Schaffhauser Munot : Die Stadt sucht einen Wächter für ihre Festung
Aktualisiert

Schaffhauser Munot Die Stadt sucht einen Wächter für ihre Festung

Er wohnt in einem Turm und muss jeden Abend um neun das Glöckchen läuten: Wer Schaffhauser Munotwächter werden will, kann sich jetzt bewerben. Der Job ist aber knochenhart.

von
som

Auf einem Hügel, da steht er – der Munot. Die Festung aus dem 16. Jahrhundert ist das Wahrzeichen von Schaffhausen. Bis heute wohnt zuoberst im Turm ein Wächter. Das gibt es sonst kaum noch in der Schweiz, wie Christian Beck (63) sagt.

Seit neun Jahren hat Beck mit seiner Frau Christine dieses Amt inne, kein gewöhnlicher Achtstundenjob, wie er sagt: «Ich muss zwar nicht rund um die Uhr arbeiten, die Präsenzzeiten sind aber hoch.» Er wache zwar nicht mehr wie früher über die Bevölkerung, etwas ist aber geblieben: Jeden Abend Punkt neun Uhr muss er das Munotglöckchen läuten. Vergessen hat er das noch nie: «Das hätte für einen regelrechten Skandal gesorgt.» In den Ausgang in die Stadt könne er deshalb erst nach neun Uhr. Immerhin liegen ab und zu Ferien drin: «Ich muss mich dann einfach um eine Vertretung kümmern.»

Der Munot muss auch WC putzen

Da er im Frühling 2017 pensioniert wird, sucht die Stadt schon jetzt eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. «Das Einarbeiten braucht Zeit», so Beck. Denn mit dem Glöckchenläuten sei sein Job keineswegs getan. Der Munotwächter muss sich auch um die Hirsche auf dem Gelände kümmern, Touristenführungen durch die Festung machen, bei Veranstaltungen mithelfen und Abwartsdienste übernehmen. «Man sollte kommunikativ sein, aber sich trotzdem nicht zu schade zum WC-Putzen sein.»

Körperliche Fitness ist ebenfalls Pflicht, denn von der Stadt bis zu seiner Wohnung muss der Wächter 311 Treppenstufen überwinden – einen Lift gibt es nicht. «Man ist schon viel auf den Beinen», so Beck. Dafür darf das Wächterehepaar in einer 110 Quadratmeter grossen Turmwohnung mit grandioser Aussicht und Holzofenheizung wohnen. Von seinem Lohn könnten er und seine Frau gut leben, so Beck. Konkrete Zahlen will er nicht nennen.

Gemäss dem «SRF-Regionaljournal» sind beim städtischen Personaldienst bisher rund 20 Bewerbungen für seine Nachfolge eingegangen. Die Frist läuft noch bis Ende Februar. Auch Nicht-Schaffhauser dürfen sich bewerben.

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