Parteisekretäre: Die stillen Profis im Hintergrund

Aktualisiert

ParteisekretäreDie stillen Profis im Hintergrund

Am 1. April nimmt Tim Frey seine Arbeit als neuer Generalsekretär der CVP auf. Seinen Namen kennen nur Insider. Dies gilt auch für die Sekretäre anderer Parteien. Sie fristen ein Schattendasein - und sind trotzdem wichtige Figuren in der Schweizer Politik.

von
Roger Braun
SDA

Ihre Namen sind dem Mann und der Frau auf der Strasse kaum geläufig, doch bei ihnen laufen die Fäden innerhalb einer Partei zusammen: sie koordinieren, stehen den Medien Red und Antwort, kümmern sich um Mitglieder und Kantonalparteien. Kurz: Sie sind das Herz einer Partei.

Kein Politiker ...

Ein Sekretär hat zwar viele Organisationsaufgaben, ist aber mehr als ein Manager. «Eine meiner Hauptaufgaben ist es, eine politische Strategie zu erarbeiten», sagt SP-Sekretär Thomas Christen. Zusammen mit dem Vorstand legt der Sekretär zum Beispiel fest, was die Partei zu den Angriffen auf das Bankgeheimnis sagt.

Ist der Generalsekretär also Politiker? FDP-Sekretär Stefan Brupbacher verneint. «Ein Generalsekretär sollte im Hintergrund bleiben.» Das Rampenlicht gehöre den Kandidierenden. «Sie sind es schliesslich, die gewählt werden sollen.»

Eine Vermischung von eigenen politischen Ambitionen und dem Job als Sekretär sieht Brupbacher als gefährlich an. «Dies schadet der Partei in den meisten Fällen.» Dies heisst allerdings nicht, dass der Sekretär unpolitisch ist.

... aber politisch

Im Gegenteil: «Wer nicht absolut überzeugt ist von der Arbeit, die er tut, kann diesen Job nicht ausführen», sagt der Brupbacher, der seit gut einem Jahr im Amt ist. Ein Sekretär müsse 24 Stunden im Tag erreichbar sein. «Nur weil ich von der Politik der FDP überzeugt bin, kann ich das tun», sagt er.

Für Hubert Zurkinden, den langjährigen Sekretär der Grünen, ist die Identifikation mit den Ideen der Partei eine Grundvoraussetzung für den Job. «Wenn ich nicht vollkommen überzeugt wäre von der grünen Politik, hätte ich ein Glaubwürdigkeitsproblem.» Die Leute merkten es sofort, wenn er ihnen etwas vorspielen würde. Als Parteisekretär könne man nicht Technokrat sein. Es brauche Herzblut.

Person nicht im Mittelpunkt

Fliesst dieses Blut erstmal, vertreten die Sekretäre durchaus auch ihre eigenen Positionen. «Wenn ich bei der Erarbeitung eines Argumentariums zum Schluss komme, dass eine bestimmte Haltung besser ist als die andere, dann bringe ich mich auch dementsprechend ein», sagt der frischgebackene CVP-Sekretär Tim Frey.

Eine Politik mit dem Lautsprecher sei dazu nicht nötig. Er werde sich vor allem intern einbringen. «Ist erst mal ein Entscheid gefällt, dann vertrete ich den auch glaubwürdig gegen aussen.» Nicht er als Person stehe im Mittelpunkt. «Meine Aufgabe ist es, die Volksvertreter bei ihrer Arbeit zu unterstützen.»

Durchaus Einfluss

Kann ein Sekretär auf diese Art und Weise auch tatsächlich den politischen Kurs beeinflussen? Zurkinden leitet seit neun Jahren die Zentrale der Grünen und sagt: «Ich habe den Eindruck, dass ich den Kurs der Grünen stark geprägt habe.» Nicht, indem er sich in der Öffentlichkeit exponiert habe, sondern durch interne Überzeugungsarbeit.

Christen, der seit rund vier Jahren im Amt ist, erlebt das ähnlich. Er beurteilt den Einfluss des Sekretariats aufgrund des Milizsystems als relativ gross. «Da in der Schweiz nur wenige Leute Politik professionell betreiben, haben wir einen Wissensvorsprung», erklärt er. «Deshalb hat meine Einschätzung in der internen Meinungsfindung durchaus Gewicht.»

Auch wenn der informelle Einfluss gross ist: Am Ende entscheiden die Parteigremien, und da hat der Sekretär in einigen Parteien nicht einmal Stimmrecht.

Deine Meinung