Aktualisiert 29.09.2009 12:24

Neue Führungskraft

Die SRG sucht den Generaldirektor

Die SRG SSR idée suisse hat am Dienstag die Suche nach einer neuen Generaldirektorin oder einem neuen Generaldirektor aufgenommen. Dabei sucht das Unternehmen in erster Linie eine führungsstarke Persönlichkeit mit betriebswirtschaftlicher Fachkompetenz.

Erst in zweiter Linie sollte die neue Person an der SRG-Spitze über Fernseh- und Multimediaerfahrung verfügen, sagte Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch vor den Bundeshausmedien in Bern.

Führungserfahrung in Grossunternehmen

Das Anforderungsprofil sei eigentlich das einer «eierlegenden Wollmilchsau», fuhr er fort. Im Wissen, dass solche Organismen nicht existierten, sucht das grösste Schweizer Unternehmen für elektronische Medien einen Menschen mit Führungserfahrung in einem Grossunternehmen.

Zudem sollte er oder sie eine Leaderpersönlichkeit mit hoher Sensibilität für die helvetischen Gegebenheiten sein sowie ein überzeugtes Bekenntnis zum Service public ablegen.

Ein hohes Frustrationspotenzial sei ebenfalls empfehlenswert, erklärte Münch. Das Idealalter liegt zwischen 45 und 55 Jahren. Egal ist das Parteibuch und die Herkunft aus einer bestimmten Sprachregion.

Head-Hunter beauftragt

Nachdem der letzte Generaldirektor aus der Romandie Marcel Bezençon von 1950 bis 1972 war, kann sich der Verwaltungsratspräsident durchaus wieder einen Romand vorstellen. Der Lohn bewegt sich nach Münchs Worten im Rahmen des Vorgängers Armin Walpen, also etwa bei einer halben Million Franken im Jahr zuzüglich Nebenleistungen. Das sei im Vergleich zur restlichen Wirtschaft bescheiden.

Die Stelle wird Mitte Oktober in einem Inserat ausgeschrieben. Daneben laufen gezielte Ansprachen möglicher Kandidatinnen und Kandidaten. Beim Findungsprozess steht der SRG SSR idée suisse ein Head-Hunter-Unternehmen zur Seite. Die Frist für Bewerbungen läuft am 13. November ab.

Der aus Münch, Viktor Baumeler, Jean-François Roth und Ulrich Gygi bestehende Nominationsausschuss erstellt im Januar 2010 eine Shortlist von 5 Personen. Im April sollen dem Verwaltungsrat zwei Kandidaturen vorgelegt werden, die Wahl dann im Mai getroffen sein. Die Delegiertenversammlung bestätigt sie anschliessend. Wahlgremium ist einzig der Verwaltungsrat.

«Superdirektoren»: Ernennung später

Ein neuer stellvertretender Generaldirektor wird erst im Anschluss daran bestimmt. Auch die neuen «Superdirektoren» für die zusammengelegten Aktivitäten der Sprachregionen werden nach Aussage Münchs erst in Zusammenarbeit mit der neuen Generaldirektorin oder dem neuen Generaldirektor bestimmt.

Die SRG SSR idée suisse sucht nach einer neuen Unternehmensführung, weil Generaldirektor Armin Walpen auf Ende 2010 in den Ruhestand tritt. Der stellvertretende Generaldirektor Daniel Eckmann verlässt das Unternehmen Ende Januar 2011. Walpen trat sein Amt als 7. Generaldirektor 1996 an und steht wie seine zwei direkten Vorgänger der CVP nahe.

In den roten Zahlen

Auf die Nachfolgenden warten einige Herausforderungen. Mit dem Projekt «Medienkonvergenz» legt das Unternehmen Fernsehen und Radio ab etwa Mitte 2010 zusammen. Dann gibt es pro Sprachregion nur noch eine Unternehmenseinheit. Walpen wird diesen Prozess noch abschliessen oder soweit wie möglich vorantreiben.

Die mit Gebühren finanzierte SRG SSR idée suisse schloss das Jahr 2008 mit einem Defizit von 79 Millionen Franken ab. Budgetiert gewesen war ein Minus von 57 Millionen Franken. Negativ zu Buche schlugen die Fussballeuropameisterschaft und die Olympischen Spiele in Peking sowie der Rückgang der Werbeeinnahmen in der Krise. Ein Sanierungsfall sei das Unternehmen damit nicht, sagte Münch.

Bei der SRG SSR idée suisse arbeiten über 6100 Personen in 4800 Vollzeitstellen. Der Jahresumsatz beläuft sich auf rund 1,6 Milliarden Franken. Das Unternehmen verfügt über acht Fernseh-, 18 Radioprogramme sowie ergänzende Internet-Angebote und Teletextdienste.

(sda)

Lohn des SRG-Generaldirektors wird ungefähr gleich bleiben

Der neue SRG-Generaldirektor wird ungefähr gleich viel verdienen wie der alte. Laut SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch beträgt das Gehalt rund eine halbe Million Franken plus Nebenleistungen. Dieser Lohn könnte die Auswahl einschränken. Münch stellte jedenfalls am Dienstag vor den Medien fest, dass die SRG für den Posten sehr hohe Anforderungen stelle, aber beim Gehalt nicht mit vergleichbaren Führungspositionen in der Privatwirtschaft mithalten könne. Der amtierende Generaldirektor Armin Walpen hatte im vergangenen Jahr gemäss Kaderlohnreport rund 550.000 Franken verdient. (ap)

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