Aktualisiert 07.08.2011 21:03

Rami Abdel Rahman

Die Stimme der Syrer aus dem Exil

Tausende Kilometer von seiner Heimat entfernt sorgt Rami Abdel Rahman dafür, dass die Welt tagtäglich von der anhaltenden Unterdrückung der Protestbewegung in Syrien erfährt.

von
uwb

Es ist nicht einfach sich einen wirklichen Überblick über die Lage in Syrien zu verschaffen. Da Damaskus ausländischen Reportern die Einreise in das Land verweigert, ist Abdel Rahmans Netzwerk - die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte - seit dem Beginn des Volksaufstands Mitte März eine der wichtigsten Informationsquellen überhaupt.

Rund 200 syrische Aktivisten arbeiten für die Beobachtungsstelle und halten den 40-jährigen Abdel Rahman mit Augenzeugenberichten von vor Ort auf dem Laufenden. Bei dem Exil-Syrer laufen quasi alle Fäden zusammen.

«Wir sind alle ganz normale Leute, mit einem normalen Leben und normalen Familien», sagt Abdel Rahman, der seit 2000 in Grossbritannien lebt. Dort führt er mit seiner syrischen Frau und der fünfjährigen Tochter ein eigentlich zurückgezogenes Leben. Damit er nicht zu sehr ins Visier der Schergen des syrischen Machthabers Assad gerät, will er sich auch nicht fotografieren lassen.

Bis vor kurzem war die vor fünf Jahren gegründete Beobachtungsstelle für Menschenrechte nur interessierten Kreisen bekannt. Doch mit dem Beginn des Volksaufstandes vor vier Monaten erlangte das Netzwerk international Bekanntheit. Der Name Abdel Rahman ist seither der Weltöffentlichkeit ein Begriff.

Aktivisten kennen sich nicht

Täglich steht der 40-Jährige mit seinen Mitstreitern in Kontakt, entweder über den Internet-Telefondienst Skype, per E-Mail oder über unregistrierte Telefonanschlüsse. Ein Büro hat die Beobachtungsstelle nicht.

«Wir arbeiten von zu Hause aus oder während unserer Jobs», sagt Abdel Rahman. Die meisten Aktivisten wissen nicht einmal, wer sich noch für das Netzwerk engagiert - ein Schutz, damit ihre Initiative nicht bei der Verhaftung eines Mitglieds enttarnt wird.

Der einzige, den alle kennen, ist Abdel Rahman. Der Mann aus der ostsyrischen Stadt Banias ist auch der einzige, der im Ausland lebt. Ihm würde bei einer Einreise nach Syrien eine Festnahme wegen «Aktivismus» drohen.

«Ich bin unabhängig»

Die syrischen Behörden werfen ihm vor, das Land destabilisieren zu wollen. Zudem bezichtigen Kritiker ihn, Mitglied der Muslimbrüder zu sein und eine politische Agenda zu haben. «Ich bin unabhängig, ich bin kein Muslimbruder und auch nicht Mitglied in der kommunistischen Partei», entgegnet Abdel Rahman ihnen.

Die Beobachtungsstelle erhalte von niemandem auch nur einen Penny, sondern werde von ihren Mitgliedern selbst getragen, ergänzt Abdel Rahman, der seit seinem siebten Lebensjahr weiss, wie wichtig das Thema Menschenrechte ist. Damals musste er mitansehen, wie seine grosse Schwester von Sicherheitskräften zusammengeschlagen wurde.

«Das Volk muss die Sache in die Hand nehmen»

Um nicht den Vorwurf auf sich zu ziehen, ein Propagandist zu sein, lehnt Abdel Rahman es ab, Gerüchte um Auflösungserscheinungen in der syrischen Armee zu kommentieren. Eines ist für den Aktivisten aber gewiss: «Die Demokratie wird in Syrien in sechs Monaten triumphieren.»

Derzeit gebe es zwar so etwas wie einen Krieg. «Aber wir dürfen jetzt nicht aufgeben», mahnt er. Westliche Appelle an die Führung in Damaskus, doch endlich Reformen durchzusetzen, würden aber wenig nützen. «Es ist das syrische Volk, das die Sache in die Hand nehmen muss», sagt Abdel Rahman.

(uwb/sda)

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