Entscheid mit Signalwirkung – Die Stadt Köln erlaubt den Muezzin-Ruf
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Entscheid mit SignalwirkungDie Stadt Köln erlaubt den Muezzin-Ruf

Zum Freitagsgebet dürfen Geistliche künftig wie in mehrheitlich muslimischen Ländern üblich über eine Kanzel aufrufen. Der Modellversuch ist mit mehreren Beschränkungen versehen.

von
Patrick McEvily
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Im Kölner Stadtteil Ehrenfeld befindet sich mit der DITIB-Zentralmoschee eines der grössten muslimischen Gotteshäuser Deutschlands.

Im Kölner Stadtteil Ehrenfeld befindet sich mit der DITIB-Zentralmoschee eines der grössten muslimischen Gotteshäuser Deutschlands.

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In der deutschen Grossstadt dürfen muslimische Gemeinden künftig einen Antrag stellen, dass ihr Muezzin die Gläubigen am Freitag öffentlich zum Gebet aufrufen darf.

In der deutschen Grossstadt dürfen muslimische Gemeinden künftig einen Antrag stellen, dass ihr Muezzin die Gläubigen am Freitag öffentlich zum Gebet aufrufen darf.

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Die Verantwortlichen der viertgrössten deutschen Stadt gaben diese Woche den Start des Modellversuchs bekannt.

Die Verantwortlichen der viertgrössten deutschen Stadt gaben diese Woche den Start des Modellversuchs bekannt.

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Darum gehts

  • Die Stadtverwaltung Köln erlaubt künftig muslimischen Ausrufern – den sogenannten «Muezzin» – von der Kuppel zum Freitagsgebet aufzurufen.

  • Dies ist in muslimischen Ländern üblich, in Deutschland und Europa gab es bis jetzt jedoch noch Vorbehalte.

  • In Köln ist man stolz auf den Entscheid und will über zwei Jahren prüfen, wie dieser umgesetzt wird.

Die Stadt Köln erlaubt künftig muslimischen Gemeinden über Lautsprecher oder von erhöhten Plattformen vom Gotteshaus zum Gebet aufzurufen. Dies berichtete die Wochenzeitung Die Zeit. Die Moscheegemeinden müssen dafür jedoch mehrere Auflagen erfüllen. So dürfen die Rufe nur zwischen 12.00 und 15.00 Uhr ertönen und maximal fünf Minuten lang sein. Die Lautstärke wird zudem reglementiert. Die Nachbarn müssen sie mittels Flyer informieren, zudem können sie Beschwerden einreichen.

Testversuch läuft über zwei Jahre

Noch bleibt es gemäss der «Zeit» bei einem Versuch. Nach zwei Jahren wollen die Verantwortlichen prüfen, ob die Regelung beibehalten werden soll oder nicht. Die Bürgermeisterin der Stadt Köln, Henriette Reker (parteilos), sieht den Entscheid jedoch positiv. «Wenn wir in unserer Stadt neben dem Kirchengeläut auch den Ruf des Muezzins hören, zeigt das, dass in Köln Vielfalt geschätzt und gelebt wird», gibt sie gegenüber der «Bild»-Zeitung an.

Ausserdem heisst es im Artikel, dass die Verantwortlichen des grössten muslimischen Gotteshauses in Köln, der DITIB-Zentralmoschee noch keinen Antrag gestellt hätten. Rund um die Erstellung der Moschee gab es 2012 Diskussionen über die Turmhöhe der Minarette. In der Schweiz sorgte die Minarett-Initiative 2009 für internationales Aufsehen. Kritiker sahen im Volksentscheid zum Verbot der Anbauten eine islamfeindliche Überreaktion.

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