Aktualisiert 11.06.2015 21:00

Britischer Ballermann

«Die sollen mich doch büssen, ist mir egal»

Mallorca will Saufgelage verbieten. Doch davon lassen sich die jungen britischen Touristen nicht beeindrucken.

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Seit dem 9. Juni 2015 sollten in Magaluf neue, strengere Benimmregeln gelten. Schon am nächsten Tag ist klar: Das Projekt scheiterte. Denn die jungen britischen Touristen lassen sich davon nicht beeindrucken.

Seit dem 9. Juni 2015 sollten in Magaluf neue, strengere Benimmregeln gelten. Schon am nächsten Tag ist klar: Das Projekt scheiterte. Denn die jungen britischen Touristen lassen sich davon nicht beeindrucken.

Screenshot Huffington Post
Bilder vom 10. Juni: So reagieren die Briten auf die neue Regelung. «Sollen sie mich bestrafen, ist mir doch egal!»

Bilder vom 10. Juni: So reagieren die Briten auf die neue Regelung. «Sollen sie mich bestrafen, ist mir doch egal!»

Joan Llado
Betrunkene Touristen liegen auf der Strasse - nichts scheint sich geändert zu haben.

Betrunkene Touristen liegen auf der Strasse - nichts scheint sich geändert zu haben.

Joan Llado

Seit Dienstag sollen die neuen Benimmregeln auf Mallorca auch für Magaluf gelten. Doch die erhoffte Wirkung blieb zunächst aus: Schon am Mittwoch fiel eine 21-jährige Frau vom Balkon ihres Hotels. Die Britin brach sich Hüfte, Arm und Nase und erlitt schwere Kopfverletzungen, als sie beim sogenannten Balconing aus fast fünf Metern in die Tiefe stürzte.

Offenbar halten die jungen Briten nichts von den neuen Regeln. Dabei sind diese klar: Zwischen 22 und 8 Uhr darf man im Freien keinen Alkohol trinken. Der Verkauf alkoholischer Getränke nach Mitternacht ist ebenfalls verboten. Ausserdem sind Balconing, öffentliches Urinieren, Defäkieren oder Spucken und das Tragen von Badekleidung in der Innenstadt untersagt. Wer sich nicht daran hält, muss mit Bussen von bis zu 1500 Franken rechnen.

«Hier ist nichts verboten»

«Mir egal, die sollen mich doch büssen, wenn sie wollen», sagte Hannah MacDonald, eine 19-jährige Krankenschwester aus Schottland, zur Zeitung «El Mundo». Auch die Betriebswirtschaftsstudentin Mary aus Leicester lachte nur, als sie vom Verbot hörte: «Was? Hier ist nichts verboten! Wir kommen hierher, um uns vollzuladen, und niemand wird uns daran hindern.»

Tatsächlich hat sich in den ersten Nächten auf den Strassen um die Partymeile Punta Ballena in Magaluf kaum was verändert. Zwar hängen an einigen Bars Schilder mit der Aufschrift «Alkohol auf der Strasse verboten», doch die Touristen spazierten auch nach Mitternacht fast ausnahmslos mit Bierbechern und hochprozentigen Getränken durch die Gegend.

Die Zeitung «La Razón» titelte: «Alles beim Alten in Magaluf». Auch britische Medien wie «The Guardian» oder das Portal «Huffington Post» stellten fest, dass es zu «krassen Szenen in Magalufs Touristengegend» gekommen sei.

Bericht eines TV-Teams in Mallorca: Alles ist noch immer gleich und die Polizei schaut nur zu. (Video: YouTube/IB3 TELEVISIÓ)

«Das ist die Hölle»

Für die Anwohner ist die Situation seit vielen Jahren unerträglich. «Das ist hier die Hölle, nicht erst seit gestern, und das wird auch leider so bleiben», sagte der Rentner Josete der Deutschen Presse-Agentur. «Schon die Eltern dieser Touristen hatten hier auf den Putz gehauen, nur gab es damals kein Internet und keine Videos.»

Geteilter Meinung sind die Barbesitzer. Einige klagten, Magaluf sei zu einem «kleinen Polizeistaat» geworden. Falls die Behörden Ernst machten, würde die 4000-Seelen-Gemeinde ihre einzige Einnahmequelle verlieren und «sterben», glaubt einer. Ein anderer nimmts gelassen: «Was ist so schlimm daran, wenn die jungen Leute saufen?»

«Kein Wunder, flippen die Kids aus»

Der Besitzer einer irischen Kneipe glaubt, dass die Polizei mit der Situation überfordert sei. Die Beamten könnten niemals allen Feiernden die Becher aus den Händen reissen. Vielmehr müssten die Barbesitzer umdenken: «In manchen Bars darf man eine Stunde lang für fünf Euro alles trinken, was man schafft», sagte der Ire. «Kein Wunder, dass die Kids ausflippen, auf die Strassen pinkeln, Sex haben und sich dann auch noch gegenseitig die Köpfe einschlagen.»

Die spanischen Behörden wollen in einer ersten Phase nur Verwarnungen geben, sagte der Bürgermeister von Calvià, Jaime Mora. Schliesslich sei es «nicht das Ziel, mit Bussen das grosse Geld zu machen, sondern gewisse Verhaltensweisen zu ändern».

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