Zeuge erzählt: «Die Seilbahn schoss in vollem Karacho zu Tal»
Aktualisiert

Zeuge erzählt«Die Seilbahn schoss in vollem Karacho zu Tal»

Roger Mayer sah zu, wie die verunglückte Familie mit dem Baby die Transportbahn hinunterraste. Dann hörte er nur noch das Seil knallen.

von
nj

Roger Mayer aus Matzingen TG ist die Aufregung noch anzumerken. Zwei Tage ist es her, dass der 37-Jährige auf einem Wanderausflug Zeuge des tödlichen Unfalls mit einer Transportseilbahn wurde, bei dem in Innerthal SZ ein Mann und seine Frau ums Leben kamen und deren Baby schwer verletzt wurde.

«Ich bin an diesem Tag mit einem Kollegen und meinem 14-jährigen Sohn vom Stauwehr auf den grossen Aubrig gewandert. Beim Abstieg kam uns das Paar entgegen. Der Mann trug das Kleinkind im Transportrucksack.» Mayer und seine Begleiter waren gerade am Picknicken, nur wenig unterhalb der Alphütte, wo die Familie kurz darauf die Transportseilbahn bestieg. «Wir beachteten die beiden mit dem Kind nicht weiter. Plötzlich hörten wir aber ein Geräusch, als die Seilbahn losfuhr und sahen, dass sich Personen darauf befanden.»

Dass es sich dabei um die Eltern mit dem Baby handeln könnte, sei aber keinem von ihnen in den Sinn gekommen. «Das ist doch viel zu gefährlich. Wir dachten an Teenager, die in jugendlichem Leichtsinn herunterfahren.» Er habe sogar Gelächter und Juchzen gehört, meint sich der Betriebsmechaniker zu erinnern.

Stahlseil knallte wie eine Peitsche auf die Wiese

Doch die Fahrt wurde schnell zum Horror. «Das Bähnli war schon kurz unterhalb der Alp viel zu schnell unterwegs. Es schoss mit Karacho talwärts und das Zugseil schrie regelrecht, so schnell lief es über die Winde.» Bereits beim ersten Mast habe es so ausgesehen, als würde das Gefährt abstürzen. Da habe er noch zu seinem Sohn gesagt, dass man nie auf ein solches Waren-Seilbähnchen sitzen solle, sagt Mayer. Dann spielte sich das Drama ab. «Wir sahen die Bahn nicht mehr, als auf einmal das Stahlseil der Seilbahn wie eine Peitsche auf die Wiese runterknallte. Da war uns klar, dass etwas passiert sein musste.»

Wenige Minuten später kam laut Mayer ein Mitarbeiter der Alp zum Rastplatz der drei Wanderer und fragte, ob sie die Seilbahn gesehen hätten. «Er wirkte zu diesem Zeitpunkt schon sehr besorgt.» Kurz darauf habe sich auch ein zweiter Älpler auf den Abstieg begeben. Auch Mayer und seine Begleiter machten sich auf den Weg hinunter zum Parkplatz. «Unterwegs sahen wir den Rega-Helikopter. Was passiert war, erfuhren wir aber erst ganz unten von der Sanität.»

Es folgte noch ein Schockmoment: «Als die Polizei den Baby-Transportrucksack aus dem Wald trug, wussten wir, dass es sich bei den Opfern um die kleine Familie handelte. Da habe ich leer geschluckt.»

(Video: 20 Minuten)

Alpmitarbeiter wieder auf freiem Fuss

Der Alpmitarbeiter, der im Zusammenhang mit dem tödlichen Unfall einer Transportseilbahn in Innerthal SZ festgenommen worden ist, ist nach der Einvernahme wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Die Unglücksursache war am Montag weiterhin unklar. Die Untersuchungsbehörden hätten alle Beteiligten des Unfalls vom Samstag befragt, teilte die Kantonspolizei Schwyz mit.

Die Polizei hatte den Mann festgenommen, weil er bei der Befragung widersprüchliche Aussagen gemacht habe. Es handelt sich um einen Alpmitarbeiter mit ausländischer Staatsangehörigkeit.

Die Behörden nehmen nun technische Abklärungen vor. Dazu kommen auch Fachkräfte vor Ort zum Einsatz, wie die Kantonspolizei schreibt. (sda)

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