Times-Square-Anschlag: Die Spur führt nach Pakistan – und Connecticut
Aktualisiert

Times-Square-AnschlagDie Spur führt nach Pakistan – und Connecticut

Stecken doch die Taliban hinter dem Times-Square-Anschlag? Der festgenommene Verdächtige soll letztes Jahr ein Ausbildungslager in Pakistan besucht haben.

von
Peter Blunschi
Das FBI durchsucht Faisal Shahzads letzten Wohnsitz in Bridgeport (Connecticut).

Das FBI durchsucht Faisal Shahzads letzten Wohnsitz in Bridgeport (Connecticut).

Es war eine Verhaftung in letzter Sekunde: Das Emirates-Flugzeug mit Ziel Dubai befand sich am Montag kurz vor Mitternacht bereits auf dem Weg zur Startbahn auf dem Kennedy-Flughafen, als es zum Terminal zurückbeordert wurde. Dort verhaftete die Polizei den 30-jährigen Faisal Shahzad, einen eingebürgerten Amerikaner pakistanischer Herkunft. Er soll geplant haben, in die pakistanische Hauptstadt Islamabad weiterzufliegen.

Ebenfalls festgenommen wurde ein Mann, bei dem es sich laut «New York Times» um einen «Zimmerkollegen» von Shahzad handeln soll. Die beiden seien in einem weissen Isuzu Trooper zum Flughafen gefahren. In dem auf einem Parkplatz abgestellten Fahrzeug habe sich eine Handfeuerwaffe befunden. Damit gerät die ursprüngliche Theorie, der missglückte Anschlag am Times Square sei von einem Einzeltäter verübt worden, in den Hintergrund. Dafür rücken die pakistanischen Taliban in den Fokus der Ermittler.

In Pakistan wurde denn auch mindestens eine weitere Verhaftung vorgenommen. Es handele sich zum einen Bekannten des in New York gefassten Tatverdächtigen Faisal Shahzad, sagte ein Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes am Dienstagabend. Ein anderer Beamter erklärte, seit dem gescheiterten Anschlag am Samstag seien bereits mehrere Pakistaner festgenommen worden.

Fünf Monate in Pakistan

Die pakistanischen Taliban hatten gleich in drei im Internet publizierten Videos, wenn auch sehr vage, die Verantwortung für das Attentat übernommen. Laut US-Medienberichten hat sich Faisal Shahzad letztes Jahr fünf Monate in seinem Geburtsland aufgehalten. US-Geheimdienstler glauben laut dem Blog «The Long War Journal», er habe einige Zeit in einem Ausbildungslager von Taliban oder Al Kaida in der Provinz Nord-Waziristan verbracht. Eine Bestätigung gab es vorerst nicht, allerdings soll Shahzad in die Stadt Peshawar gereist sein, ein bekanntes «Epizentrum» der Extremisten.

Auf die Spur des gebürtigen Pakistanis kamen die Ermittler laut dem Fernsehsender ABC durch Hinweise im Tatfahrzeug, einem Nissan Pathfinder. Shahzad soll das im Internet angebotene Auto vor wenigen Wochen von einer Familie im Bundesstaat Connecticut gekauft und den Preis von 1300 Dollar in bar und ohne «Papierkrieg» bezahlt haben. Das Geschäft sei auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums abgewickelt worden. Dort habe Shahzad eine Probefahrt unternommen, die von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurde.

Video in Connecticut hochgeladen

Nach Connecticut führt eine zweite heisse Spur. Eines der Bekennervideos soll gemäss ABC am Sonntagmorgen von dort lebenden Personen auf eine YouTube-Site hochgeladen worden sein, die erst am Tag vor dem Anschlag registriert wurde. Darin übernimmt ein Sprecher der Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) «die volle Verantwortung für den jüngsten Anschlag in den USA». Details nennt er keine, das Video wurde nach Ansicht der Behörden vor dem gescheiterten Attentat aufgezeichnet.

Die Bundespolizei FBI durchsuchte in der Nacht zum Dienstag den letzten bekannten Wohnsitz Shahzads in der Stadt Bridgeport in Connecticut. Zuvor wohnte er gemäss «New York Times» im benachbarten Ort Shelton, zusammen mit seiner Frau namens Huma Mia und zwei gemeinsamen Kindern. Das Ehepaar habe nur schlecht Englisch gesprochen, berichtet eine Nachbarin. Die Familie habe rund drei Jahren in der Gegend gelebt, Faisal Shahzad sei jeden Morgen gut angezogen weggegangen. Er habe ihr gesagt, er arbeite an der Wall Street, so die Nachbarin.

Pakistan um Hilfe gebeten

Vor rund einem Jahr zog er aus, einen Monat später folgte seine Frau. Vermutlich begab sich Shahzad danach nach Pakistan. Im April letzten Jahres hatte er die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Faisal Shahzad sollte noch am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden Angesichts der Indizien haben die USA Pakistan um Hilfe bei den Ermittlungen gebeten. Ein Regierungssprecher in Islamabad sagte am Dienstag, Aussenminister Shah Mahmood Qureshi habe US-Botschafterin Anne W. Patterson bei einem Treffen jede denkbare Unterstützung zugesagt.

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