Aktualisiert 24.07.2011 18:30

Würdiger SiegerDie späte Krönung einer Karriere

Endlich steht Cadel Evans am Ende der Tour de France ganz oben auf dem Treppchen. Nach zwei zweiten Plätzen holt er den ersten Toursieg für sich und sein Heimatland.

von
fbu

Nach seinem überzeugenden Auftritt im Einzelzeitfahren ist Cadel Evans als Gesamtsieger der Tour de France in Paris eingefahren. Zweimal hat der 34-Jährige die Rundfahrt als Zweiter beendet. Nun hat er seiner Karriere mit dem Toursieg die Krönung verliehen.

Vom Mountainbike aufs Rennrad

Seine Radsportkarriere begann er als Mountainbiker in seiner Heimat Australien. An den Olympischen Spielen im Jahr 2000 wurde er in dieser Disziplin sogar Siebter. 2001 wechselte der Australier endgültig auf die Strasse. Nach zwei Jahren bei unterschiedlichen Teams, wechselte der heutige Toursieger zum T-Mobile Team. Die Zeit bei der deutschen Equipe war aber nicht einfach. Aufgrund von drei Schlüsselbeinbrüchen nach Stürzen verpasste er nahezu das komplette Jahr 2003. Im folgenden Jahr wurde er dann von seinem Team nicht für die Tour de France 2004 nominiert.

Deshalb wechselte der damals 28-Jährige 2005 erneut die Mannschaft und liess sich den Start an der Frankreich-Rundfahrt im Vertrag zusichern. Als Teil des Teams Silence-Lotto startete der Australier in diesem Jahr endlich an der Tour, die er schon immer einmal gewinnen wollte. Er beendete sie auf dem achten Schlussrang. Im Jahr darauf war er bereits Vierter.

Der ewige Zweite

Dann kamen die Jahre der zweiten Plätze. Sowohl 2007 als auch 2008 wurde Evans bei der Dauphiné Libéré, dem prestigeträchtigen Vorbereitungsrennen auf die Tour de France, und auch bei der Tour selbst jeweils Zweiter. Insgesamt fehlten dem Australier in diesen zwei Jahren nur 134 Sekunden um alle vier Rundfahrten zu gewinnen.

2009 war für den einstigen Mountainbiker eine Berg- und Talfahrt. Nachdem er an der Tour de France überhaupt nicht in die Gänge kam, beendete er die Rundfahrt auf dem 30. Schlussrang. Kurz nachdem er auch an der Vuelta nicht triumphieren konnte, wurde er dann aber im schweizerischen Mendrisio Weltmeister im Strassenrennen. Ein vorläufiger Höhepunkt seiner Karriere.

Harziger Start bei BMC Racing

Seit 2010 fährt der Australier nun für das BMC Racing Team. Das erste Jahr beim neuen Team brachte Evans aber wenig Glück. Er wollte den Giro d'Italia gewinnen, erkrankte aber bei der Hälfte der Rundfahrt und wurde am Ende nur Fünfter. An der Tour de France brach er sich bei einem Sturz in der ersten Etappe den Ellenbogen. Trotzdem fuhr er weiter und eroberte sich sogar noch das Gelbe Trikot. Bei den Alpenetappen musste er es allerdings abgeben. In den Bergen konnte er nicht mithalten und belegte am Ende den 26. Rang.

Dieses Jahr hat es für den Pechvogel endlich gereicht. Nach dem Zeitfahren, in welchem er seinem Konkurrenten Andy Schleck 2:31 Minuten abnahm, war der Australier sichtlich bewegt: «In diesem Jahr war ich zum ersten Mal bei der Tour in Topform. Ich habe vor 20 Jahren meine erste Tour im Fernsehen gesehen und mich seither voll dem Radsport gewidmet.» Noch im Ziel erinnerte sich der früher ewige Zweite an seinen im vergangenen Dezember verstorbenen Trainer Aldo Sassi: «Er hat immer gesagt, ich sei Weltmeister geworden und hätte mich zu einem vollständigen Fahrer entwickelt. Ich müsste nur noch eine grosse Rundfahrt gewinnen. Er hat an mich geglaubt und nie an mir gezweifelt.» Wie sich an der diesjährigen Tour gezeigt hat, lag sein Trainer damit goldrichtig.

Cadel Evans:

Geboren: 14. Februar 1977 in Katherine (Au).

Wohnort: Stabio und Barwon Heads (Victoria, Au).

Zivilstand: verheiratet mit Chiara Passerini (It).

Grösse: 1,74m.

Gewicht: 64 kg.

Radprofi seit 2001. Teams:

Saeco (2001), Mapei-Quick Step (2002), Team Telekom (2003/04), Lotto (2005 bis 2009), BMC (seit 2010).

Als Profi 22 Siege. Wichtigste Erfolge:

Gesamtsieg Tour de France (2011, Zweiter 2007 und 2008, 2 Etappensiege 2007/2011), Strassenweltmeister 2009 in Mendrisio, Dritter der Vuelta (2009), Erster Tirreno - Adriatico (2011), Tour de Romandie (2006/2011), Flèche Wallonne (2010). - Mountainbike: Weltcup-Gesamtsieger 1998 und 1999, zwischen 1997 und 2000 acht Weltcupsiege.

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