«Salü»-Büssli nervt Taxifahrer – «Die Stadt möchte uns in den Ruin treiben»
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«Salü»-Büssli nervt Taxifahrer«Die Stadt möchte uns in den Ruin treiben»

Seit dem 1. März dieses Jahres fährt in Wil SG das sogenannte «Salü»-Büssli. Mit einem ÖV-Billett und drei Franken fährt dieser Passagiere ab 20 Uhr durch die Stadt. Die lokalen Taxiunternehmen beklagen sich über Kundenschwund und bangen um ihre Existenz.

von
Shannon Zangger
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Der Shuttlebus «Salü» kommt bei der Bevölkerung gut an.

Der Shuttlebus «Salü» kommt bei der Bevölkerung gut an.

Bus Ostschweiz AG
Per App kann man den Bus von 20 bis ein Uhr morgens in der ganzen Stadt für drei Franken und einem ÖV-Billett buchen.

Per App kann man den Bus von 20 bis ein Uhr morgens in der ganzen Stadt für drei Franken und einem ÖV-Billett buchen.

BUS Ostschweiz AG
Die Taxifahrer und -fahrerinnen bangen um ihr Geschäft und ärgern sich, dass ihnen die Stadt kein Stück entgegenkommt.

Die Taxifahrer und -fahrerinnen bangen um ihr Geschäft und ärgern sich, dass ihnen die Stadt kein Stück entgegenkommt.

20 Minuten/ Marion Alder

Darum gehts

Am 1. März wurde das Abendtaxi von dem neuen On-Demand Shuttle in Wil SG abgelöst. Seit der Betriebsaufnahme steigt die Anzahl der Fahrgäste täglich an. «Die Nachfrage hat sich gegenüber derselben Periode in den Vorjahren um über 15 Prozent erhöht», heisst es in der Medienmitteilung der Bus Ostschweiz AG. Das merken auch die lokalen Taxifahrer und -fahrerinnen, denen der Abendbetrieb beinahe komplett ausfällt, wie mehrere Unternehmen auf Anfrage sagen. Nach der Corona-Pandemie und den kriegsbedingt steigenden Benzinpreisen kommt für sie mit der günstigen Shuttlebus-Konkurrenz die nächste finanzielle Herausforderung.

Taxis können mit ihren Preisen nicht mithalten

Das Angebot vom neuen «Salü»-Büssli ist von 20 bis ein Uhr morgens benutzbar. Auf einer App kann eingegeben werden, wann und wo man in den Bus ein- und aussteigen möchte. Um von diesem Angebot zu profitieren, benötigt man ein gültiges ÖV-Ticket der Zone Stadt-Wil und zusätzlich drei Franken. Die App ist in sechs verschiedenen Sprachen verfügbar. «Drei Franken sind drei Franken, mit diesen Preisen können wir Taxiunternehmen einfach nicht mithalten», sagt Ulrich Rohner, Chef von Taxi Edelweiss. Für zwei Taxi-Parkplätze zahle er 2500 Franken jedes Jahr, diesen Betrag musste er trotz der Corona-Pandemie voll zahlen.

Keine Kunden zu Shuttlebuszeiten

Mit dem neuen «Salü»-Angebot ist das Geschäft noch schwieriger als zuvor. «Ich habe meinen Chauffeur gefragt, wie der Samstagabend-Betrieb gelaufen ist. Er sagte mir, dass er bis ein Uhr morgens keine Kundschaft hatte», so Ulrich Rohner. Das deckt sich zeitlich mit dem Angebots des «Salü»-Büsslis.

Wenig optimistisch ist er, dass die Stadt Wil den Taxifahrenden entgegenkommen wird. «Die Stadt wird sich höchstens dazu entscheiden, weniger Taxilizenzen auszustellen. Das könnte dazu führen, dass ein bestehendes Unternehmen aufhören muss, weil es keine Lizenz mehr bekommt.»

Ein Taxiunternehmen, welches anonym bleiben möchte, sagt zu 20 Minuten, dass es kaum mehr möglich ist, das Geschäft in der aktuellen Lage weiterzuführen. «Um die Taxibranche steht es ohnehin schlecht, es ist für mich unverständlich, wie die Stadt keinerlei Subventionen der Branche zur Verfügung stellt. Man hat das Gefühl, die Stadt möchte uns in den Ruin treiben.»

Die Stadt Wil sagt auf Anfrage, dass sie noch keine Anträge für Verbilligungen erhalten habe. «In diesem Jahr gab es keinen Antrag auf Verbilligungen für Lizenzen», sagt Stefan Sieber von der Stadt Wil. Subventionen werden ohne Antrag auch nicht ausgestellt.

Keine Konkurrenz

Die Bus Ostschweiz AG, welche diesen Service betreibt, sagt, dass der Service als Komplementärservice und nicht als Direktkonkurrenz gesehen werden darf. «Der Shuttlebus bietet keinen Haus-zu-Haus-Service, wie das Taxiunternehmen anbieten», sagt Hans Koller von der Bus Ostschweiz AG. Deshalb kann es zu zusätzlichen Wartezeiten kommen, weil andere Kunden und Kundinnen auf ähnlicher Route auch abgeholt werden. «Der Salü-Shuttlebus ist eine Erweiterung des ÖVs und wurde von der Stadt und dem Kanton in Auftrag gegeben.»

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