Aktualisiert 14.12.2011 16:14

Experten-Interview

«Die SVP wird zu einer normalen Partei»

Nach einer Serie von Niederlagen werde sich in der SVP einiges verändern, sagt Politologe Michael Hermann im Video-Interview. Auf einen zweiten Bundesratssitz werde die Partei noch länger warten müssen.

von
ske

Erst der Wählerverlust bei den Parlamentswahlen im Oktober, dann die schwierig wirkende Suche nach passenden Bundesratskandidaten, der Fall Bruno Zuppiger und schliesslich das irritierende Agieren bei den diesjährigen Bundesratswahlen – die SVP hat sich in den vergangenen Wochen nicht von ihrer glücklichsten Seite gezeigt. Der Politologe Michael Hermann ist deshalb überzeugt, dass sich in der SVP einiges verändern werde. «Die SVP wird zu einer normalen, konservativen Partei mit allen Vor- und Nachteilen», sagt Hermann. Sie habe sich bislang immer als rechte Partei definiert, die nicht so sei wie alle andern. Aber sie könne jetzt nicht mehr versuchen, mehrheitsfähig zu werden und sich gleichzeitig anders als alle anderen präsentieren.

Für Hermann ist klar: Die SVP wirkt angeschlagen. Den Grund sieht er in der veränderten Machtstruktur. Der Druck der Basis sei dieses Mal nicht mehr so stark gewesen. Die Partei sei bei den diesjährigen Wahlen vielmehr von oben geführt worden. «Die Partei hat nicht viele Stimmen verloren, aber es gab eine Serie von Niederlagen. Das schaukelt sich hoch und nimmt der Partei das Gewinner-Image. Dadurch geht bei einer Partei auch der Reiz und eine gewisse Sexiness verloren.» Die Oppositionspolitik werde daher nicht hart ausfallen, gibt sich der Politologe überzeugt. Zurzeit fehle der Partei vor allem Stärke, Geschlossenheit und Überzeugung, um mit einer Opposition viel zu erreichen.

Majorz-Politiker mit mehr Gewicht

Vielmehr würden in Zukunft SVP-Politiker mehr Gehör erhalten, die dafür bekannt sind, Allianzen zu schmieden und Mehrheiten zu bilden. SVPler wie zum Beispiel der Schwyzer Ständerat Alex Kuprecht werden mehr Wert darauf legen, dass Majorz-Politiker in der Partei mehr Gewicht erhielten. «Solche Leute werden in Zukunft ihre Stimme vermehrt erheben. Sie werden innerhalb der Fraktion vehementer ihre Positionen vertreten und sie werden auch mehr angehört werden.»

Dass die SVP schon bald wieder einen zweiten Bundesratssitz erhalten werde, glaubt Michael Hermann nicht. Im Gegenteil: Es gab in letzter Zeit mehrere Bundesratswahlen und der Bundesrat sei zurzeit bezüglich Amtsdauer sehr jung. «Wenn nicht jemand aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt, gehe ich davon aus, dass die jetzt Gewählten die Legislatur fertig machen werden. Das heisst für die SVP, dass sie noch länger ohne zweiten Bundesratssitz dastehen wird.»

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