Fussball und die Milliardäre: Die Spielwiese der Superreichen

Aktualisiert

Fussball und die MilliardäreDie Spielwiese der Superreichen

Europäische Fussball-Ligen verkommen zu Selbstbedienungsläden: Milliardenschwere Investoren reissen sich Klubs unter den Nagel. Einzig die Bundesliga hält dagegen.

von
Eva Tedesco

Fussball mutierte in den letzten Jahren immer mehr zur Spielwiese der Superreichen. In vielen Fällen, wie in Italien, bestehen zum Verein mehr als nur finanzielle Verbindungen. So pflegt die Familie Agnelli seit Jahrzehnten enge Bande zu Juventus Turin und Silvio Berlusconi verdankt einen grossen Teil seiner Bekanntheit dem Engagement beim AC Mailand.

Rein monetäre Beweggründe schienen hingegen den amerikanischen Spekulanten Malcolm Glazer 2005 veranlasst zu haben, Manchester United zu übernehmen. Glazer finanzierte den 1,2 Milliarden teuren Deal zum Teil mit Schulden, die er später dem Klub belastete; ManU musste fortan die Zinsen begleichen.

Wie Heuschrecken fielen zuletzt russische Neureiche über das Fussballbusiness her und versuchen so ihr Image aufzupolieren. Roman Abramowitsch ist wohl der prominenteste Vertreter jener Oligarchen. Während er schon in den heimischen ZSKA Moskau investiert hatte, stieg Abramowitsch 2003 auch beim Premier-League-Topklub Chelsea ein und hat seither mehr als 350 Millionen Euro in das Londoner Team gebuttert. 250 Millionen (seit 1996) steckte der Ukrainer Rinat Achmetov in Schachtjor Donetsk. Wobei die Investitionen des Politikers nur Propagandazwecken dienen, denn Stimmen der Wähler werden in der Ukraine durch Gefälligkeiten gewonnen.

Das neue Spielzeug des Scheichs

Manchester City hingegen ist an einen arabischen Geldhahn angeschlossen: 2008 übernahm die Abu Dhabi United Group von Scheich Mansour Bin Zayed al Nahyan die Anteile des thailändischen Premierministers Thaksin Shinawaatra für über 250 Millionen Euro. Seine neuen Ambitionen hat der Scheich mit der Verpflichtung von Brasil-Star Robinho für 40 Millionen manifestiert.

Aus Doha stammt Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani, der sich 2010 für rund 25 Millionen das gesamte Aktienpaket des FC Málaga gesichert hat und einen ehrgeizigen 5-Jahres-Plan vorantreibt. Bereits in dieser Saison strebt der Katari die Champions League an. Für das Vorhaben hat der Klubbesitzer im Sommer weitere 30 Millionen in neue Spieler (Van Nistelrooy, Toulalan) gesteckt.

Für Aufsehen sorgte auch der argentinische Verband, der seine Nationalmannschaft «verkauft» hat. Der russische Milliardär Viktor Wechselberg übernahm für 20 Millionen Dollar sämtliche Rechte an Freundschaftsspielen der «Albiceleste» - inklusive eines Mitspracherechts bei der Aufstellung.

Tschagajews Einstieg bei Xamax

Immer mehr solcher sportverrückten Auslandsmillionäre drängen in den europäischen Markt und werden so gut wie immer fündig. Denn das Wettrüsten kostet und kaum ein Fussballklub kann heute noch profitabel wirtschaften. Längst hat das Geschäft auch die Super League erreicht. Neben Xamax mit seinem tschetschenischen Besitzer Bulat Tschagajew hat auch Aufsteiger Genf einen ausländischen Investor. Der iranische Unternehmer Majid Pishyar ist CEO der «32 Group», eines Konglomerats reicher Familien aus dem arabischen Raum, und Servette-Besitzer. Sein Vermögen soll in Milliardenhöhe liegen.

Bundesliga will keine Profilneurotiker

Die Bundesliga dagegen zeigt ausländischen Investoren die Rote Karte. Laut Satzung der DFL muss ein Verein 50 Prozent plus 1 Stimme der Anteile an der jeweiligen Profigesellschaft halten. Dieser Passus garantiert den Vereinsoberen die Kontrollmehrheit bei allen wichtigen Entscheidungen – egal, wie viel Kapital ein Investor in den Klub gesteckt hat. Der Anreiz, in einen deutschen Verein Geld zu investieren, aber nicht bestimmen zu können, ist mässig, um nicht zu sagen gleich null. Für Wolfsburg und Bayer Leverkusen gibt es allerdings eine Sonderregelung, weil sie bereits vor dem 1. Januar 1999 20 Jahre lang den Unternehmen Volkswagen bzw. Bayer gehört haben.

Unumstritten ist diese 50+1-Regel nicht. Schneiden deutsche Vereine in der Champions League schlecht ab und machen den Misserfolg am fehlenden Geld für Topeinkäufe fest, kommt es regelmässig zu Debatten. Nachdem Hannover-Boss Martin Kind des Öfteren mit dem Antrag zur Abschaffung gescheitert war, hat er nun Anfang Juli einen Kompromissantrag eingereicht, den Stichtag 1.1.1999 abzuschaffen. Der Chef des gleichnamigen Hörgeräte-Herstellers will eine Möglichkeit schaffen, dass Geldgeber die Mehrheit an einem Klub halten können, wenn sie grundsätzlich mehr als 20 Jahre im Verein aktiv sind.

Eine Entscheidung steht aus und wird wohl frühestens in zwei Monaten fallen. Reinhard Rauball setzt sich vehement für den Erhalt der 50+1-Regel ein. Der deutsche Liga-Boss gab an einer Pressekonferenz deutlich zu verstehen: «Wir wollen keine Profilneurotiker, die sich mit ihrem Geld in der Bundesliga ein Spielzeug zulegen.»

PK angekündigt

Xamax hat für heute um 13 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt. Vermutlich wird dann unter anderem der neue Trainer Joaquin Caparros vorgestellt. 20 Minuten Online ist mit dabei.

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