«Rötungen bis Blasen»: Die Sonne wird immer aggressiver

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«Rötungen bis Blasen»Die Sonne wird immer aggressiver

Hautexperten warnen davor, sich bei schönem Wetter einzig auf Sonnencreme zu verlassen. Denn so viel, wie es für einen effektiven Schutz bräuchte, trägt kaum jemand auf.

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vro
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Wer sich in der Sonne aufhält, muss bereits im Frühling auf Sonnenschutz achten. Denn die Strahlung ist laut dem Dermatologen Felix Bertram im Vergleich zu vergangenen Jahren früher intensiv.

Wer sich in der Sonne aufhält, muss bereits im Frühling auf Sonnenschutz achten. Denn die Strahlung ist laut dem Dermatologen Felix Bertram im Vergleich zu vergangenen Jahren früher intensiv.

Gabriele Putzu
Das ist gefährlich: Selbst ohne Sonnenbrand kann das Hautkrebsrisiko steigen und die Haut altert schneller.

Das ist gefährlich: Selbst ohne Sonnenbrand kann das Hautkrebsrisiko steigen und die Haut altert schneller.

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Schon nach kurzer Zeit kann sich ohne Schutz ein Sonnenbrand entwickeln.

Schon nach kurzer Zeit kann sich ohne Schutz ein Sonnenbrand entwickeln.

Keystone/Heike Pietsch

Die Hitzewelle der vergangenen Woche hat besonders viele Schweizer ins Freie und ans Wasser gezogen. Doch gerade jetzt ist die Sonne besonders aggressiv. «In den letzten beiden Wochen haben sich bei uns die Anrufe von Patienten mit mittlerem bis schwerem Sonnenbrand spürbar gehäuft», sagt Dermatologe Felix Bertram von der Klinik Skinmed AG . «Das geht von einer sehr starken Rötung bis zum Übergang zu Blasen.»

Zwar hätten einige dieser Patienten tatsächlich vergessen, sich einzucremen. Andere aber haben die Strahlung unterschätzt. «Die Sonne ist in den letzten Jahren bereits im Frühling sehr aggressiv geworden», so Bertram. Das überrasche viele. Ausserdem würden einige einen zu tiefen Lichtschutzfaktor verwenden, weil sie braun werden möchten.

Kleidung und Schatten vor der Creme

Laut Bertram kann es bereits nach zwei Stunden an der Sonne zu einer Blasenbildung kommen. Das Problem: Viele verliessen sich grösstenteils allein auf den Schutz der Sonnencreme. Das sei ein folgenschwerer Fehler. Denn: «Die meisten Menschen tragen nur etwa die Hälfte der Menge auf, mit der die jeweiligen Produkte getestet wurden», sagt Bertram. Die Hersteller gingen von 2 Milligramm Creme pro Quadratzentimeter des Körpers aus. Korrekt wäre also, eine richtig dicke Schicht aufzutragen.

Hinzu komme, dass eine Sonnencreme als wasserfest deklariert werden dürfe, solange 50 Prozent der Creme am Körper haften bleibe. Der Schutz beträgt nach einem Bad im Wasser also oft gerade einmal ein Viertel von dem, womit die Hersteller testen. Sich allein auf die Sonnencreme zu verlassen, sei deshalb falsch. Auf der Prioritätenliste des Sonnenschutzes würden bedeckende Kleidung und Schatten noch vor der Sonnencreme stehen.

Alle 30 Minuten neu auftragen

In der Dermatologischen Klinik des Unispitals Zürich haben die Fälle von schweren Sonnenbränden zwar nicht spürbar zugenommen, doch auch Leiter Thomas Kündig ist aufgefallen, dass «häufig viel zu wenig Sonnencreme» verwendet wird. Würde ein Durchschnittsmensch tatsächlich 2mg/cm2 an Creme auftragen, bräuchte er für den ganzen Körper 36 Gramm. «Das macht niemand», so Kündig. Und je weniger Creme verwendet wird, desto tiefer sinkt der Lichtschutzfaktor. Kündig rät deshalb allen Patienten zu einer Sonnencreme mit dem Faktor 50+.

Die Krebsliga warnt in einem Merkblatt ebenfalls: «Auch Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor sind kein Freipass für einen unbeschränkten Aufenthalt in der Sonne.» Sprecherin Flavia Nicolai bestätigt: «Der beste Schutz sind der Schatten und schützende Kleider.» Sie vermutet zudem, dass viele Personen sich pro Tag oder pro Aufenthalt in der Sonne oft nur einmal eincremen – teils geht das erneute Eincremen vergessen oder man möchte teure Sonnencreme sparen. Es sei jedoch wichtig, Sonnencreme ausreichend, grossflächig und immer wieder neu aufzutragen – auch wenn man sich im Schatten aufhalte.

Haut reagiert erst Stunden später

Die Krebsliga beginnt mit ihren Sensibilisierungskampagnen ebenfalls früher als noch vor ein paar Jahren. «Die Frühlingssonne ist sehr aggressiv», so Nicolai. Oft werde ein Sonnenbrand spät erkannt, weil er weder sicht- und noch spürbar sei und die Haut erst nach ein paar Stunden reagiere. Es sei deshalb wichtig, auch jene Stellen immer wieder einzucremen, die schnell vergessen gingen. Dazu zählen unter anderem Schläfen, Stirn, Nase, Hals und Nacken.

So schützt man sich richtig

Laut der Krebsliga erkranken jährlich rund 2500 Menschen in der Schweiz an schwarzem Hautkrebs. Rund 310 Personen sterben daran. Um Hautkrebs zu vermeiden, empfehlen sowohl die Krebsliga wie auch Dermatologe Bertram, sich gerade während der Mittagszeit im Schatten aufzuhalten. Dabei sollte man sich allerdings vor indirekter Strahlung durch reflektierende Flächen wie etwa Sand, Beton und Schnee in Acht nehmen. Schützende Kleidung wird ebenfalls von beiden empfohlen. Dazu zählt auch eine Sonnenbrille mit CE-Zeichen und 100-prozentigem UV-Schutz, da durch die Sonnenstrahlung auch die Augen geschädigt werden könnten. Die Kleidung sollte laut der Krebsliga die Schultern abdecken. Ein Hut mit breiter Krempe kann zudem Nase, Stirn, Ohren und Nacken vor einem Sonnenbrand schützen.

Die Quittung kommt erst später

Grundsätzlich gilt: Jeder Sonnenbrand ist einer zu viel. Kurzfristig fühlt er sich unangenehm an, die langfristigen Schäden sind jedoch viel weitreichender. So könne sich Hautkrebs auch erst nach 15 bis 20 Jahren entwickeln, sagt Bertram. Zudem altert die Haut schneller. Dazu ist nicht einmal ein wirklicher Sonnenbrand nötig. «Der Körper speichert jede starke UV-Belastung. Er ist wie ein Konto und vergisst nichts. Irgendwann ist das Mass voll.» Wer trotzdem einmal einen Sonnenbrand erwischt hat, dem empfiehlt der Dermatologe eine leichte und kühlende Feuchtigkeitscreme. Stärkere Verbrennungen können mit Schwarztee-Umschlägen oder Quarkwickel behandelt werden.

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