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Swiss IndoorsDie Stunde der Aussenseiter

Im Basel-Halbfinal kommt es zum überraschenden Duell zwischen Borna Coric (17) und David Goffin (23). Beide feierten im Viertelfinal den grössten Sieg ihrer Karriere.

von
kai

Der Blick auf die untere Tableauhälfte der Swiss Indoors lässt einen staunen. Da tauchen zwei Namen im Halbfinal auf, die wohl niemand dort erwartet hätte: Borna Coric und David Goffin. Wer kühn auf das Duell zwischen dem Kroaten und dem Belgier gewettet hätte, der hätte gutes Geld gemacht.

Der Vorstoss von Coric ist zweifellos die grössere Überraschung. Zwar hatte der 17-Jährige als Nummer 1 der Junioren sein Talent schon früher offenbart, der Sprung unter die letzten vier eines ATP-Turniers kam dennoch sehr prompt. Schliesslich hatte er erst im Juli seinen ersten Match auf der Tour gewonnen. Doch in Basel spielt er diese Woche gross auf.

Ich bin sehr stolz auf mich

Nachdem der Youngster in der Startrunde mit Ernests Gulbis (ATP 13) seinen ersten Top-20-Spieler geschlagen hatte, folgte sein Coup gegen die Nummer 3 Rafael Nadal. Nach dem verwandelten Matchball liess Coric ungläubig das Racket zu Boden fallen und schlug die Hände über den Kopf. «Ich bin sehr stolz auf mich», sagte er später. «Wenn mir jemand vor dem Turnier gesagt hätte, dass es so laufen wurde, hätte ich gelacht - und wäre verängstigt davongelaufen in der Annahme, derjenige sei verrückt.» So unbekümmert er spricht, so spielt Coric auch. Gegen Nadal agierte er selbst in brenzligen Situationen äusserst abgeklärt, keine Spur von Nervosität.

Im vergangenen Dezember durfte der Newcomer eine Trainingswoche mit Nadal, den er wie Federer bewundert, auf Mallorca verbringen. «Das hat mir geholfen, mich an sein Spiel zu gewöhnen», sagte Coric, dem Nadals Schwäche nicht verborgen geblieben war. «Er hat natürlich nicht sein bestes Tennis gespielt, trotzdem ist der Sieg eine grosse Überraschung für mich.»

Mit zwölf entschied sich Coric, auf Tennis zu setzen. Seither habe er hart gearbeitet, was sich nun auszahle. Sein Ziel waren die Top 200 Ende Jahr, nun wird er gar in die Top 100 vorstossen - die letzten 17-Jährigen, denen dieses Kunststück gelang, waren Richard Gasquet und Rafael Nadal 2004. Klar hat Coric, der ein grosser Fan von Ex-Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson ist, höhere Ambitionen. Er sagt: «Natürlich will ich irgendwann die Nummer 1 werden.»

Goffins unheimliche Siegesserie

Sein Gegner von heute Nachmittag (ab 14.30 Uhr) heisst David Goffin. Der 23-jährige Belgier ist der breiten Öffentlichkeit zwar noch weitgehend unbekannt, hat seit Wimbledon aber einen erstaunlichen Lauf. In den vergangenen knapp vier Monaten verlor er - Challenger-Turniere eingerechnet - lediglich zweimal, dies bei 42 Siegen. Seit Juli gewann er vier Challenger- und zwei ATP-Titel. Der jüngste Erfolg im Viertelfinal gegen Milos Raonic (ATP 9) war gleichzeitig Goffins wertvollster. «Das ist der grösste Sieg meiner Karriere», sagte er nach dem hart umkämpften Dreisatzsieg gegen den Kanadier.

Am Ursprung seiner wiedergefundenen Form nach diversen Rückschlägen steht ein Trainerwechsel im März. Mit Thierry Van Cleemput an seiner Seite habe er sich zunächst im Training stark verbessert. «Ich spielte danach Challenger-Turniere, um Selbstvertrauen zu tanken», erzählte Goffin. Das war offensichtlich die richtige Strategie. In der Weltrangliste ist er bis auf Platz 28 hochgeklettert, Tendenz steigend. Am Montag wird er erstmals in die Top 25 vorrücken.

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