Aktualisiert 14.06.2004 14:55

Die Spiele vom Dienstag

Am Dienstag bestreiten die 4 letzten der 16 EM-Teilnehmer ihren ersten Vorrunden-Match: In Porto steht der Klassiker Deutschland - Holland (18.00 Uhr) auf dem Programm, in Aveiro (20.45 Uhr) das Duell zwischen Tschechien und Aussenseiter Lettland.

Seit dem 7. Juli 1974 sind Partien zwischen Deutschland und Holland mehr als nur Länderspiele. Damals schoss Gerd Müller im Münchner Olympiastadion im WM-Final das 2:1, und die deutsche Nationalmannschaft wurde Weltmeister. Die Holländer mit ihrem wunderschön anzusehenden Fussball gingen leer aus. Und seither werden die Duelle zwischen diesen beiden Teams von Häme und teils sogar Hass begleitet.

Die Holländer verfügen auch diesmal über die individuell besseren Spieler. Aber die Vergangenheit lehrt, dass dies nichts besagen muss. «Das Abschneiden unserer Mannschaft», meint Louis van Gaal, inzwischen Sportdirektor bei Ajax Amsterdam, «hängt davon ab, wie sich die einzelnen Persönlichkeiten in den Dienst der Mannschaft stellen.» Diesbezüglich hat Van Gaal aber schwere Zweifel: «Ich glaube, wir erreichen die Halbfinals nicht.» Weniger pessimistisch sieht es Hollands Legende Johan Cruyff, aber auch er warnt: «Man darf nie den Fehler machen und die Deutschen unterschätzen.»

Deutschlands schwache Serie gegen die Grossen

Deutschland hat seit fast vier Jahren gegen die Grossen des Weltfussballs immer nur verloren. Am 7. Oktober 2000 gewannen die Deutschen im Londoner Wembleystadion 1:0 gegen England, doch seither zogen sie acht Mal in Serie geschlagen vom Platz, wenn der Gegner Frankreich, England, Argentinien, Brasilien, Holland, Spanien oder Italien hiess. An der WM 2002 in Asien konnten sie den grossen Nationen aus dem Weg gehen bis zum Final, den sie dann gegen Brasilien 0:2 verloren. Und zuletzt unterlagen sie in Testspielen gar in Rumänien und zuhause gegen Ungarn. Aber in dieser Hinsicht erging es den Holländern nicht besser. Sie kassierten Heim-Niederlagen gegen Belgien und Irland.

Deutschlands Trainer Rudi Völler mochte die definitive Startelf noch nicht bekannt geben, es gilt aber als sicher, dass er mit dem Stuttgarter Kevin Kuranyi nur eine Sturmspitze nominieren wird. Bei den Holländern gab es - das gehört dort offensichtlich dazu -auch diesmal Polemiken um die Besetzung. Trainer Dick Advocaat dürfte mit der Sturmreihe Van der Meyde - Van Nistelrooy - Van der Vaart beginnen lassen. Bayern Münchens Roy Makaay oder Barcelonas Patrick Kluivert droht die Joker-Rolle. Inzwischen zurückgemeldet hat sich Regisseur Clarence Seedorf, der sich schneller als erwartet von seiner Muskelzerrung erholt hat. Sein Einsatz gegen Deutschland in der Startformation scheint aber dennoch unwahrscheinlich.

Lettland - wirklich nur ein Punktelieferant?

In der zweiten Partie des Tages kommt der Underdog schlechthin zu seinem ersten EM-Endrunden-Einsatz überhaupt. Lettland wird vor der Partie gegen Tschechien kaum Kredit eingeräumt. «Für unser Land war es bereits eine Sensation, dass wir uns überhaupt qualifiziert haben», sagte Trainer Alexander Starkovs. Nur: Lettland hat in der Qualifikation immerhin Polen und Ungarn hinter sich gelassen und in der Barrage den WM-Dritten, die Türkei, eliminiert.

Das sollte den Tschechen Warnung genug sein. Sie marschierten zwar souverän durch die EM-Qualifikation, legten eine Serie von 20 Spielen ohne Niederlage hin und rückten zum Geheimfavoriten auf den Titel auf. Doch in den letzten Testspielen kehrte etwas Ernüchterung ein. Niederlagen in Irland und zuhause gegen Japan haben dem EM-Finalisten von 1996 etwas zugesetzt. Pavel Nedved, Europas Fussballer des Jahres, meinte jedenfalls: «Zu den Topfavoriten zählen wir nicht mehr.»

(si)

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