Zürcher Strichplatz: «Die Sex-Boxen sind eingeweiht»
Aktualisiert

Zürcher Strichplatz«Die Sex-Boxen sind eingeweiht»

Trotz Medienrummel boten sich am ersten Abend schon gut 30 Prostituierte auf dem neuen Zürcher Strichplatz an. Am Sihlquai war es dafür so ruhig wie seit Jahren nicht mehr.

von
rom

«Kaum eine Frau wird am ersten Tag aufkreuzen, wegen den Medien», prophezeite Projektleiterin Ursula Kocher noch kurz vor der Eröffnung des ­Zürcher Strichplatzes. Doch es kam am Montagabend ganz anders: Kurz nach 20 Uhr, als die Journalisten den Platz verlassen mussten, wagten sich schon die ersten Prostituierten in den ersten Sex-Drive-in der Schweiz. Und es wurden immer mehr. «Es sieht bereits aus wie am Sihlquai», sagte Michael Herzig vom Sozial­departement später gar.

Gut 30 Frauen boten sich schliesslich entlang des kurvigen Strässchens an. Die meisten standen unter den Bushäuschen-ähnlichen Unterständen, die sie vor garstigem Wetter schützen sollen. Wenige wackelten mit ihrem Po im Freien. Alle aber warben sie engagiert um Freier, zeigten mit den Fingern «komm zu mir!». Und an Kunden mangelte es nicht: «Die Sex-Boxen sind jedenfalls eingeweiht», sagte Herzig.

Viele Neugierige

Überhaupt seien ab 21 Uhr im Akkord Freier auf den Strichplatz eingebogen. «Oder zumindest viele Neugierige», so Herzig. So wie jener Autolenker, der als einer der ersten auf den Platz fuhr. «Ich wollte mir einfach mal einen Eindruck verschaffen», sagte er und grinste. Nicht alle hielten sich allerdings an die Regeln. Zwar hat man laut Herzig kaum Leute ermahnen müssen, die verbotenerweise zu Fuss oder mit dem Velo erschienen sind. «Wir mussten aber immer wieder Leute darauf hinweisen, dass man nur allein im Auto sitzen darf.»

Dieses Problem lösten einige junge Secondos, die sich nach 1 Uhr vor dem Strichplatz tummelten, auf elegante Weise: Sie teilten sich das Auto eines Kollegen und immer einer fuhr wieder allein hinein. Den Fahrerwechsel absolvierten sie jeweils vor der Einfahrt. «Anders gehts ja nicht», meinte einer grinsend. Ob sie auch von den Sex-Boxen Gebrauch machten, wollte keiner sagen.

Probleme machten laut Stadtpolizei lediglich die vielen Gaffer, die sich das bunte Treiben ansehen wollten. «Wir haben knapp ein Dutzend Personen verzeigt und weggewiesen», sagt Sprecher Marco Cortesi.

«Es läuft besser als gedacht»

Insgesamt zieht Herzig vom Sozialdepartement eine positive Bilanz des ersten Abends. «Es läuft besser als wir gedacht haben – aber wir brauchen schon noch Zeit, bis sich alles einpendelt.» Dazu gehöre auch das «hoffentlich» nachlassende Medieninteresse. Bei der offiziellen Eröffnung am Montagabend um 19 Uhr waren Dutzende Journalisten, Fotografen und TV-Teams zugegen und stürzten sich auf die zu jenem Zeitpunkt erst wenigen Freier und Prostituierten.

Nichts los auf der Allmend

Ruhig war es am Montagabend derweil am erstmals seit Jahren dirnenfreien Sihlquai. «Weit und breit sahen wir keine Prostiuierten», sagte Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi. «Weder an der Strasse noch in den Hinterhöfen.» Daher habe man auch niemanden wegweisen müssen. Gar nichts los war auch auf dem Strassenstrich Allmend-Brunau beim Sihlcity: Weit und breit keine Prostituierten und auch keine Freier. Dass es dort immer so ruhig bleiben wird, bezweifelt Cortesi aber: «Viele von ihnen dürften vorerst dem Medienrummel ausgewichen sein.»

Ein Freier packt aus: Wie wars in der Sexbox? Tote Hose oder Stossverkehr? (Video: Keystone)

Deine Meinung