Aktualisiert 14.02.2012 09:30

Apologet des Untergangs

«Die Superblase platzt in zwei Jahren»

Für die einen ist er ein Schwarzseher, für die anderen ein kluger Prognostiker: Ökonom Walter Wittmann über sein neues Buch, unsere düstere Zukunft und den Nutzen von Bar- und Goldreserven.

von
Sandro Spaeth

Herr Wittmann, Ihr neues Buch heisst «Superkrise». Wann kommt sie?

Das kann ich nicht genau sagen – aber die Superkrise kommt. Die Finanzkrise ist alles andere als vorbei, die Banken sind voll mit toxischen Papieren und die Zentralbanken pumpen ständig weiter Geld ins System. Das zusammen ergibt eine Superblase, die alles in den Schatten stellt, was es bisher gab.

Wie weit sind wir vom Platzen dieser Superblase entfernt?

Wir stehen in der Phase der Beschleunigung. Eine Abschwächung ist nicht in Sicht. Und schon gar keine Wende. Einen Weg zurück gibt es nicht. Die Blase wird platzen – eher in zwei als in fünf Jahren.

Müssen wir alle Angst haben?

Nein, Angst haben sollte man nicht. Die Leute brauchen aber Informationen, damit sie richtig handeln können. Mit meinen Büchern will ich aufklären. Wenn ich höre, dass Politiker und Wirtschaftsführern behaupten, ‹alles wird gut, die Krise ist fast vorbei›, fühle ich mich verpflichtet zu sagen, wie es tatsächlich kommt.

Sie sind ein einsamer Rufer.

Das bringen meine ungünstigen Prognosen mit sich. Leider wollen viele Leute die Dinge nicht hören, die für sie ungünstig sind. Das ist ein normaler Reflex.

2012 bezeichnen Sie als Jahr der Entscheidung. Sind Sie doch nicht sicher, ob es rabenschwarz kommt?

Wenn die Geschichte Massstab ist für die Zukunft, wird 2012 die grosse Krise beginnen. Grundlage dafür sind die Kondratjew-Zyklen. Demnach geht es während 20 bis 25 Jahren aufwärts, gefolgt von einer scharfen Rezession und einigen Jahren Erholung. Danach geht es richtig bergab. Trifft Kondratjew zu, hätten wir grad die Erholung hinter uns.

Sie schiessen im Buch scharf gegen Politik und Wirtschaft. Man würde im eigenen Interesse zu früh erklären, die Krise sei vorbei. Sind die Leute nicht in der Lage dies zu durchschauen?

Die Leute vertrauen den Personen, die sie gewählt haben. Ebenso glaubt man grossen Wirtschaftskapitänen, obwohl einige Bankbosse schon 2003 erklärt hatten, die Immobilienkrise sei vorbei. Klar ist: Den Prognosen der Banken kann man nie trauen. Sie verfolgen vor allem eigene Interessen, um die Leute optimistisch zu stimmen.

Sie werden oft als Pessimist bezeichnet. Stört Sie das?

Nein, die Leute dürfen in mir sehen, was sie wollen. Ein Magazin schrieb einst über mich: «Der Schwarzseher vom Heidiland.» Darauf angesprochen, sage ich jeweils: ‹Endlich bin auch ich gradiert worden.› Wissen Sie, so wie die von Salis und die von Planta hier in der Gegend.

Ihr Buch «Der nächste Crash kommt bestimmt» erschien 2007. Bald darauf krachte es richtig. Ein gutes Gefühl?

Ich habe ein paar Mal recht gehabt mit meinen Zukunftstrends, das wurde aber nicht richtig anerkannt. Mit tut es gut zu sehen, dass ich richtig gelegen bin im Timing.

In Ihrem neuen Buch stilisieren sie auch den Wohlfahrtstaat zum Risiko. Er sei auf dem Weg zum Albtraum...

Er ist ein Fass ohne Boden. Nicht durchfinanzierte aber versprochene Sozialversicherungen werden in Europa künftig zum noch grösseren Problem als die Staatsschulden. Die Schweiz steht zum Glück besser da als Europa. Das grösste Risiko unseres Landes sind die die Grossbanken.

Weshalb?

Wenn die Superblase platzt, müssten die Staaten und die Nationalbanken erneut die Grossbanken retten. Der Fall von Lehman-Brothers im Jahr 2008 ist, verglichen mit dem was passieren könnte, eine Kleinigkeit. Für die Schweiz käme im Krisenfall hinzu, dass der Franken massiv stärker würde. Die Nationalbank dürfte die Kursuntergrenze zum Euro von 1.20 Franken auf Dauer nicht halten können.

Im Buch erteilen Sie Ratschläge zur Krisenvorsorge: Man solle die Hypothekarschuld auf Null abtragen, weil die Zinsen bei einer Hyperinflation enorm steigen würden. Ist Ihr Haus bezahlt?

Ich hatte einen grösseren Betrag auf einem Bankkonto. Die von der Bank riefen ständig an und meinten, man könne das Geld doch nicht einfach so liegen lassen. Ich bat darum, die Anrufe zu unterlassen und zahlte das Haus ab.

Haben Sie auch mit Gold vorgesorgt? Sie raten, 20 Prozent das Vermögens in Gold zu halten.

Ich besitze schon lange Gold – in Kilo und in Unzen. Das werde ich aber erst bei der Bank abholen oder verkaufen, wenn ich sonst nichts mehr anderes habe. Ich handle mit Goldminen-Aktien, um vom steigenden Goldpreis zu profitieren.

Ihre Bücher heissen «Staatsbankrot» oder «Superkrise». Möchten Sie nicht mal was Angenehmes schreiben?

Romane sind nicht mein Gebiet. Ich lese nicht mal Krimis. Ich mag nur Dinge, die ich für meine Bücher verwenden kann. Manchmal gibt mir meine Frau Texte aus dem Feuilleton der NZZ. Mir fehlt aber das Interesse dafür. Grob gesagt: Ich lese nur, was mir nützt. Ich will auch nicht ins Theater oder in die Oper. Da langweile ich mich. Schrecklich!

Verfolgen Sie, wie Ihre Bücher in den Bestsellerlisten abschneiden?

Selbstverständlich. Ich möchte gelesen werden und will auf die Bestsellerlisten. Das ist eine Art Ehrgeiz. Zudem interessiert es mich, um zu wissen, ob ich ein nächstes Buch realisieren kann. Ich möchte nicht vom Markt verschwinden.

Sie wurden schon als «Milton Friedman der Alpen» bezeichnet.

Mit einem der grossen Ökonomen in Verbindung gebracht zu werden – aber mit dem Zusatz Alpen – ist nicht grad schmeichelhaft. Ich habe aber Elefantenhaut und lasse mich nicht von anderen beeinflussen. Schlimmer wäre, wenn ich überhaupt nicht beachtet und totgeschwiegen würde.

Walter Wittmann ist emeritierter Wirtschaftsprofessor der Universität Freiburg. Er selbst sieht sich als Ordoliberaler, als jemanden, der für Marktwirtschaft mit bestimmten Rahmenbedingungen einsteht. Der 76-Jährige hat bereits über 20 Bücher verfasst, darunter «Der nächste Crash kommt bestimmt» (2007) und «Staatsbankrott» (2010). Im vergangenen Jahr erschien «Unabhängige Schweiz?». Wittmann lebt in Bad Ragaz. Er sagt, dass schreiben für ihn auch eine Art Therapie sei. Der Autor schreibt täglich etwa 1,5 Stunden an seinen Büchern, wobei es nie wirklich Arbeit sei. Sein neustes Werk heisst «Superkrise». Wittmann wäre nicht Wittmann, wenn er nicht bereits ein neues Buchprojekt im Kopf hätte. Es dürfte von den Auswirkungen des Kapitalismus handeln.

Walter Wittmann ist emeritierter Wirtschaftsprofessor der Universität Freiburg. Er selbst sieht sich als Ordoliberaler, als jemanden, der für Marktwirtschaft mit bestimmten Rahmenbedingungen einsteht. Der 76-Jährige hat bereits über 20 Bücher verfasst, darunter «Der nächste Crash kommt bestimmt» (2007) und «Staatsbankrott» (2010). Im vergangenen Jahr erschien «Unabhängige Schweiz?». Wittmann lebt in Bad Ragaz. Er sagt, dass schreiben für ihn auch eine Art Therapie sei. Der Autor schreibt täglich etwa 1,5 Stunden an seinen Büchern, wobei es nie wirklich Arbeit sei. Sein neustes Werk heisst «Superkrise». Wittmann wäre nicht Wittmann, wenn er nicht bereits ein neues Buchprojekt im Kopf hätte. Es dürfte von den Auswirkungen des Kapitalismus handeln.

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