23.06.2015 20:01

Sprach-BiometrieDie Stimme wird zum todsicheren Passwort

Künftig sollen wir Handys nur mit unserer Stimme entsperren können. Die Stimmerkennung soll sogar sicherer als Fingerabdruck-Sensoren sein.

von
pst

Stimm-Erkennung soll die Freigabe von Smartphones und Bankdaten revolutionieren. (Video: Youtube/Nuance Enterprise)

Dass Passwörter nicht die sicherste Methode zur Nutzer-Erkennung sind, dürfte den meisten mittlerweile klar sein. Vor allem zur Absicherung heikler Daten wie etwa Bankkonten wird deshalb schon länger nach Alternativen gesucht. Eine der führenden Firmen in diesem Bereich ist Nuance. Das Spracherkennungsunternehmen zeichnete unter anderem für die Umsetzung von Apples Siri verantwortlich. Jetzt arbeitet die Firma an einem Verfahren, das Menschen per Stimme sicher und einfach identifizieren kann. Das System kommt bereits bei Banken zum Einsatz, wie Futurezone.at berichtet.

Laut Nuance können dank Stimmerkennung Sicherheitsabfragen nicht nur schneller und anwenderfreundlicher gestaltet werden, die Methode soll gar sicherer als die Nutzer-Erkennung via Fingerabdruck sein. Ein weiterer Vorteil liegt in der Umsetzbarkeit der neuen Technik: Da Smartphones bereits über die nötigen Hardware-Komponenten verfügen, könnte Sprachbiometrie ohne zusätzliche technische Aufwendungen und Kosten unabhängig vom Betriebssystem sowohl auf älteren als auch auf ganz neuen Handy-Modellen zum Einsatz kommen.

Aktive und passive Erkennung

Das Nuance-Spracherkennungssystem ist fähig, sowohl Sprachmelodie als auch Stimmlage des Nutzers zu analysieren. Zudem funktioniert es auch durchs Telefon und stellt sogar fest, ob eine zu identifizierende Stimme von Band abgespielt wird. Wie das System genau funktioniert, ist nicht bekannt. Es soll aber auch mit verschiedenen Dialekten innerhalb einer Sprachregion keine Probleme haben.

Grundsätzlich existieren zwei Arten von Stimmerkennung: eine aktive sowie eine passive. Während der User bei der aktiven Variante aufgefordert wird, einen vorgegebenen Satz vorzulesen, wird die Identität des Sprechers bei der passiven anhand beliebiger Äußerungen überprüft. Je länger dabei die zu analysierende Phrase ist, desto genauer funktioniert die Erkennung.

Banken und Callcenter im Fokus

Sprachbiometrie kommt gemäß den Nuance-Entwicklern bereits bei einigen Banken in Übersee zum Einsatz. Wird die Stimme des Kunden nach dem Vorlesen eines vorgegebenen Satzes eindeutig erkannt, bekommt er Zugriff auf sein Konto. Beim derzeitigen Stand der Technik muss beispielsweise bei Geldüberweisungen nach wie vor ein Sicherheitscode eingegeben werden. Auch Geldinstitute im deutschsprachigen Raum seien am neuen Erkennungssystem interessiert.

Neben Banken zielt Nuance auch auf Callcenter als Kunden ab. Hier könnten Mitarbeiter mithilfe von Spracherkennung überprüfen, ob sie auch tatsächlich die angerufene Person am anderen Ende der Leitung haben, oder ob das Gegenüber sich für jemand anderen ausgibt.

Datenschutz gewährleistet

Um Kunden den größtmöglichen Schutz ihrer persönlichen Daten zu gewährleisten, kann die dem Authentifizierungssystem zugrundeliegende Software lokal beim jeweiligen Unternehmen gesichert werden. Wird die Stimmerkennung beispielsweise in eine Smartphone-App integriert, können die Identifikationsmerkmale der Nutzer-Stimme nicht nur in der Cloud, sondern auch auf dem Handy direkt abgespeichert werden.

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