Die Sensation ist perfekt
Aktualisiert

Die Sensation ist perfekt

Die Bundesversammlung kam schnell zum Höhepunkt. Nach einer kurzen Rede nahm Eveline Widmer-Schlumpf die Wahl an. Unmittelbar danach erklärte Caspar Bader, dass die beiden SVP-Bundesräte aus der Fraktion geworfen werden: «Die SVP geht in die Opposition.» Mitglieder der Berner SVP wollen sich offenbar von der Partei abspalten.

Die Sensation ist perfekt. Eveline Widmer-Schlumpf nimmt die Wahl an. Damit erlebt die Schweiz einen parlamentarischen Coup, wie es ihn seit Anbeginn der modernen Eidgenossenschaft noch nie gegeben hat. Mit Widmer-Schlumpf zieht die dritte Frau in den Bundesrat ein. Die SVP spricht von einem schwarzen Tag für die direkte Demokratie.

Mit einer entschlossenen Wahlannahme machte Widmer-Schlumpf allen Gerüchten ein Ende. Unmittelbar anschliessend erklärte SVP-Fraktionschef Bader das Verstossen der Bundesräte Schmid und Widmer-Schlumpf aus der SVP-Fraktion: «Die Parlamentarier haben mit ihrem kurzsichtigen Machtrausch das Konkordanz-System zerstört. Die SVP geht deshalb in die Opposition.» Ein sichtlich enttäuschter Christoph Blocher meldete sich nach seiner Abwahl zu Wort. Als Oppositionsführer könne er endlich wieder sagen, was er denke. Drohend stiess er in den Saal der Parlamentarier, die ihn abgewählt haben: «Ich werde Sie beunruhigen!»

Berner SVP spaltet sich ab

Die Berner SVP macht sich offenbar für eine Abspaltung bereit. Er schätze, dass mit dem Ständerat rund zehn bis 20 Personen eine neue Fraktion bilden würden, sagte der Berner SVP-Nationalrat Hans Grunder. Grundsätzlich sei er von der ganzen Angelegenheit nicht erfreut. Da die Parteileitung entschlossen habe, in die Opposition zu gehen, sei er froh, dass es noch zwei Vertreter im Bundesrat gebe. Es werde sich wohl bald ändern, dass die beiden Bundesräte ohne Fraktion dastünden. Es sei für ihn klar, dass eine neue Fraktion gebildet werde. Es werde wohl eine Spaltung auf Stufe Parlament geben, wie es an der Basis aussehe, sei noch nicht klar. Bereits würden rechtliche Abklärungen im Bezug auf den Parteinamen gemacht. «Am Namen soll es aber nicht scheitern», sagte Grunder.

SVPler täuschten sich in der Bündnerin

«Sie wird nicht zusagen – das hat sie uns bestätigt», wusste noch am Morgen SVP-Stratege Christoph Mörgeli. Ueli Maurer erklärte noch vor zwei Tagen, die Widmer-Schlumpf habe er im Griff. Beide wurden eines anderen belehrt.

Ob Widmer-Schlumpf gestern von der Strategie des Mitte-links-Bündnisses überrascht wurde oder ob bereits seit längerem Gespräche geführt worden sind – darüber kann nur spekuliert werden: «Dazu sagen wir gar nichts», so SP-Fraktionspräsidentin Ursula Wyss.

Klar ist nur: Die letzte Nacht wird Eveline Widmer-Schlumpf nur wenig geschlafen haben: Der politische Druck, der auf der Bündnerin lastet und der auf sie ausgeübt wurde, war enorm.

Mit ihrer Annahme der Wahl liegt Widmer-Schlumpf übrigens ganz auf der Linie der 20minuten.ch-User. Die empfahlen ihr, die Wahl zu akzeptieren. Von insgesamt über 17 000 Usern sprachen sich 11 500 (66%, Stand: Mitternacht) für die Annahme aus, 34 Prozent rieten ihr davon ab.

voi, 20min.ch-team

Sabine Bachmann 33, Thun

Sicher soll sie die Wahl akzeptieren. Mich persönlich freut es, dass Christoph Blocher mit seiner Machtpolitik nicht durchgekommen ist. Das zeigt auch, dass man im Bundesrat nicht einfach machen kann, was man will.

Daniel Bürger 29, Bern

Das Schweizer Volk will Leute im Bundeshaus, die grosszügig und menschlich politisieren. Darum wäre es schön, wenn sie die Wahl annehmen würde. Es ist unerträglich, wie die SVP behauptet, sie alleine würde das Volk vertreten.

(nm/ast/voi)

Deine Meinung