Ruth Genner: «Die Stadt kann auch gescheiter werden»
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Ruth Genner«Die Stadt kann auch gescheiter werden»

Die Zürcher Tiefbauvorsteherin Ruth Genner nimmt zum neuen Tempokonzept der Stadt Stellung. Dabei kündigt sie den baldigen Start eines Pilotversuchs für Tempo 30 nachts an.

von
rom
Auf Hauptachsen wie hier am Zürcher Bellevue gilt weiterhin Tempo 50.

Auf Hauptachsen wie hier am Zürcher Bellevue gilt weiterhin Tempo 50.

Frau Genner, auf den meisten Hauptachsen soll auch künftig Tempo 50 gelten. Dabei könnte der Stadtrat Tempo 30 ohne Segen des Kantons verfügen. Warum tut er das nicht?

Es ist wichtig, dass wir die Hierarchie beibehalten, sonst verdrängen wir den Verkehr in die Quartiere. Also: Tempo 50 auf den Hauptachsen, Tempo 30 in den Quartieren. Einzig auf kurzen Abschnitten in Quartierzentren wie etwa dem Wollishofer Morgental oder in Albisrieden wollen wir Tempo 30 einführen. Es geht dabei um Lärmreduktion, Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden und die Erhöhung der Aufenthaltsqualität.

Gerade aber in Albisrieden regt sich Widerstand aus dem Quartier gegen die Tempo-30-Pläne im Zentrum. Das behindere den ganzen Verkehr, speziell auch die Busse.

Es gibt aber ebenfalls viele Befürworter. Mit Einwendungen zu solchen Plänen rechnen wir überall. Die Stadt kann dadurch auch gescheiter werden und gewisse Dinge anpassen. Was die Busse angeht, so gibt es übrigens keine Fahrzeitverlängerungen, das zeigen Berechnungen der VBZ.

Wären solche Zentrums-Tempo-30-Zonen auch an Orten wie dem Hauptbahnhof und Bellevue denkbar?

Theoretisch schon. Entschieden ist da noch nichts.

Wird es abgesehen von den Hauptachsen in Zürich künftig überhaupt noch Tempo-50-Abschnitte geben?

Ja, denn es gibt durchaus Strassen abseits der wichtigen Achsen, wo Tempo 50 Sinn macht.

Gegen die neuen Tempo-30-Zonen, für die das Polizeidepartement bereits Gesuche eingereicht hat, wehrt sich unter anderem der TCS. Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Stadt diese Pläne alle umsetzen kann?

Letztlich bleibt uns nichts anderes übrig, als die Lärmschutzvorgaben des Bundes bis 2018 zu erfüllen. Wenn nicht über Temporeduktionen, dann mit technischen Mitteln – bloss wäre das viel teurer.

Wie steht es um die Pläne, nachts flächendeckend Tempo 30 in der Stadt Zürich einzuführen?

Ein Pilotversuch an ein paar ausgesuchten Orten ist geplant. Wo und wann, wird der Stadtrat schon bald kommunizieren.

Laut dem neuen Konzept will der Stadtrat auch dafür sorgen, dass Tram und Bus vermehrt auf eigenem Trassee fahren können. An der Stampfenbachstrasse ist dies bereits der Fall – doch ausgerechnet dort will die Stadt Auto und ÖV auf derselben Spur vereinen. Ist das kein Widerspruch?

Nein. Auf der Stampfenbachstrasse fehlen heute Velospuren, obwohl es sich um eine wichtige Achse dafür handelt. Um Platz für Zweiräder zu schaffen, sollen sich Auto und Tram künftig die Spur teilen.

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