Aktualisiert 05.06.2014 12:20

WM-Serie: 1990

Die Sternstunde des kleinen Totò Schillaci

«Notti magiche» – magische Nächte besangen Gianna Nannini und Edoardo Bennato im Sommer 1990. Für die Magie an der WM in Italien sorgte ein kleiner Sizilianer: Salvatore «Totò» Schillaci.

von
Oliver Fischer

Der Ort: das Olympiastadion in Rom.

Das Datum: Samstag, der 9. Juni 1990.

Die Zeit: ca. 22.25 Uhr.

Das Ereignis: das erste Spiel des Gastgebers Italien gegen Österreich.

Knapp drei Minuten zuvor, in der 74. Minute, ist bei den Italienern Salvatore «Totò» Schillaci für Andrea Carnevale eingewechselt worden. Der 1,75 m kleine Stürmer steht an der Fünf-Meter-Linie zwischen zwei Verteidigern, von der rechten Strafraumgrenze kommt die Flanke zur Mitte. Totò steigt hoch und wuchtet den Ball per Kopf ins Netz – Italien gewinnt das Eröffnungsspiel 1:0 und die vier erstaunlichsten Wochen von Totò Schillaci sind lanciert.

Von der Serie B an die WM in knapp einem Jahr

Dass es überhaupt dazu kommen konnte, hätte in Italien selbst in dem Moment noch niemand gedacht. Wer war dieser Schillaci überhaupt? Noch eine Saison zuvor hatte der Sizilianer beim kleinen FC Messina in der italienischen Serie B gekickt. Dort wurde er in der Saison 1988/89 Torschützenkönig, was ihm den Wechsel zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin einbrachte. Der Beamtensohn, der als eines von sieben Kindern aufwuchs und als Kind Reifen flickte, um die Familie zu unterstützen, bejubelte seinen Wechsel als «Erfüllung aller Sehnsüchte». Für die «Vecchia Signora» erzielte er in der ersten Saison 15 Tore in der Serie A und debütierte im März 1990 in der Nationalmannschaft.

Für die WM war Schillaci gemeinsam mit dem jungen Roberto Baggio als Ersatz für die Stammstürmer Andrea Carnevale und Gianluca Vialli aufgeboten worden. Doch diese Hierarchie sollte sich schon bald ändern. Nach seinem Jokertor gegen Österreich sass er gegen die USA zwar zunächst wieder auf der Bank, kam aber bereits nach 51 Minuten ins Spiel. Obwohl er gegen die Amerikaner kein Tor erzielte, verpasste er danach keine WM-Minute mehr. Und er dankte das Vertrauen mit Toren in allen folgenden Spielen, darunter die siegbringenden Treffer zum 1:0 im Viertelfinal und zum 2:1 im kleinen Final. Mit seinen sechs Treffern wurde Schillaci Torschützenkönig des Turniers und zudem zum besten Spieler der WM gewählt.

Der Stern erlosch so schnell, wie er aufgegangen war

Dem kometenhaften Aufstieg Schillacis im Juni 1990 fehlte aber die Krönung. Im Elfmeterschiessen im Halbfinal gehörte er nicht zu den ersten fünf Schützen, und während die Argentinier allesamt trafen, scheiterten zwei Italiener am argentinischen Elfmeterkiller Sergio Goycochea – das italienische Märchen um den unerwarteten Helden Salvatore Schillaci fand kein Happy End. Und so schnell sein Stern aufgegangen war, so rasch erlosch er wieder: In den folgenden zwei Jahren bei Juventus, wo er mit Roberto Baggio das Sturmduo bildete, traf er nur noch elfmal. Der Wechsel zu Inter Mailand 1992 brachte keine Besserung, und so zog es Totò 1994 in die noch junge J-League nach Japan. 1997 beendete er seine aktive Karriere.

Salvatore «Totò» Schillacis sechs Tore an der WM 1990 in Italien (Quelle: youtube.com).

WM-Serie

Am 12. Juni beginnt mit dem Eröffnungsspiel in São Paulo die Fussball-WM in Brasilien. In einer Serie wirft 20 Minuten einen Blick auf vergangene Weltmeisterschaften, auf Stars und Helden, auf Geschichten und Anekdoten von damals.

Italien 1990

8. Juli 1990: Deutschland – Argentinien 1:0 (0:0

Stadion: Stadio Olimpico, Rom

Zuschauer: 73’603

Schiedsrichter: Mendez (Mexiko)

Tore: 84. Brehme 1:0.

Deutschland: Illgner; Augenthaler; Buchwald, Kohler, Brehme; Berthold (74. Reuter), Hässler, Matthäus, Littbarski; Völler, Klinsmann. (Trainer: Beckenbauer)

Argentinien: Goycoechea; Simon; Sensini, Serrizuela, (46. Monzon); Troglio, Burrachaga (53. Calderon), Basualdo, Lorenzo; Dezotti, Maradona. (Trainer: Bilardo)

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