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Vor der EndphaseDie Sieg-Strategien von Clinton und Trump

Um am 8. November zu gewinnen, schiesst Hillary Clinton voll gegen Donald Trump. Dieser sucht noch immer ein Erfolgsrezept.

von
Martin Suter
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Donald Trump liebt seine Auftritte vor begeistertem Publikum wie am 29. Juli 2016 in Denver. Doch der republikanische Präsidentschaftskandidat spricht zu oft über sich selbst und zu wenig über seine Gegnerin Hillary Clinton und die wichtigen Themen.

Donald Trump liebt seine Auftritte vor begeistertem Publikum wie am 29. Juli 2016 in Denver. Doch der republikanische Präsidentschaftskandidat spricht zu oft über sich selbst und zu wenig über seine Gegnerin Hillary Clinton und die wichtigen Themen.

AP/Brennan Linsley
Clinton wiederum verfolgt die entschlossene Strategie, Trump unmöglich zu machen. Am 3. August 2016 warf sie ihm in Denver vor, seine Krawatten in China anstatt den USA herstellen zu lassen.

Clinton wiederum verfolgt die entschlossene Strategie, Trump unmöglich zu machen. Am 3. August 2016 warf sie ihm in Denver vor, seine Krawatten in China anstatt den USA herstellen zu lassen.

AP/Andrew Harnik
Trump macht immer wieder den Fehler, sich auf schädliche Nebenthemen einzulassen. Zum Beispiel griff er Ghazala und Khizr Khan an, die am 28. Juli 2016 am demokratischen Parteikongress über ihren im Irak gestorbenen Sohn sprachen.

Trump macht immer wieder den Fehler, sich auf schädliche Nebenthemen einzulassen. Zum Beispiel griff er Ghazala und Khizr Khan an, die am 28. Juli 2016 am demokratischen Parteikongress über ihren im Irak gestorbenen Sohn sprachen.

AP/J. Scott Applewhite

Der August ist in amerikanischen Präsidentschaftskämpfen normalerweise ein ruhiger Monat. Die Parteikongresse sind vorüber und die Olympischen Spiele ziehen die TV-Öffentlichkeit in ihren Bann. Diesmal geht es beim Duell zwischen der Demokratin Hillary Clinton und dem Republikaner Donald Trump jedoch so heftig zu wie selten zuvor.

Laut Realclearpolitics hat Clinton ihre Spitzenstellung von vor einem Monat wiedergewonnen. Am Mittwoch führte sie im Umfrage-Durchschnitt mit 4,5 Prozentpunkten vor Trump.

Die Strategie von Hillary Clinton

Um den Vorsprung zu halten und im November zu siegen, verfolgt Clinton einen Plan mit drei Elementen:

1. Knifflige Botschaft zu Obama: Clinton kommt nicht um eine komplizierte, doppelte Botschaft herum. Sie muss die Leistungen von Präsident Barack Obama loben, um sein Erbe zu bewahren und die Stimmen seiner Wählerkoalition zu erhalten. Sie muss aber auch die verbreitete Unzufriedenheit über die Lage der Nation aufnehmen. Deshalb kündigt sie Jobprogramme und weiterführende Reformen an.

2. Angriffe gegen Trump: Einfacher ist es, gegen Trump zu schiessen. Clintons Lager lässt nichts unversucht, den Casino-Unternehmer als gefährlichen Kandidaten hinzustellen. Die Clinton-Kampagne reizt den dünnhäutigen Trump mit Provokationen und persönlichen Angriffen und rügt dann dessen oft fehlgeleitete Reaktionen. Ein Beispiel dafür war der Auftritt der Familie des im Irak getöteten muslimischen Soldaten Humayun Khan am Parteikongress und die nachfolgende Kritik Trumps. Für die Kolumnistin Peggy Noonan gehen die Demokraten wie im Stierkampf vor: «Sie spielen den Picador, quälen den Bullen, reizen ihn und führen ihn geschwächt zum Endstich.»

3. Feuer auf allen Kanälen: Hillary Clinton und Vize-Kandidat Tim Kaine verbreiten die Anti-Trump-Botschaft auf ihren Wahlkampfanlässen und einer TV-Kampagne, die rund 100 Millionen Dollar kosten wird. An ihrer Seite kämpfen hochrangige Politiker wie Präsident Obama, der Trump am Dienstag offen als «unfit» bezeichnete. Auch eine überwältigende Mehrheit der Medien steht hinter Clinton.

Die Strategie von Donald Trump

Der «Underdog» Trump hat im Kampf um Elektorenstimmen einen schwierigeren Weg vor sich. Auch er muss Dreierlei vollbringen.

1. Konzentration auf Schlüsselstaaten: Trumps Strategie strebt Siege in den drei «Wackelstaaten» Florida, Pennsylvania und Ohio an. Zusammen mit den Gliedstaaten, die Mitt Romney 2012 für sich entschied, könnten dann die Elektorenstimmen knapp reichen. Die «New York Times» beurteilt diesen Pfade zum Sieg als knapp begehbar.

2. Kritik an Hillary, Wirtschaftsgang und Aussenpolitik: Wohlmeinende Politfreunde und Kommentatoren versuchen Trump einzuhämmern, er solle sich auf die Themen Clinton, Wirtschaftsflaute und Terrorgefahr konzentrieren. Stattdessen begibt sich Trump auf gefährliche Nebengleise oder spricht in verletztem Stolz über sich selbst. Die letzten zwei Wochen seien «sehr selbstzerstörerisch» gewesen, sagt Ex-Speaker Newt Gingrich. Trump «performt noch nicht auf dem Level, das nötig wäre.»

3. Einsatz von Bundesgenossen und Werbung: Wie jeder Kandidat bräuchte Trump die Schützenhilfe anderer Politiker seiner Partei. Doch er vertiefte die Entfremdung zu wichtigen Republikanern, als er am Dienstag Paul Ryan, John McCain und Kelly Ayotte die Unterstützung in ihren jeweiligen Primärwahlen verweigerte. Auch hat die Trump-Kampagne nicht einmal TV-Werbung im Wert von einer Million Dollar reserviert. Trump, sagte Gingrich, «muss innehalten und wirklich neue Lektionen lernen.»

Für Voraussagen über das Endergebnis ist es immer noch früh. Im September könnte sich die Lage klären, schreibt die «New York Times»: «Kein moderner Kandidat, der ein paar Wochen nach den Parteikongressen in Umfragen zurückliegt, hat je eine Mehrheit von Wählerstimmen erhalten.»

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