Männer in Angst: Die Sperma-Jägerinnen von Zimbabwe
Aktualisiert

Männer in AngstDie Sperma-Jägerinnen von Zimbabwe

Mit Drogen, Waffen und lebendigen Schlangen machen schöne Frauen aus Zimbabwe ihre Opfer gefügig und zwingen sie zu Sex. Mit dem gesammelten Sperma wollen sie das grosse Geschäft machen.

von
Simon Beeli
Die drei Afrikanerinnen, die mutmasslich 17 Männer vergewaltigt haben sollen, verlassen am 29. November 2011 in Harare nach einer Anhörung das Gerichtsgebäude.

Die drei Afrikanerinnen, die mutmasslich 17 Männer vergewaltigt haben sollen, verlassen am 29. November 2011 in Harare nach einer Anhörung das Gerichtsgebäude.

Von einer fremden Schönheit angemacht und zu einem Schäferstündchen verführt zu werden, dürfte in so mancher Männerfantasie prominent herumgeistern. Doch von einem angenehm wohligen Tagtraum zu einem real existierenden Albtraum ist es oft nur ein kleiner Schritt. In Zimbabwe zumindest bekommen zurzeit die stärksten Kerle kalte Füsse, wenn sie von unbekannten Damen auf dem Highway angesprochen werden.

Vor allem Tramper leben gefährlich. Lokale Medien berichten, dass eine Gruppe rabiater Frauen Anhalter in ihr Auto zerren, sie mit einer Waffe gefügig machen, ihnen ein stimulierendes Getränk verabreichen und sie dann zum Geschlechtsverkehr zwingen. Das Sperma der Gekidnappten sammeln sie in einem Kondom. Dann werden die noch beduselten Männer aus dem Auto geworfen und auf der Strasse zurückgelassen.

Wie die englische Zeitung «The Telegraph» schreibt, sind bis jetzt mindestens 17 Fälle dieser unglaublichen sexuellen Übergriffe bekannt. Drei Frauen sowie ein Komplize (der Fahrer) wurden verhaftet. Aufgeflogen sind die Damen nach einem Autounfall, als die Polizei im Kofferraum des Wagens ein paar Dutzend gebrauchte Gummis fand – prall gefüllt mit Sperma.

Das grosse Geschäft mit den männlichen Samen

Wozu die Samen gebraucht werden, darüber wird noch spekuliert, doch werden rituelle Zwecke dahinter vermutet. Das Sperma soll Glück bringen, zu Wohlstand führen und sogar helfen, verübte Verbrechen vor dem Gesetzeshüter zu verheimlichen. So ist das Sammeln von Sperma in den letzen Jahren zu einem lukrativen Geschäft geworden. «Das ganze ist nach wie vor ein grosses Mysterium, wir vermuten, dass die Samen für gewisse Rituale verwendet werden», sagt Watch Ruparanganda, Soziologieprofessor an der Universität von Zimbabwe in Harare.

Ruparanganda weiss, dass das Sperma zu einem wertvollen, handelbaren Gut geworden ist. Geschäftsmänner würden Jugendliche von der Strasse in ein Hotelzimmer locken, ihnen neue Kleider geben und sie mit Alkohol abfüllen. Dann dürfen sich die angetrunkenen jungen Männern eine Prostituierte auswählen mit der Aufforderung, den Herren nach dem Sex das gebrauchte Kondom zu überlassen.

Die «Traditional Healers Association», einer in Afrika vernetzten Organisation, die lokale Heilmethoden am Leben erhält und ihr Wissen um jahrtausendealte Traditionen weitergibt, kritisiert die Spermien-Praxis scharf. «Das ist eine Form von Hexerei. Wir sind komplett gegen solche Rituale», sagt Mediensprecher George Kandiyero. «Die Leute sind wirklich verängstigt und geschockt. Normalerweise ist es ja genau umgekehrt. Es sind die Männer, die die Frauen vergewaltigen.»

Kein Gesetz für ein solches Verbrechen

Tatsächlich ist auch die Justiz in Zimbabwe nicht auf einen solchen Fall vorbereitet. Es gibt kein Gesetz, das die Vergewaltigung eines Mannes bestrafen würde. Bis jetzt kam es lediglich zu einer Voruntersuchung, einen Termin für einen Gerichtsprozess gibt es noch nicht. Der Verteidiger der Afrikanerinnen sieht aber noch andere Gründe, warum es bis jetzt nicht zu einem Prozess kam: «Wir glauben, dass sie uns deshalb nicht vor Gericht ziehen, weil sie die falschen Frauen verhaftet haben.» Trotzdem hätte man sie am nationalen Fernsehen bereits als weibliche Vergewaltiger angeprangert, beklagt er sich.

Der Fall hat in der Öffentlichkeit grosses Aufsehen erregt, den jungen Frauen wurde sogar mit dem Tod gedroht. Die Verunsicherung unter den Männern scheint jedenfalls gross. «Natürlich haben wir Angst», sagt ein 26-jähriger Anhalter auf einem Highway südlich von Harare der Nachrichtenagentur AFP, «ich würde nie in ein Auto einsteigen, in dem eine Frau am Steuer sitzt. Nicht einmal, wenn sie alt wäre.»

Am Schluss bleibt die Frage, ob es denn nicht auch andere Möglichkeiten für die Frauen gegeben hätte, an das begehrte Gut heranzukommen. Mit ein wenig Einfallsreichtum, einem Schuss Koketterie und dem im richtigen Moment eingesetzten, lasziven Hüftschwung, hätten sie einen kriminellen Akt wohl umgehen können.

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