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Zu früh gefreutDie Siegerin, die keine war

Kuriose Szene bei Olympia: Die niederländische Velorennfahrerin Annemiek van Vleuten freut sich im Ziel, als wäre sie gerade Olympiasiegerin geworden. Sie hatte nicht mitbekommen, dass die Österreicherin Anna Kiesenhofer schon Minuten vor ihr das Ziel erreicht hatte.

von
Reto Heimann

Darum gehts

  • Die österreichische Radrennfahrerin Anna Kiesenhofer holte am Sonntag überlegen Olympiagold.

  • Ihre niederländische Konkurrentin Annemiek van Vleuten bekam davon nichts mit: Sie freute sich im Ziel, als hätte sie gerade Gold gewonnen.

  • «Ich lag falsch», so van Vleuten im anschliessenden Interview zerknirscht.

Sie reckt die Arme in die Höhe und schreit ihre Freude in den Himmel von Tokio heraus: Als die niederländische Radrennfahrerin Annemiek van Vleuten am Sonntag die Ziellinie des olympischen Strassenrennens überquerte, hätte man als Zuschauer den Eindruck gewinnen können, die Niederländerin habe gerade Gold gewonnen.

Tatsächlich war van Vleuten auch überzeugt davon, soeben Olympiasiegerin geworden zu sein. Sie hatte nicht mitbekommen, dass die Österreicherin Anna Kiesenhofer die Ziellinie schon vor ihr überquert hatte – mit über einer Minute Vorsprung. «Sie freut sich über die Silbermedaille gleich wie über die Goldene», sagte der Kommentator des österreichischen Fernsehens leicht belustigt (siehe Video oben).

«Dachte, ich hätte Gold»

Wenige Augenblicke nach ihrem frenetischen Jubel sah van Vleuten ihren Irrtum ein. «Ich dachte, ich hätte Gold», erklärte die 38-Jährige im Interview. «Ich lag falsch.» Wie aber kann das einer Profi-Velofahrerin passieren?

Die Antwort liegt an den an Olympischen Sommerspielen unterschiedlichen Regeln im Vergleich zu sonstigen Strassenrennen. So fahren sie an den Olympischen Spielen in Tokio ohne Knopf im Ohr, können also während der Fahrt nicht mit ihrem Team kommunizieren. Dementsprechend kann es vorkommen, dass Fahrerinnen zu einem gewissen Zeitpunkt im Rennen den Überblick verlieren – so wie das van Vleuten nun passiert ist.

Der Triumph von Anna Kiesenhofer gilt als Olympia-Märchen. Die 30-jährige Österreicherin riss 40 Kilometer vor dem Ziel aus und niemand konnte mit ihr mithalten. Kiesenhofer fuhr überlegen zu Gold. Das Aussergewöhnliche daran: Kiesenhofer ist im Gegensatz zu den meisten ihrer Konkurrentinnen keine Profi-Radrennfahrerin, sondern promovierte Mathematikerin. 2016 machte sie an der Universitat Politècnica de Catalunya ihren Doktortitel, seit 2017 ist sie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (EPFL) in Lausanne angestellt. Für diesen Job hatte Kiesenhofer sogar einst einen Profi-Vertrag ausgeschlagen.

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