SMS statt Sirene für Gehörlose: Die Sirenen heulten – aber nicht alle hörten sie

Aktualisiert

SMS statt Sirene für GehörloseDie Sirenen heulten – aber nicht alle hörten sie

Am Mittwoch um 13.30 Uhr fand in der ganzen Schweiz der alljährliche Sirenentest statt. 98 von 100 Sirenen funktionierten einwandfrei. Die Gehörlosen fühlen sich allerdings ausgeschlossen.

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ij

Mit diesem Video informiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz über den alljährlichen Sirenentest. (Quelle: YouTube / Bundesamt für Bevölkerungsschutz)

Beim alljährlichen Sirenentest haben am Mittwoch 98 von 100 Sirenen einwandfrei funktioniert – eine positive Bilanz für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS). Trotzdem gibt es Kritik: Die Gehörlosen fühlen sich ausgeschlossen und fordern die baldige Einführung einer SMS-Alarmierung.

«Im Notfall riskieren gehörlose Menschen ihr Leben, weil sie von Informationen ausgeschlossen werden», teilte der Schweizerische Gehörlosenbund (SGB) mit.

Stein des Anstosses ist das Versprechen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS), wonach nach der Testphase des «Alertswiss»-Apps vom vergangenen Jahr eine automatische SMS-Alarmierung folgen werde. «Bisher hat sich aber noch nichts getan», schreibt der SGB.

Lösbarer Berg von Problemen

Der Dienst «Alertswiss», welcher Notfall-Informationen online verbreitet, funktioniere zwar, und dessen geplante Einführung im Jahr 2017 werde begrüsst. Das Recht von gehörlosen Menschen auf vollen und gleichberechtigten Zugang im Sinne der UNO-Konvention sei aber erst dann erreicht, wenn sie in Notfallsituationen automatisch alarmiert würden, ohne selber aktiv werden zu müssen – mit einem SMS-Dienst eben.

Gemäss BABS-Sprecher Kurt Münger nehme man das Anliegen ernst, wie er der Nachrichtenagentur sda sagte: «Bei der SMS-Alarmierung handelt es sich um ein wichtiges Instrument.» Dieses sei momentan in Planung. Technische, juristische und finanzielle Probleme müssten aber noch bewältigt werden.

Die Schweizer Sirenen funktionieren gut

Eine Premiere beim diesjährigen Test war, dass die etwa 5000 fest montierten Sirenen über ein einheitliches System gesteuert wurden Die Bilanz des BABS ist positiv: Nur bei insgesamt 81 der rund 5000 fix installierten Sirenen seien Fehler festgestellt worden. Diese würden nun von den Kantonen und Gemeinden umgehend behoben, schrieb das BABS in einer Mitteilung vom Mittwochabend. Insgesamt bleibe die rasche Alarmierung der Bevölkerung bei einer Katastrophe sichergestellt.

Dank eines neuen Systems waren die gesamtschweizerischen Testergebnisse bereits nach wenigen Stunden bekannt. Die Migration auf das neue System hat laut dem Bundesamt einwandfrei funktioniert.

Zwei verschiedene Alarme

Getestet werden am frühen Mittwochnachmittag der Allgemeine Alarm und der Wasseralarm. Um 13.30 Uhr ertönte eine Minute lang der Allgemeine Alarm. Es ist ein auf- und absteigender Heulton.

Ab 14.15 Uhr und bis spätestens 15 Uhr war der Wasseralarm an der Reihe. Er besteht aus zwölf tiefen Dauertönen, die je zwanzig Sekunden dauern und in Abständen von je zehn Sekunden zu hören sind. Wasseralarmanlagen gibt es in den Nahzonen unterhalb von Stauanlagen.

Insgesamt gibt es in der Schweiz rund 7800 stationäre und mobile Sirenen. Handelt es sich nicht um einen Test, ist die Bevölkerung im Falle eines Alarms angehalten, Radio zu hören, die Anweisungen der Behörden zu befolgen und die Nachbarn zu informieren. (ij/sda)

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