Körpersprache im Fokus: «Die Spieler wirken wie ein Häufchen Elend»
Aktualisiert

Körpersprache im Fokus«Die Spieler wirken wie ein Häufchen Elend»

Die Schweizer Nati gibt sich vor dem Wales-Spiel kämpferisch. Ein Kommunikationsexperte hat für 20 Minuten Online genau hingesehen.

von
Amir Mustedanagic

Wirkte überhaupt nicht ratlos: Ottmar Hitzfeld an der Medienkonferenz vor dem Wales Spiel. <i>(Video: Mathieu Gilliand/Debby Galka)</i>

Zwei Spiele, zwei Niederlagen: Die Ausgangslage für die Schweizer Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Wales ist alles andere als gut. Während der Medienkonferenz vor dem Spiel gaben sich Trainer und Spieler kämpferisch und zuversichtlich. Doch wie viel Glaube steckt tatsächlich in diesen Worten? Übt sich die Mannschaft in Durchhalteparolen? Hat der Trainer wirklich einen Plan oder streut er nur Optimismus? Kommunikationsexperte Beat R. Krättli von der Agentur Metacom hat für 20 Minuten Online die Pressekonferenz verfolgt - und genau hingeschaut.

«Der Glaube ist bei Hitzfeld da, aber auch die Zweifel»

Ottmar Hitzfeld ist ein alter Hase im Fussballgeschäft. Mit dem FC Bayern München hat er auch schon schwierigere Momente erlebt als die aktuelle Situation mit der Schweizer Nati, dennoch ist ihm die Kritik und der Druck anzumerken, sagt Krättli. «Seine Mimik ist verhärtet, der Gesichtsausdruck angespannt. Das sind deutliche Anzeichen, dass er unter Druck steht.» Trotzdem habe er sich der Kritik souverän gestellt: «Er hat den Augenkontakt zu den Presseleuten gesucht, hat teilweise auch selbst kritische Fragen aufgenommen und die Situation nicht beschönigt», so Krättli. Hitzfeld sei authentisch und glaubhaft gewesen.

«Er hat vor allem keine Durchhalteparolen von sich gegeben, wie es zu erwarten wäre, wenn er nicht mehr weiter wüsste.» Gemäss dem Kommunikationsexperten glaubt der Nati-Trainer an einen Sieg – «wenn auch nicht restlos». Das sei vor allem zum Ausdruck gekommen, weil Hitzfeld immer wieder betont von Lockerheit und dem Quäntchen Glück gesprochen habe. Zudem sei er auch betont motivierend gewesen, habe mehrmals erwähnt, dass jeder Spieler sein Vertrauen geniesse und hat versucht, Druck von seinen Spielern zu nehmen. «Für mich sind deshalb Zweifel geblieben, ob er wirklich glaubt, dass es die Mannschaft packt», so Krättli. Hitzfeld sei aber noch lange nicht am Ende seines Lateins: «Er macht keinen paralysierten Eindruck: Er hat einen Plan und an den glaubt er offenbar.»

«Frei spricht von Funke, das Feuer fehlt aber»

Ein weniger positives Bild hat Krättli von einem Teil der Mannschaft erhalten. «Die Spieler sassen alle da wie ein Häufchen Elend», so der Kommunikationsexperte über Stephan Lichtensteiner, Gökhan Inler und Alex Frei. Sie wirkten geknickt, hilflos und hätten sich in Worthülsen geflüchtet. «Alle drei schluckten immer wieder leer, wichen den Blicken der Presseleute aus, schauten ins Leere und pressten die Lippen zusammen, als ob sie nicht wollten, dass etwas herausplatzt», so Krättli.

Vor allem bei Gökhan Inler und Alex Frei sei auch eine inkongruente Kommunikation zu beobachten gewesen. «Der Mund sagte etwas, die Mimik und Gestik verriet aber ganz etwas anderes», so Krättli. So habe Inler von seiner «immer positiven Einstellung» gesprochen, seine Stimme habe aber alles andere als zuversichtlich und selbstsicher gewirkt (siehe Video unten).

«Alex Frei sprach von einem Funken der gegen Wales vom Publikum auf die Spieler überspringen müsste, von Leidenschaft oder dem Feuer aber war keine Spur zu merken.» Der Mund des Captains habe zwar von Leidenschaft und Feuer gesprochen, aber Krättli hält sie für leere Hülsen (siehe Video unten). Den Knackpunkt für das Spiel gegen Wales am Dienstag sieht der Kommunikationsexperte deshalb vor allem bei der Motivation der Spieler. «Hitzfeld hat die richtige Einstellung», sagt Krättli, «aber ob er das Team begeistern und entfesseln kann, das wage ich nach diesem Auftritt der Spieler nicht zu prophezeien.»

Alex Frei an der Medienkonferenz vor dem Wales Spiel:

Gökhan Inler an der Medienkonferenz vor dem Wales Spiel:

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