Skilift-Arbeiter: «Die Skigebiete müssen geschlossen werden»

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Skilift-Arbeiter«Die Skigebiete müssen geschlossen werden»

Skilift-Arbeiter Marco Eberhard berichtet von Gedränge und zahlreichen Verstössen gegen die Maskenpflicht an seinem Lift in Bergün. Der Saisonier fordert, dass die Skigebiete geschlossen werden.

von
Joel Probst
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Skilift-Arbeiter Marco Eberhard hat genug vom Chaos an seinem Lift. Er fordert: «Die Skigebiete müssen geschlossen werden.»

Skilift-Arbeiter Marco Eberhard hat genug vom Chaos an seinem Lift. Er fordert: «Die Skigebiete müssen geschlossen werden.»

Privat
So sieht es an der Talstation in Bergün aus. «Vor dem Lift hat es riesige Schlangen, kein Mensch hält Abstand und höchstens jeder Dritte trägt Maske», sagt der Saisonarbeiter.

So sieht es an der Talstation in Bergün aus. «Vor dem Lift hat es riesige Schlangen, kein Mensch hält Abstand und höchstens jeder Dritte trägt Maske», sagt der Saisonarbeiter.

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Dass Eberhard bei einer Skigebiets-Schliessung seinen Job los wäre, stört ihn nicht: «Ich finde schon wieder Arbeit, ich kann bauern, schlossern und reparieren.»

Dass Eberhard bei einer Skigebiets-Schliessung seinen Job los wäre, stört ihn nicht: «Ich finde schon wieder Arbeit, ich kann bauern, schlossern und reparieren.»

Symbolbild: Tamedia AG

Darum gehts

  • Skilift-Arbeiter Marco Eberhard berichtet von Gedränge und zahlreichen Verstössen gegen die Maskenpflicht an seinem Lift in Bergün.

  • Er sagt: «Bergün hat das Potential, für einen riesigen Corona-Ausbruch zu sorgen.»

  • Der Saisonier fordert deshalb: «Die Skigebiete müssen geschlossen werden.»

Der Skilift-Angestellte Marco Eberhard ist frustriert. Schon seit drei Jahren hält er in der Wintersaison den Sessellift in Bergün am Laufen. «Aber was ich jetzt erlebe, lässt mich an der Menschheit zweifeln», sagt der Saisonarbeiter. Denn die Wintersportler verhielten sich trotz eines Riesenansturms, als ob das Coronavirus im Albulatal nicht existiere.

Ständig müsse er Schlittler und Skifahrer ermahnen, sich ans Schutzkonzept zu halten, so der Skilift-Angestellte: «Vor dem Lift hat es riesige Schlangen, kein Mensch hält Abstand und höchstens jeder Dritte trägt Maske.» Für den Saisonarbeiter ist das nervenaufreibend: «Am Tag muss ich sicher tausendmal Leute auffordern, eine Maske anzuziehen. Das macht keinen Spass.»

«Habe den Lift abgestellt»

Am vergangenen Samstag reichte es dem Skilift-Arbeiter: Wieder habe Gedränge geherrscht, wieder habe kaum jemand seine Maske getragen. «Alle Ermahnungen nützen nichts. Da habe ich den Lift abgestellt und gesagt, wenn ihr jetzt keine Masken anzieht, lasse ich euch nicht hoch.» Erst das habe Wirkung gezeigt.

Aber nicht nur am Lift, sondern auch im Dorf herrsche Chaos, sagt Eberhard. «Die Strassen von Bergün sind proppenvoll mit Menschen und kaum jemand trägt Maske.» Was noch dazu komme: «Die Gäste stammen aus ganz Europa. Wir haben Engländer, Russen, Italiener und Schweizer auf einem Haufen.» Der Saisonarbeiter warnt: «Bergün hat das Potential, für einen riesigen Corona-Ausbruch zu sorgen.»

«Schutzkonzepte sind nur Imagepflege»

Für Eberhard ist klar, dass sich die Wintersportler nicht an die Schutzkonzepte halten: «Die Konzepte sind nur zur Imagepflege da, damit man die Skilifte offen lässt.» Der Saisonarbeiter betont, er wolle die Skigebiete auf keinen Fall kaputt machen. Trotzdem: «Die Skigebiete müssen geschlossen werden.» Es sei fahrlässig, dass die Behörden dieses Treiben zuliessen.

Dass sich der Skilift-Angestellte, der im Stundenlohn angestellt ist, dann einen neuen Job für die Wintersaison suchen müsste, findet er halb so schlimm: «Ich finde schon wieder Arbeit», sagt Eberhard. Es suche immer jemand nach Hilfe. «Und ich kann bauern, schlossern und reparieren.»

Schlittenverleih wird überrannt

Auch die Angestellte eines Schlittelverleihs in Bergün berichtet von unhaltbaren Zuständen im Dorf. «Der grösste Teil der Wintersportler will in der Freizeit keine Maske tragen», berichtet sie. Die Schlittler tragen weder Maske noch hielten sie Abstand: «Fordert man sie zum Maskentragen auf, ziehen sie höchstens ihren Schal über die Nase.» Oft werde sie beschimpft, wenn sie Touristen im Geschäft ermahne.

Für die Mitarbeiterin ist offensichtlich, was nötig ist, damit sich die Wintersportler an die Regeln halten: «Es braucht Kontrollen und Strafen, wenn man sich nicht an die Corona-Massnahmen hält.» Sie selber hat es aufgegeben, die Maskenpflicht durchzuzusetzen: «Ich habe diese boshaften Auseinandersetzungen satt.»

«Haben Besucherströme gut lenken können»

Laut Marc-Andrea Barandun, Geschäftsführer von Bergün-Filisur-Tourismus, hat man die Besucherströme in den vergangenen Tagen hingegen «gut lenken können». Das Schutzkonzept der Gemeinde Bergün-Filisur sehe etwa eine Maskentragepflicht in Bergün vor, die von einer private Sicherheitsfirma und auch in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Graubünden durchgesetzt werde.

Barandun nimmt die Wintersportler in die Pflicht: «Mit allen organisierten Schutzmassnahmen und deren Kontrolle kommt es am Ende auch auf unserer Gäste an.» Grösstenteils könne er den Gästen allerdings ein Kompliment aussprechen, so der Tourismusdirektor. Trotzdem: «Die getroffenen Massnahmen werden regelmässig überprüft, an einigen Stellen wurden bereits Verbesserungen umgesetzt. Auch wir lernen jeden Tag dazu.»

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Hier findest du Hilfe:

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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