«I’ll Be Gone in the Dark» – HBO-Serie zeigt Michelle McNamaras Suche nach dem Golden State Killer
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«I’ll Be Gone in the Dark»Die Suche nach einem Serienmörder trieb sie in den Tod

Bloggerin Michelle McNamara ermittelt auf eigene Faust im Fall des Golden State Killers. Doch ihre Obsession führt zur Tablettensucht und schliesslich zur Überdosis. Eine neue True-Crime-Serie erzählt ihre Geschichte.

von
Catharina Steiner

Der Trailer zur sechsteiligen Doku-Serie «I’ll Be Gone in the Dark».

HBO/Sky

Darum gehts

  • Am 3. Juni startet eine neue True-Crime-Doku auf Sky Schweiz.

  • «I’ll Be Gone in the Dark» zeichnet die Suche nach dem Golden State Killer nach.

  • Bloggerin Michelle McNamara setzte es sich zum Ziel, den Serienmörder zu finden.

  • Ihre Obsession trieb sie in die Tablettensucht.

  • Zwei Jahre nach ihrem Tod wurde der Mörder endlich verhaftet.

Alles begann im Jahr 1984. Kathy Lombardi (24) wurde beim Joggen in Oak Park nahe Chicago überfallen, brutal vergewaltigt und erstochen. Ihr Mörder wurde nie gefasst. Dieses Ereignis, die sich in Michelle McNamaras Nachbarschaft abspielte, prägte das damals 14 Jahre alte Mädchen ihr ganzes Leben lang.

McNamara wurde regelrecht süchtig danach, sich mit ungelösten Mordfällen zu beschäftigen. Nach ihrem Studium zog sie nach Los Angeles, um in der TV-Branche Fuss zu fassen. Ihre wahre Leidenschaft galt aber True Crime. 2006 lancierte McNamara, die mit dem TV-Star Patton Oswalt (»King of Queens») verheiratet war, ihren Blog «True Crime Diary».

Bloggerin Michelle McNamara starb im Alter von 46 Jahren an einer Überdosis Medikamente.

Bloggerin Michelle McNamara starb im Alter von 46 Jahren an einer Überdosis Medikamente.

Sky/HBO

Wenn sie ihre kleine Tochter ins Bett gebracht hatte, schaltete sie den Computer ein und verbrachte die Nächte vor dem Bildschirm. McNamara verfolgte ein Ziel: Sie wollte den Golden State Killer enttarnen. Der Serienmörder hatte in den 70er und 80er Jahren in Kalifornien 50 Frauen vergewaltigt und 13 Menschen ermordet. Die Taten wurden von der Polizei zunächst verschiedenen Tätern zugeschrieben, was die Suche nach dem wahren Mörder erschwerte. Der Fall blieb ungelöst, wurde zum sogenannten Cold Case.

Der Mörder riss sie in den Abgrund

Zunehmend besessen recherchierte McNamara vor Ort, sprach mit Ermittlern, Überlebenden und wühlte sich durch tausende Seiten an Fallakten. Doch das blieb für die junge Mutter nicht ohne Folgen: Überwältigt vom Material und schmerzhaften Erinnerungen versinkt sie bald ganz in der Welt des Mörders. Sie entwickelt eine schwere Medikamentensucht und stirbt im April 2016 an einer versehentlichen Überdosis. Michelle war tot – und der Golden State Killer noch auf freiem Fuss.

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Michelle McNamara und Ehemann Patton Oswalt (52) bei einer Filmpremiere.

Michelle McNamara und Ehemann Patton Oswalt (52) bei einer Filmpremiere.

imago/UPI Photo

Doch ihre Arbeit lebte weiter: Posthum erschien McNamaras Buch über den Fall und ihre Obsession, «Ich ging in die Dunkelheit: Eine wahre Geschichte von der Suche nach einem Mörder». Von ihrer Vorarbeit inspiriert, rekonstruieren Ermittler den Stammbaum des Killers. Zwei Monate nach der Veröffentlichung des Bestsellers wird der 72-jährige Ex-Polizist Joseph DeAngelo verhaftet: Er ist der Golden State Killer, den McNamara so lange gejagt hatte. 2020 wird er zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Chance auf Bewährung verurteilt.

Die sechsteilige Doku-Serie, die ab 3. Juni bei Sky Schweiz zu sehen ist, zeichnet eindrucksvoll die Geschichte von McNamara nach und gibt der weit verbreiteten Obsession für True Crime ein menschliches Gesicht. Dass am Ende die Gerechtigkeit siegte, macht den tragischen Tod der Bloggerin für die Zuschauerinnen und Zuschauer erträglicher.

Joseph James DeAngelo im Juni 2020 bei der Urteilsverkündung. Der Ex-Polizist hatte sich schuldig bekannt.

Joseph James DeAngelo im Juni 2020 bei der Urteilsverkündung. Der Ex-Polizist hatte sich schuldig bekannt.

imago images/ZUMA Wire

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