Bern. Weil wir dort alle Saisonkartenbesitzer unterbringen könnten. Aber wir setzten alles daran, die Saison noch in den Playouts im März zu beenden.»

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