Die Deutschen-Debatte: «Die SVP macht sich lächerlich»
Aktualisiert

Die Deutschen-Debatte«Die SVP macht sich lächerlich»

Mit ihrer jüngsten Kritik an der Moderatoren-Tätigkeit des deutschen Playmates Alena Gerber hat sich die SVP ins eigene Bein geschossen. Zumindest sprechen die Kommentare der Leser von 20 Minuten Online eine deutliche Sprache.

von
Olaf Kunz

Offensichtlich hat Nationalrat Hans Fehr mit seinen Äusserungen der SVP einen Bärendienst erwiesen. Dafür muss die Partei nun kräftig Prügel einstecken: «Was sich die SVP erlaubt, hat nichts mehr mit Volkspartei zu tun», echauffiert sich Leser Romain Cadario. Auch Carmen Diaz kann nur noch den Kopf schütteln. Allerdings nicht erst seit heute: «Wenn mich ausländische Freunde fragen, was das denn für eine Partei sei, muss ich immer Aufklärungsarbeit leisten. Also sage ich: 'Die SVP ist keine Partei, das ist eine Schweizer Doku-Soap!'» Dem kann René Wetter nur beipflichten: «Die SVP macht sich lächerlich.»

Typisch deutsche Arroganz?

Auch der unreflektierte Rundumschlag der SVP gegen Deutsche im Land stösst der überwiegenden Mehrheit der Leser sauer auf. Bruno Albicker fragt sich: «Was meint Herr Hess mit 'typisch deutscher Arroganz'?» Dem unterschwelligen Vorwurf des Urhebers der Arroganz-Unterstellung schliesst sich Marvin Heider an: «Über die Deutschen kann man denken, wie man will - aber sie arbeiten und integrieren sich.» Heider zieht seine persönlichen Schlüsse: «Wenn die SVP die helvetische Identität verkörpert, dann verzichte ich gern darauf.» Noch deutlicher wird Peter Rüfenacht: «Mir ist nicht erklärlich, wie diese Damen und Herren solchen hirnlosen Schwachsinn vom Stapel lassen können.»

Das untermauert Han Solo argumentativ: «Hochdeutsch ist bei uns keine Fremdsprache, wie das einige zu glauben scheinen. Schweizerdeutsch verfügt über keine eigene Grammatik, sie ist bloss ein alemannischer Dialekt.» Und zurecht verweist der User Pescheli auf das Schweizer Babylon: «Die Welschen, die Tessiner, die Rätoromanen sprechen ja auch nicht alle Schweizerdeutsch. Wollt Ihr, wie Gaddafi vorschlug, sie den umliegenden Ländern zuschlagen? Vielen Dank für so viel Intoleranz und Überheblichkeit.»

Zu viele Walliser im SF

Warum bezüglich der Moderationssprache ausgerechnet bei usgang.tv eine Ausnahme gemacht werden soll, verstehen viele User ebenfalls nicht. So zum Beispiel: «Die TV-Sendung mit den besten Einschaltquoten im Schweizer Fernsehen - die Tagesschau - wird ja auch in Schriftdeutsch gehalten.» Und für Mundart in News-Blöcken des SF gibt es sogar einen virtuellen Maulkorb von Han Solo: «Ehrlich gesagt, finde ich SF Meteo in Mundart ziemlich peinlich für ein klassisches Zuwanderungsland wie die Schweiz.» Roman legt sogar noch eins drauf: «Besser Hochdeutsch als die Überflutung mit Wallisern im Schweizer Fernsehen und Radio!» Und noch einen Seitenhieb muss der SVP-Nationalrat einstecken: «Lieber Herr Fehr, im TV gibts keine nationalen Führungspersonen. Und wenn doch, eine Moderatorin eines Ausgangsmagazins würde sicher nicht dazugehören. Wie doof wollen Sie uns hinstellen?»

Redaktoren absetzen

Was es bedeuten würde, wenn man die Kritik ernst nähme und konsequent umsetzt, malt sich User Apollon aus: «Ich habe hier keine Einträge und Berichte in Schweizerdeutsch gesehen. Da muss wohl jetzt auch die SVP dahinter und alle 20-Minuten-Online-Redaktoren absetzen sowie die Talkbacks schliessen.»

Stimmt, denn Kommentare auf Schweizerdeutsch werden in der Tat nicht freigeschaltet. Aus gutem Grund: «Walliser-, Zürich- und Baseldeutsch durcheinander ergäbe ein völliges Wirrwarr und viele würden nur noch Bahnhof verstehen. Deshalb ist unsere Schriftsprache Hochdeutsch», erklärt Hansi Voigt, Chefredaktor von 20 Minuten Online.

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