Blerim Dzemaili: «Die Stärke dieser Nati ist die Gruppe»
Aktualisiert

Blerim Dzemaili«Die Stärke dieser Nati ist die Gruppe»

Unter Vladimir Petkovic blüht Blerim Dzemaili auf. Der Routinier lobt die Chemie im Team und verteilt einen Seitenhieb an ehemalige Nati-Captains.

von
E. Tedesco

Unter Vladimir Petkovic blüht Blerim Dzemaili auf und entdeckt seine neue, alte Liebe zur Nati. (Video: 20 Minuten)

«Ich habe selten eine Gruppe gesehen, die so zusammensteht», sagt Blerim Dzemaili stolz. Dies hätten in erster Linie die Erfahrenen in der Nati bewerkstelligt. «Früher haben sich die älteren Spieler zu wichtig genommen, und wir Jungen waren die Scheuen.»

An wen sich der Seitenhieb des heute 47-fachen Internationalen richtet, ist unschwer zu erraten: an die früheren Nati-Captains Johann Vogel und Alex Frei. «Damals war die Hierarchie wichtig. Heute weniger, auch wenn die älteren Spieler mehr zu sagen haben als die jungen. Wir wollen zusammen Spass haben, und es gibt keine Grüppchen mehr. Für uns ist wichtig, dass die Mannschaft weit kommt – und nicht, wer das Sagen hat.»

Durchzogene Endrunden-Bilanz

Mittlerweile gehört auch Dzemaili zu den Routinierten, neben Valon Behrami, Stephan Lichtsteiner, Steve von Bergen, Johan Djourou und Gelson Fernandes. Aber zum ersten Mal macht er sich berechtigte Hoffnungen, als Stammkraft an die EM zu reisen. Im Testspiel gegen Belgien spielte der 30-Jährige im Dreier-Mittelfeld vor Granit Xhaka und Behrami, aber hinter dem Offensiv-Trio Shaqiri, Mehmedi und Derdiyok/Seferovic und machte ein starkes Spiel, das er mit seinem 6. Nati-Tor krönte.

«Ich habe wirklich das erste Mal Hoffnung, dass ich als Stammspieler an die EM gehe. Bisher war ich immer nur Ergänzungsspieler», so Dzemaili, der am 1. März 2006 (3:1 in Schottland) in der A-Nati debütierte. Tatsächlich: An der WM 2006 in Deutschland spielte er keine Minute. 2008 vermieste ihm ein Kreuzbandriss die Teilnahme an der Heim-EM. 2010 verzichtete Ottmar Hitzfeld an der WM in Südafrika auf die Dienste des Mittelfeldakteurs, und an der WM vier Jahre später kam er auf lediglich 55 Minuten, verteilt auf drei Einsätze.

Aber in seinen 7 Minuten im Achtelfinal gegen Argentinien (0:1) hätte er Geschichte schreiben können. Dzemaili traf in der 121. Minute nur den Pfosten, die Schweiz musste die Heimreise antreten. «Heute denke ich nicht mehr oft daran, aber damals habe ich mir die Szene noch ein paar mal angeschaut», sagt Dzemaili. «So eine Aktion kann deine Karriere verändern. Aber vielleicht treffe ich an der EM.»

Im Ausland gelobt, in der Heimat kritisiert

«Ich hoffe, dass alle das Herz in die Hand nehmen und endlich alles raushauen, wozu sie fähig sind, denn in diesen Spielern steckt viel», so Dzemaili, der sich ungern ungern an die Kritik nach den März-Testspielen erinnert. «Ich bin stolz, für die Schweiz zu spielen, aber wenn ich mit etwas Mühe habe in der Schweiz, dann ist es diese Negativität.» Wenn im Ausland von der Nati die Rede sei, dann nur mit lobenden Worten. «Wieso wird im Ausland besser über die Nati geredet, als hier über sie geschrieben? Das verstehe ich nicht. Wir müssen doch alle zusammenstehen.»

Dzemaili erinnert an die Dynamik, die die U21 an der EM in Dänemark entfacht hat. Das wünscht er sich auch für Frankreich. Zwar habe er vor dem ersten Spiel gegen Albanien viel Respekt, weil in dieser Partie die Weichen für den weiteren Verlauf im Turnier gestellt würden, aber «ich traue dieser Mannschaft viel zu». Und was ist die Stärke dieser Mannschaft? Dzemaili wie aus der Pistole geschossen: «Ganz klar die Gruppe!» Und zu dieser will er gehören – als Stammspieler. Dzemaili hat seine alte Liebe zur Nati neu entdeckt.

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