18.06.2016 18:48

Radio-Rotation

«Die Songs gehen mir auf den Senkel»

«Läuft im Radio wirklich immer das Gleiche?», fragte 20 Minuten. Die Leser sagen klar: Ja, die Schweizer Sender müssen über die Bücher.

von
Neil Werndli
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«Die Leute hören immer das Gleiche am Radio, weil sie offenbar immer das Gleiche hören wollen», sagt Andy Studer von Energy Zürich. Um die Rotation zusammenzustellen, arbeitet er mit Ergebnissen der Marktforschung.

«Die Leute hören immer das Gleiche am Radio, weil sie offenbar immer das Gleiche hören wollen», sagt Andy Studer von Energy Zürich. Um die Rotation zusammenzustellen, arbeitet er mit Ergebnissen der Marktforschung.

Keystone/Alessandro Della Bella
Die meisten kommerziell orientierten Radios arbeiten mit Marktforschungsinstituten. Diese spielen potenziellen Hörern Musik vor und fragen sie nach ihrer Meinung. Die Songs, die am besten abschneiden, landen meist in den hohen Rotationen.

Die meisten kommerziell orientierten Radios arbeiten mit Marktforschungsinstituten. Diese spielen potenziellen Hörern Musik vor und fragen sie nach ihrer Meinung. Die Songs, die am besten abschneiden, landen meist in den hohen Rotationen.

Matt Sayles
Martin Oesch, Programmleiter des drittgrössten Schweizer Privatradios FM1, sieht noch einen weiteren Grund als die hohe Rotationsfrequenz: «Es gibt immer wieder Phasen, in denen viele Songs ähnlich klingen - im Moment wäre das die ganze DJ-Geschichte.»

Martin Oesch, Programmleiter des drittgrössten Schweizer Privatradios FM1, sieht noch einen weiteren Grund als die hohe Rotationsfrequenz: «Es gibt immer wieder Phasen, in denen viele Songs ähnlich klingen - im Moment wäre das die ganze DJ-Geschichte.»

epa/Jason Szenes

Die 20-Minuten-Leser sind sich einig. 87 Prozent sagen in einer Umfrage mit 4879 Teilnehmern: Ja, die Rotation von Schweizer Privatradios ist viel zu hoch. Das Musikprogramm fühle sich oft an, als würden Energy, FM1, Radio 24, Radio 32 und Konsorten immer nur die gleichen Songs spielen.

«Das ist definitiv so», schreibt «Dirt Rider» in den Kommentaren. «Zum Teil hört man gewisse Songs bis zu sechsmal am Tag. Da rege ich mich schon lange darüber auf.» Er ist längst nicht der Einzige, der mehr Abwechslung in den Playlists von Privatradios fordert.

«Zu ängstlich, um innovativ zu werden»

«Die Leute hören immer das Gleiche im Radio, weil sie offenbar immer das Gleiche hören wollen», sagt Andy Studer, Leiter der Energy-Musikredaktion und beruft sich dabei auf die Marktforschung, die der Sender betreibt. Vielleicht sollte Energy die Ergebnisse der Befragung kritischer hinterfragen, findet 20-Minuten-Leser «ein musiker»: «Deren Marktforschung ist einfach unzureichend. Die Radiostationen engen sich immer mehr ein, weil sie davon ausgehen, dass andere Stile die Hörer vertreiben», schreibt er. «Oder sie sind ganz einfach zu ängstlich, um innovativ zu werden.»

«René Gruber» spekuliert in den Kommentaren, dass es sich um eine klassische «Was war zuerst – Huhn oder Ei?»-Situation handeln könnte: «Die Radios argumentieren, sie würden das spielen, was die Hörer hören wollen», schreibt er. «Ich entgegne dem: Die Hörer wollen das hören, weil es ständig gespielt wird.»

Wieder andere sehen die Schuld für das monotone Programm bei der Marktmacht der drei grossen Majorlabels: «Es wird abgespielt, was Sony, Universal und Warner vorschreiben. Alles andere hat keine Chance», behauptet «Felix».

«Keine Chance, etwas daran zu ändern»

«Spion 81» hat laut eigener Aussage bereits selbst bei einem Radiosender nachgefragt, warum das Programm nicht abwechslungsreicher sei. «Ich bekam als Antwort, dass sie das Programm für Leute konzipieren, die maximal zwei Stunden am Tag hören.»

Viele Privatsender richten sich tatsächlich nach einer durchschnittlichen Hördauer, die ebenfalls in der Marktforschung eruiert wird. Darunter leiden müssen dafür diejenigen, die den ganzen Tag beschallt werden: «Die meisten hören Radio am Arbeitsplatz, ohne eine Chance, daran etwas ändern zu können», erklärt etwa «MarcDaten».

«Zum Glück gibt es Kopfhörer»

«Wer massentaugliches Radio hört, muss sich damit abfinden», schreibt «michi b.». Viele Leser geben auch gleich Vorschläge zu alternativen Radiostationen. «Die jungen Leute vom Radio 3fach spielen zwar krasse, alternative Songs – aber es sind nicht immer die gleichen und man erweitert den Musikhorizont», schreibt «3fachhörer». Andere empfehlen Radio RaBe, Kanal K oder Spezialsendungen bei SRF: «Es ist [mit den Privatradios, Anm. d. Red.] nicht auszuhalten. Deshalb liebe ich ‹Sounds› von SRF3 am Abend.»

Ein Grossteil hat den klassischen Sendern allerdings längst den Rücken gedreht – sie hören Internetradios oder Stationen aus dem Ausland. Oder aber gleich die eigene Playlist, wie «Ben N.»: «Zum Glück gibt es Kopfhörer», schreibt er. «Diese immer gleichen Songs gehen mir auf den Senkel.»

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